Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1868)
- Date
- 1868-11-10
- Page
- Seite 928 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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nun unter den nothwendigen Vorbereitungen der sabbathliche Festtag heran. Der Sabbathgottesdienst wurde in der gewohnten Weise zur üblichen Stunde abgehalten. Um zehn ein halb Uhr versammelten sich nun sämmtliche Festgenoffen in den unteren Räumen der Jacobson-Schule, von wo aus man in geordneter Reihenfolge in den Tempel zog. Auf dem Hofe stand ein Musikchor, welches während des Vorbeizuges einen Choral spielte und jeden Theilnehmer dadurch zur Andacht stimmte. Erhöht wurde diese heilige Stimmung aber durch das meisterhafte Vorspiel unseres vortrefflichen Organisten und Musiklehrers Lämmerhirt. Mit Begeisterung wurde daher alsbald von Jung und Alt der die Feier einleitende Choral angestimmt, während welcher Zeit der Director der Jacobson-Schule, Herr Dr. Arnheim, die Kanzel bestieg und in einer eben sowohl durchdachten, wie eindringlichen Festrede das Leben und erfolgreiche Wirken des Gefeierten in beredter Weise den Zuhörern vor die Seele führte. Da die Rede im Druck erscheinen wird, so fühle ich nlich einer eingehenden Besprechung überhoben und dürfte bei späterer Gelegenheit darauf zurückkommen. Zum Schluffe dieser gottesdienstlichen Feier wurde der schönste Theil aus Haydn's Schöpfung, nämlich: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes", unter Musikbegleitung von einem wohleingeübten Chore in ansprechender Weise vorgetragen, und jeder Theilnehmer verließ in wahrhaft gehobener Stimmung das Gottehaus. Da saßen denn vier wackere Söhne mit ihren Kindern in dem Heiligthume des Vaters, auf deren Angesicht man schon deutlich lesen konnte, daß sie sich auch ferner nicht bloß als die materiellen, sondern auch als die geistigen Erben des Israel Jacobson zu betrachten haben. Üm 1 Uhr wurde den Lehrern und Beamten, sowie den Freunden der Schule das neue Curatorium von dem aus diesem Amte scheidenden Herrn Dr. Hermann Jacobson vorgestellt. Hierbei richtete derselbe in seinem und seines ältesten Bruders Namen, des Rittergutsbesitzers Meyer Jacobson auf Schulzendorf, dessen Abwesenheit man schmerzlich bedauerte, eine gehaltvolle und innige Ansprache an seine jüngeren Brüder: Man solle aus der Niederlegung ihres Amtes als Curatoren der Anstalt nicht schließen, daß das Interesse, welches sie an der Anstalt genommen, geringer geworden sei, vielmehr glaubten sie, daß das Heranziehen jüngerer Kräfte in die Verwaltung dem väterlichen Stifte nur zum Wohle gereichen könnte. Ihr Grundsatz sei stets gewesen: Die Zöglinge der Anstalt sollen das Wissen nicht als Zweck, sondern als Mittel zu einer harmonischen Bildung des Geistes und Gemüths, also des ganzen Menschen — betrachten lernen. Man habe die Anstalt nicht als eine solche zu betrachten, die ihre Zöglinge für einen bestimmten Beruf vorbereite, sondern die ihnen gewährte Erziehung solle die Grundlage legen, dereinst edle Menschen zu werden. Dieses väterliche Vermächtniß legten sie nun in die Hände der neuen Curatoren, daß auch sie die Anstalt im Geiste des verewigten Vaters weiter leiten möchten. Der Gutsbesitzer Herr Gotthelf Jacobson ergreift nun das Wort für sich und im Namen seiner neuen Mitcuratoren: Wenn sie auch mit einer gewissen Zaghaftigkeit ihr väterliches Amt anträten, so seien sie doch nicht ganz muthlos, da sie ja noch immer auf die thatkräftige Unterstützung ihrer erfahrenen und erprobten Vorgänger bauen dürsten, denen sie sich — und das sprach Redner mit erhobener und bewegter Stimmung — dem Geiste und Herzen nach, das schöne Werk im Sinne des Stifters fortzuführen getrost zur Seite stellen könnten. Komme dazu noch die treue Mitwirkung eines kundigen Directors und treuer Lehrer, so werde auch ihrem Wirken Gottes Segen folgen. Hierauf richtete der Director Dr. Arnheim einige innige Worte an das scheidende und an das neue Curatorium. .Nun wurde zu einer dritten Feier geschritten; es betraf diese das fünfundzwanzigjährige Dienstjubiläum des Lehrers Gürbich. Tags zuvor schon wurde diesem noch rüstigen Jubilar ein, seine bisherige Wirksamkeit anerkennendes Schreiben, nebst einem Ehrengeschenk, bestehend in einer preußischen Prämien-Anleihe von hundert Thalern und der Zusicherung einer jährlichen Gehaltszulage von fünfzig Thalern, durch den Director der Anstalt überreicht. Jetzt aber sprach der scheidende Curaror solche anerkennende Worte über das Verdienst dieses braven Lehrers aus, die jedes treue Lehrerherz erwärmen und den besten Eindruck Hervorrufen mußten. Damit hätte nun die geistliche Feier des Tages ihren Schluß erreicht; doch bot das Festmahl dieser Säcularfeier noch solche erhebende Momente dar, daß auch diese der Geschichte dieses Tages sich nothwendig mit anreihen müssen. Bevor wir indeß zu diesem Theile übergehen, sei noch zu erwähnen, daß nicht nur zahlreiche Telegramme von ehemaligen Schülern als Zeichen ihrer Theilnahme den ganzen Tag hindurch einliefen, sondern auch inhaltreiche Glückwunschschreiben an das Curatorium der Anstalt von der Berliner und Braunschweiger Gemeinde, worin das Verdienst des Israel Jacobson um die Menschheit im Allgemeinen und die Israeliten ins Besondere in sehr würdiger Weise hervorgehoben wurde. Außerdem sandte die Berliner Gemeinde den Professor Dr. Steinthal als Deputirten zur mündlichen Begrüßung und die Samson-Schule aus Wolfenbüttel war vertreten durch den Director derselben, Herrn Dr. Ehrenberg. Ebenso sandten der Director der Gemeindeschule in Berlin, Herr Dr. Horwitz, wie auch der Director der israelitischen Realschule in Frankfurt a. M., Herr Dr. Baerwald, ihre coüegialischen Grüße, gleichsam von Schule zu Schule. Um drei Uhr begannen die Tafelfreuden. In einem großen und geschmackvoll decorirten Saale fand das Festessen statt. Anwesend dabei waren die Curatoren der Anstalt, ein Commiffar der Kreisdirection, der Magistrat und die Stadtverordneten der Stadt Seesen, ebenso die Geistlichen und alle Lehrer der Stadt,