Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1868)
- Date
- 1868-11-10
- Page
- Seite 920 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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920 -- an die Liberalen nur noch eine einzige Frage möglich wäre, nämlich die, ob es denn in ihrem Sinne läge, daß etwa die christlich-deutschen Schulen alle in Juden schulen umgewandelt würden, da ja doch die Juden bekanntlich keiner andern Nation sich assimiliren? Mit dieser scheinbaren Frage hat aber die Kr.-Z. eine Behauptung ausgesprochen, hat sie gesagt: So ist es und nicht anders! — Was hat sie dem Publikum damit aufgetischt? In e i n em Satze: z w e i kolossale Lügen! — Aber eben so sehr: zwei kolossale Lächerlichkeiten! — Schnaittach (Baheriv, 25. October. tPrivatmitth.) Der Proceß, den die hies. Gemeinde mit den drei zum hies. Rabbinate gehörigen Gemeinden geführt hat, zu den Kosten der Rabbinatswohnung beizntragen, ist jetzt zu Gunsten der drei Gemeinden vom Ministerium entschieden worden. Schnaittach hat allein für das Rabbinatsgebäude zu sorgen. Im Wege der Güte hatten die drei Gemeinden sich zu je 5 Gulden jährlich verstehen wollen. Diese fallen nun weg, und die hiesige Gemeinde hat 70 Gulden Streitkosten zu bezahlen. Auch eine schöne Gegend! Das k. Bezirksamt hat nun die Stelle zu 500 fl. Gehalt und 150 fl. Accidentien, für welche jedoch nicht garantirt wird, und freie Wohnung ausgeschrieben — also im günstigen Falle keine 400 Thlr. jährlich, und dafür Anforderungen genug! In der Kundmachung wird unter den Bedingungen der Candidatur nicht mehr wie früher „das Bcfreitsein vom Makel des Wuchers" u. s. f. gefordert, aber immer noch bürgerliche und gesellschaftliche Unbescholtenheit, als wenn die Juden gerade einen besonderen Geschmack für bescholtene Rabbiner hätten. Liest man doch in Bewerbungsausschreibungen für christliche Geistliche keine solche Bezeichnung. Wir möchten wünschen, daß sich recht tüchtige und gebildete Bewerber einstellen, keine Anhänger der Würzburger Schule! Oest erreichischer Kaiserstaat. Wien, im October. (Wiener Briefe II.)!Nun groß und lang ist doch mein erster Brief gerade genug gewesen, daß hinterher ein Postscript nachgehinkt kommen dürfte, und genug aus guter oder bester „Quelle," daß nicht auch eine „Berichtigung" erlaubt wäre. Ich werde mich künftig größerer diplomatischer Treue zu befleißigen haben, wenn ich derartige hochdelicate Dinge, aus dem Cabinet oder vom grünen Tisch in meinen Berichten ausplaudere, denn, offen gestanden, ich muß mir selber eine Unrichtigkeit zum Vorwurfe machen. Aber glaube nicht, lieber Leser, daß es Dir mit mir ergehen wird, wie mit den officiösen Zeitungsschreibern, die nur immer das Geschäft haben, Nachrichten „ihrem vollen Inhalte nach" zu dementiren — bewahre! Den vollen Inhalt meines ersten Briefes kann ich Dir heute noch viel ausdrücklicher als wahrheitsgetreue Schilderung der Sachlage bezeichnen, nur eine, dem Meritorischen des Berichtes ganz und gar fern stehende, rein äußerliche Mittheilung habe ich zu berichtigen, im übrigen werde ich nur Gelegenheit haben, meine Auffassung und Darstellung der Dinge durch eine Thatsache schlagend zu illustriren und zu bestätigen. — Die Berichtigung aber ist diese: Koma—non locuta est. Zu deutsch: ein bestimmter Beschluß unseres Vorstandes in der Rabbinatsangelegenheit ist nicht erfolgt. Die Sache wurde vielmehr, trotzdem sie schon zweimal auf der Tagesordnung stand, nach nutzlosen Debatten einer Commission überwiesen, wogegen anderseits der Vorsitz des Leopoldstädter Predigers im Rabbinate schon durch jenen Punkt seines Contractes sich von selbst ergab, der ihm im Verhinderungsfälle des sel. Rabbiners die Führung von dessen Geschäften zur Pflicht macht. So ist oie provisorische Ernennung zu verstehen, von der ich früher erzählt hatte, nur liegt diese der definitiven noch viel näher, als jede sonstige, weil der allercorrectefte Weg direct zu ihr hinführt. Weiter muß ich noch unseren Orthodoxen gerecht werden, denen ich sogar zugemuthet hatte, daß sie, was man so einen Lamdan nennt, zu ihrem Rab haben wollen: eitel Unwahrheit! Die Herren aus Preßburg scheren sich um Lernen nicht mehr — wahrscheinlich, weil sie selber nichts gelernt haben, sie brauchen nur mehr Jira, also müssen sie den frommen Prediger zum Rabbiner haben. Man sollte nicht glauben, was für innere Verkehrtheiten das Parteiinteresse unserer Zeit auch im Judenthum hervorbringt. Man denke, Abkömmlinge einer der exklusivsten Jeschiba-Gemeinden Ungarns richten an einen Vorstand eine Petition und Dankadresse dafür, daß er einen modern und deutsch gebildeten Theologen zu ihrem Ab bet-din