Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1868)
- Date
- 1868-11-10
- Page
- Seite 927 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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II 8 trat fit des Zirdenthurns. Femlleton-Seilage zu tlr. 46. Leipzig, den 10. November 1868. Die hundertjährige Geburtstagsfeier des Israel Jacobson, Stifters der Jacobson-Schule in Seesen. Diese Anstalt hat am 17. d. v. M. ein in jeder Hinsicht erhebendes und in allen Theilen wohlgelungenes Fest gefeiert. Es war dieses, wie erwähnt, der hundertjährige Geburtstag des Stifters dieser Anstalt, des Westphälischen Consistorial-Präsidenten Israel Jacobson. Wer da weiß, welchen Klang der Name Jacobson in hiesigem Lande hat, der darf demjenigen schon die Anerkennung nicht versagen, der den bloßen Gedanken dieser wohlberechtigten Festfeier angeregt. Eine einfache Bekanntmachung in verschiedenen Tagesblättern reichte daher auch hin, solche Theilnahme zu erwecken, daß viele Hunderte von Anmeldungen zur Betheiligung einliefen. Ueber die Art und Weise der Festfeier wurde man im Voraus nichts gewahr, und das Nichtvorhandensein eines Festprogrammes wurde von vielen als ein wesentlicher Mangel betrachtet; doch erhielt das Fest zunächst dadurch eine wichtige Bedeutung, daß die beiden ältesten Söhne des Stifters der Anstalt, der Rittergutsbesitzer Meyer Jacobson auf Schulzendorf und der Dr. jm\ Hermann Jacobson zu Berlin, welche das Curatorium der Anstalt 40 Jahre lang gar treu im Geiste des Vaters verwalteten, ihr Liebesamt in die Hände ihrer jüngeren Brüder, des Herrn Gutsbesitzers Gotthelf Jacobson in Hannover und des Banquier Ferdinand Jacobson in Hamburg, niederlegten, welche beide Herren wiederum den Gutsbesitzer Rudolph Jacobson auf Klenz, ihren Neffen, als drittes Mitglied wählten. Schon mehrere Wochen vor dem Eintritte dieser Feier erließ der Lehrer Liepmannssohn in Horn bei Erwitte in einer besondere» Broschüre, über deren Werth wir hier nicht urtheilen wollen, einen Aufruf zu einer Synagogenfeier und Errichtung eines Ehrengedächtnisses für Israel Jacobson zu deffen erster Säcularfeier am 17. Oktober 1868. Dieser Aufruf fand seine gerechte Würdigung in den Spalten dieser geschätzten Zeitung und nicht minder wurde ihm auch eine humane Berücksichtigung von Seiten des Curatoriums und Directorats der s Anstalt zu Theil. Jedoch konnte man der Tendenz des Verfassers nicht beipsiichten, ein neues Ehrengedächtniß, in der von Liepmannssohn beabsichtigten Weise, zu stiften, weil dadurch die Wirksamkeit der bereits bestehenden Vereine zur Unterstützung von armen und kranken Lehrern, oder deren Wittwen und Waisen geschwächt werden könnte. Gleichwohl wurden dem Herrn Liepmannssohn dreihundert Thaler vom alten und ebensoviel vom neuen Curatorio zur sofortigen Vertheilung an arme und kranke Lehrer oder deren Wittwen und Waisen zur Verfügung gestellt. Das Curatorium hat demnach der ehrenhaften Aufforderung gewiß in würdiger Weise entsprochen. Am 13. Oktober trafen die Herren l>r. Hermann Jacobson, Joseph Jacobson, Gotthef Jacobson, Ferdinand Jacobson und Rudolph Jacobson hier ein, um die geschäftlichen Vorbereitungen zur Uebertragung des Curatoriums zu treffen und mit der Vorberathung der eigentlichen Festfeier zu beginnen. Der Festsegen wurde gleich am ersten Tage ihres Hierseins gespendet; denn alle Lehrer und Beamten, sowie nicht minder das Dienstpersonal der Anstalt, wurden mit ansehnlichen Geschenken zur Erinnerung an dieses Fest erfreut. Außerdem wurden an die Armen der hiesigen Stadt 160 Thlr. vertheilt. Ebenso wurde den Vorständen der Gemeinden Braunschweig, Berlin und Halberstadt je 56» Thlr. zur Verwendung für Wohlthätigkeitszwecke zugesandt, mit der ausdrücklichen Weisung, daß bei der Vertheilung keine Rücksicht auf die Confesston genommen werden solle. So haben denn die wackern Söhne des edlen Vaters gewissermaßen ein wahres Wallfahrtsfest nach dem Orte veranstaltet, der durch drei Jacobson'sche Denkmäler geweihet ist: durch die Jacobson-Schule, den Jacobson-Tempel und die Jacobson'sche Waisenanstalt. Am 16. Oktober, also am Rüsttage des Festes, erschienen viele Gäste aus der Nähe und Ferne und auch die jungen Söhne der beiden neuen Curatoren, um gleichsam in ihren ersten Jugendjahren fromme Eindrücke der geistigen Mission des Hauses Jacobson in sich aufzunehmen, so daß Schreiber dieses bei sich dachte: „Das ist die wahre Weihe junger Kinder." brt-wis *p:n. (Man zeige den Kindern überall oft die Thaten der Väter, auf daß sie lernen, Kindespflicht üben.) So rückte