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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-10 · Heft 46 (10.11.1868) · p. Seite 930

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 46 (10.11.1868)
Date
1868-11-10
Page
Seite 930 (sequence 20)
Language
German
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930 in warmen Worten ihren Dank aus mit den Wunsche, daß die Jacobson-Schule auch ferner Licht und Freude verbreiten möchte. Damit schloß diese Feier, welche den Namen Israel Jacobson aufs Neue verherrlichte. Seesen, den 20. Oktober 1868. I. Stern. Antwort auf eine Anfrage. Sie dringen, geehrter Freund, und zwar in d. Bl. auf eine Antwort wegen eines an sich sehr unbedeutenden Gegenstandes, dem Sie aber als Bücherfreund einigen Werth beilegen möchten. Für mich betrifft es nur eine Erinnerung aus der Jugendzeit — aber wem ist, im Alter vorgeschritten, eine solche nicht lieb und werth? Sie haben es also zu verantworten, wenn die Leser diese Zeilen des Plätzchens nicht werth 'erachten, das sie einnehmen werden. — Ich hatte, allerdings dazu veranlaßt, in einer Anmerkung gesagt, daß ich im vorigen Jahre das 40. Jahr meines Schriftstellerthums erreicht gehabt, und da Sie nun nicht ausfindig machen konnten, durch welche meiner Schriften dieser Zeitraum begonnen sei, da die Ihnen bekannten späteren Datums seien, fordern Sie Rechenschaft von mir. Gut, ich will sie Ihnen geben. Im Jahre 1827, wo ich fünfzehn Jahre alt war, besuchte ich das Gymnasium zu Halle, während mein älterer Bruder daselbst Medcin studirte. Neben den Gymnasialfächern setzte ich meine früh begonnenen hebräischen Studien fleißig fort, und gab auch in einigen Familien der Gemeinde, da diese damals keinen Lehrer hatte, Religionsunterricht.*) Wir hatten einen ganz besonderen Gönner in dem berühmten Botaniker „ und Geschichtsschreiber der Medicin, Prof. Kurt Sprengel, welcher ein Liebhaber und tüchtiger Kenner der orientalischen Sprachen war, wie seine Geschichte der Botanik besonders erweist, in welcher er u. A. die im Talmud vorkommenden Pflanzen gründlich behandelte. Er sprach sogar ein wenig hebräisch. Später bewirkte er bei dem Minister Altenstein, daß mein Bruder die Erlaubniß erhielt, die preußischen medicinischen Staatsexamina zu machen und sich als Arzt in Preußen niederzulassen, was damals für einen ausländischen Juden zu erlangen die größten Schwierigkeiten bot. Als Sprengel im gedachten Jahre seinen Geburtstag feierte und ich gerade mit einer metrischen Uebersetzung der 12 kl. Propheten, selbstverständlich zu meinem Privatstudium, beschäftigt war, kam es uns ein, dem Professor Sprengel unsere Verehrung dadurch zu dokumentiren, daß wir eine schöne Abschrift dieser Uebersetzung, soweit sie fertig war, nämlich von 5 der Propheten mit einer Widmung überreichten. Sprengel nahm dies sehr wohl auf, und fand die Uebersetzung so originell und zutreffend, daß er uns *) Es lebt mir dort noch eine und die andere liebe Schülerin, die fteilich kaum zwei oder drei Jahre jünger waren, als ihr jugendlicher Lehrer. aufforderte, sie in Druck zu geben, und dies selbst vermittelte. So erschien das Büchlein bei Ruff in Halle 1827 unter dem Titel: „Die Propheten Hosea, Joel, Jonah, Obadjah und Nahum in metrisch deutscher Uebersetzung." Da ich noch Gymnasiast war, durfte ich mich als Verfaffer nicht nennen, und mein Bruder gestattete mir, dafür den seinigen auf das Titelblatt zu stellen. Mein Vorwort ist vom September 1827 dalirt. Ich hatte also das 16. Lebensjahr noch nicht erreicht. Obiges ist auch der Grund, weshalb Sie es unter meinen Schriften nicht auffinden konnten. L. PH. Kuriosa. [$ampf zwischen Orthodoxen und Fortschrittlern.j Aus Balassa-Gyarmath vom 27. v.Merhält der Pester Lloyd nachfolgenden Bericht: Die hierortigen Parteikämpfe zwischen den jüdischen Orthodoxen und der Fortschrittspartei haben sich gestern Nachts zu einer förmlichen Parteischlacht entwickelt. Die Orthodoxen hatten sich bei Herrn H. zu einem Bankett versammelt, und nun mußte auch die Fortschrittspartei ihr Bankett haben. Die Letzteren arrangirten nach aufgehobener Tafel eenen Fackelzug, der dem Fenster des Hauses gegenüber Aufstellung nahm, in welchem die Orthodoxen sich gütlich thaten. Bald drangen aus beiden Lagern ironische Eljenrufe und wenige Minuten später wurde von hüben und drüben ein Bombardement mit Weinflaschen und anderen Waffen in Scene gesetzt. Die Orthodoxen sperrten das Hausthor ab, welches nun von dem „Feinde" im Sturm genommen werden sollte. Vorderhand wurden die Fensterscheiben eingeschlagen und die an dem Hause befestigte Firmatafel herabgeriffen, die Fenstervorhänge in Brand gesteckt und endlich das Thor erbrochen. Jene schloffen nun die eiserne Zimmerthür ab, so daß dem blutigen Kampfe ein Ende ward und sich die Angreifer zerstreuten. Der Eigenthümer des mißhandelten Hauses, Herr H., hat die gerichtliche Klage gegen die Tumultuanten eingeleitet. Die „Illinois Staatsztg." von Chicago empfiehlt ironisch den Juden zur Erbauung ein von der polnisch-orthodoxen Gemeinde daselbst an den hohen Festtagen gesungenes Neujahrslied, welches deren neuer geistlicher Beamter, Herr Messing, verfaßt hat. Wir heben das Beste heraus: O, heil es, — Dein Volk nämlich — bald von seinen Brüchen, (!) Das Jahr sei hin mit seinen. Flüchen Es rufet Dich im frommen Saug, Wie Dir's gebührt, im Hymen-Klang; Wie lange, Herr, soll es noch währen, Daß Zwiespalt es so ganz verzehren? Dein Israel führe Du zur Weid', Das einst der Löwen Wuth zerstreut. Der Weinstock, ach, den Du erkauft, Hat Winzers Hand gepflückt, ber au ft." u.s. w. u. s. w. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur 1)»’. H. Lotze.

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