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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-10 · Heft 46 (10.11.1868) · p. Seite 929

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 46 (10.11.1868)
Date
1868-11-10
Page
Seite 929 (sequence 19)
Language
German
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sodann der General-Superintendent der Stadt Gandersheim, ebenso die Herren Deputirten aus Berlin und Wolfenbüttel, ferner der Medicinal-Rath Dr. Cohen aus Hannover, sodann der Rechnungsrath Gaerte aus Berlin, als Rendant und Rechnungsführer der Anstalt, und viele ehemalige Zöglinge der Anstalt, darunter manche Greise aus der Nähe und Ferne. Daß alle Lehrer und Beamte der Anstalt nebst ihren Frauen, sowie die Zöglinge derselben dabei betheiligt waren, ist wohl selbstverständlich. Speisen und Getränke waren von ausgezeichneter Qualität. Die Tafelreden waren von der Beschaffenheit, daß sie für jeden Hörer wohlthuend waren. Eine Aufzeichnung derselben, obwohl sie es sämmtlich verdienten, namentlich die der Herren Gotthelf und Ferdinand Jacobson, sowie die des General-Superintendenten Stöter, würde der Raum dieser Zeitung nicht gestatten. Der erste Toast galt unserm Landesvater und dem ganzen Herzoglich-Braunschweigischen Hause, das von jeher alle guten Bestrebungen unterstützte und förderte. Hierauf ergriff der Commissar der Herzoglichen Kreisdirection das Wort, um im Aufträge unserer Landesregierung die hierbei folgende Kundgebung derselben vorzutragen. Sie lautet wie folgt: „An die Herzogliche Kreisdirection in Gandersheim. Es ist Uns bekannt geworden, daß mit dem 17. d. M. der Geburtstag des Stifters der Jacobson- Schule in Seesen zum hundertsten Male wiederkehrt und daß aus dieser Beranlasiung eine Gedächtnißfeier daselbst beabsichtigt wird. Der Herzog!. Landesregierung gereicht es zum besonderen Vergnügen, das große Verdienst des Stifters der Jacobson-Schule anzuerkennen, zugleich aber auch die Ueberzeugung auszusprechen, wie die nachhaltig segensreiche Wirksamkeit der Anstalt wesentlich dadurch mitbegründet worden ist, daß die menschenfreundlichen Gesinnungen des Stifters in den Söhnen desselben, den gegenwärtigen Curatoren der Jacobson-Schule, unverändert fortleben. Wir beauftragen die Herzogl. Kreisdirection, dieses den Gebrüdern Jacobson, Herrn Rittergutsbesitzer Meyer Jacobson auf Schulzendorf und Herrn Dr. jur. Hermann Jacobson in Berlin, an dem bevorstehenden hundertjährigen Geburtstage des Stifters der Jacobson-Schule zu eröffnen, und ihnen dabei die besten Wünsche der Herzogl. Landesregieruug für das fernere Gedeihen der gedachten Anstalt auszudrücken. Braunschweig, 11. Oktober 1868. Herzogl. Braunschw.-Lüneburg. Staats-Ministerium, gez. W. Schulz." Diese Kundgebung von Seiten unserer humanen Landesregierung erwärmte und belebte alle Anwesende, ein nicht zu beschreibender Jubel erfüllte den Saal. Herr Dr. Arnheim legte seinem Toaste an das „alte Curatoriurn" Fr. Bodenstedt's Dichterwort zu Grunde: Ein treu Gedenken, lieb Erinnern rc. und versicherte, daß das liebevolle Wirken und Wallen des aus seinem Amte geschiedenen Curatoriums nie vergeffen werden könnte. Schnell erwiederte Herr Dr. Jacobson mit den Worten Geibels: „Klug ist, wer zur rechten Stunde kommt, — doch klüger, wer zu gehen weiß, wenn es frommt." Nicht der Tod solle ihn abberufen aus dem ihm liebgewonnenen Amte, sondern lebend wolle er scheiden und sich an dem kräftigen Wirken seiner jüngeren Brüder selbst verjüngen. Freuen wolle er sich noch an dem Anblick der Bausteine, die seine jüngeren Brüder dem väterlichen Gebäude hinzufügten." Biele herrliche Tischreden, heitere und ernste, könnte ich noch hinzufügen, doch will ich den Leser damit verschonen. Nur kurze Sätze aus den Reden zweier christlicher Geistlicher will ich hinzufügen. Der hiesige Superintendent schloß mit den Worten: „Möchte doch die ganze Erde in Wahrheit ein Vaterland sein, die ganze Menschheit ein Volk von Brüdern werden!" Der General-Superintendent Stöter begann mit den hebräischen Worten: -in:; “p:r br> und entwickelte ungefähr folgende Ideen: Der erhabene Stifter des Christenthums hat gewollt: Liebet euch unter einander, und hat deutlich gesprochen: „An der Liebe, die ihr unter einander habet, will ich euch als meine Jünger erkennen." Warum ist doch noch so viel Unfrieden in der Welt, da doch die Liebe allein des Gesetzes Erfüllung ist! „Wär's doch überall so, wie dieses Fest es uns im freundlichsten Bilde vor die Augen stellt!" Begeistert sprach er dann weiter: Von diesem Tisch wird Niemand seiner abweichenden Meinung wegen abgewiesen, Alle genießen hier den Segen des Herrn. In Mitten froher Menschen erblicken wir eine heitere Kinderschaar, nicht getrennt durch Rang, Stand und — Confessionen, vereint heute beim frohen Mahle in Heiterkeit und Lust, morgen zu dem. ernsten heiligen Zwecke geistiger und sittlicher Vervollkommnung, immer aber vereint in Liebe! Nach erfolgter Verabredung versammelten sich viele der älteren Schüler der Jacobson-Schule in einem anderen Locale, und einigten sich dahin, einen Fonds zu gründen, wodurch entweder noch einige Freistellen an der Schule zu stiften, oder unbemittelte Zöglinge der Anstalt in ihrem Lebensberufe unterstützt werden sollten. Es wurden sofort 130 Thaler jährlicher Beiträge gezeichnet, jedoch bat man sich über die Verwendung dieser Legaten- Stiftung noch nicht geeinigt, vielmehr hat man zu diesem Behufe ein Comit6 gebildet, welches seinen Sitz in verschiedenen deutschen Städten haben und seine Aufforderungen an die sämmtlichen Schüler der Jacobson- Schule im Laufe dieses Jahres wird ergehen lassen. So bewährt sich auch hierbei der Grundsatz: „Eine gute That ziehet die andere nach sich." Am Abend brachten sämmtliche Schüler der Jacobson-Schule und der Jacobson'schen Waisenanstalt den Curatoren derselben einen wohlgeordneten Fackelzug, wobei ein vom Herrn Dr. Jacobson verfaßtes und von Herrn Lämmerhirt in Musik gesetztes Lied, von Schülern und Freunden der Anstalt gesungen wurde. Die Herren Curatoren sprachen dabei

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