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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-17 · Heft 47 (17.11.1868) · p. Seite 942

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 47 (17.11.1868)
Date
1868-11-17
Page
Seite 942 (sequence 12)
Language
German
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vorsündfluthliche Erd-Periode wiederherzustellen, und aller Reform in Chicago, Amerika und nachgerade noch dazu in Deutschland-Europa das Garaus" zu machen. Hier zu Lande findet einmal Alles sein Feld, der Frommthuer, wie der Freidenker, der Tüchtige, wie der Humbugger. Jndeß hat der Humbug auch hier kein langes Leben; während die Tüchtigkeit nur noch leichter als in der alten Welt, je mehr sie sich erprobt, sich desto sicherer einen ergiebigen Boden schafft. Bei dem Zusammenfluß der verschieden gearteten Elemente der Einwanderung kann es nicht Wunder nehmen, daß hier die seltsamste Heterogeneität auch in jüdisch-religiösen Dingen zur Erscheinung kommt. Darum aber ist es das Beste, daß sich, je nach Bildungsgrad und Gesittung, gesonderte Cultus-Gemeinschaften organisiren, anstatt in wilder Zusammenwürfe lung ein lockeres synagogales Ganze geschaffen würde, welches den Keim der Zerwürfnisse und Streitigkeiten mit zur Welt brächte. Mit der Orthodoxie hier zu Lande steht es übrigens um Vieles ungenauer, als in Europa. Die Altgkäubigkeit herrscht bloß in der Synagoge; außerhalb derselben „handelt" man am Sabbath darauf los und läßt sich, zumal auf Reisen, die Trepha-Küche auch ohne Aufklärung munden. Das ist hier zu Lande die Regel; die Ausnahmen sind Raritäten. Die Orthodoxie ist ein öffentliches Geheimniß des Selbstbetrugs. Uebrigens geht gegenwärtig unsere deutsche orthodoxe Gemeinde mit einigen synagogalen Reformen schwanger. In dem neuen Tempel, den diese Gemeinde nächstdem bezieht, soll Chor, Orgel und etwas Deutsch m den Gebeten Platz greifen. Den dreijährigen Cyclus für die Thorah-Vorlesung har sie nun ebenfalls bereits begonnen. Man munkelt, daß auch die Gebetstücke um den persönlichen Messias beseitigt werden sollen. Auch die polnische orthodoxe Gemeinde hat sich an den diesmaligen hohen Festtagen eine Neuerung oder Aenderung gestattet; indem sie, wie das betreffende Ausschreiben besagt, „wegen Mangel an Zeit", — mehrere Piutim und die Selichoth in Wegfall brachte. Noch muß ich Ihnen die auffallende Erscheinung berichten, daß hier nicht allein in der deutsch-orthodoxen, sondern auch in der polnisch-orthodoxen Gemeinde jüdisches Wissen gar nicht vorhanden ist. Die polnische Gemeinde hat keinen „Lamdan" aufzuweiseu. Eine fromme Kehillah und polnisch, und kein Lamdan — Dürfen wir hoffen, daß uns die Einwanderung solche zukührt? Dagegen ist gerade in der Resormgemeinde des Di'. Chronik, abgesehen von der allgemeinen Intelligenz, in einem, selbst in Deutschland seltenen Verhältnisse jüdisches Wissen, namentlich durch eine sehr beträchtliche Anzahl von Mitgliedern vertreten, die, theils in Deutschland, theils in den Vereinigten Staaten, Lehrer oder Prediger gewesen Wd und sich mit Glück dem Geschäftsbetriebe ergeben haben, ohne den Musen untreu geworden zu sein. —. Es wird gegenwärtig von den Reformern in den Vereinigten Staaten die Herausgabe zweier Preß- Organe dieser Richtung vorbereitet, die einander ergänzen sollen. Das eine wird als Wochenblatt im Osten, in New-Nork, unter der Hauptmitarbeiterschaft des Rabb. Dr. Einhorn, und das andre als Monatsschrift im Westen, in Chicago, redigirt von Rabb. Dr. Chronik, erscheinen. —. Die, vermöge Ihrer Anstrengungen, verehrter Herr Redakteur, zu Stande gebrachte Rabbiner-Versammlung in Cassel hat auch in Amerika — unsere politischen Blätter meldeten auszüglich die Verhandlungen — Aufsehen und bei den aufgeklärteren Juden Sympathien erregt. Freilich hatte man ein entschiedeneres Vorgehen erwartet; indeß wird nicht in Abrede gestellt, daß auch die gute Einleitung der Sache von unberechenbar großer Tragweite sei. Ihr Bericht in der Allg. Ztg. d. Judench. war ttefflich und aussöhnend. Anzeigen. Vacanz. In einer größern Stgdt Westfalens wird an einer öffentlichen Schule ein jüd. Lehrer, welcher guter Cantor und Prediger ist und ein Chor dirigiren kann, gesucht. Die Stelle bringt 4 bis 500 Thlr. nebst freier Wohnung ein. Nur qualificirte Bewerber wollen sich baldigst unter Mittheilung eines eur. vitae mit jder Chiffre A. B. N. 9 an die Exp. d. Zeit, wenden. Annonce. Ein uniw Schächter, Religionslehrer und Vorbeter, ledigen Standes, wünscht eine Stelle. Franco-Adreffen nimmt die Exped. d. Bl. unter öl. öl. 29 entgegen.

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