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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-03 · Heft 45 (3.11.1868) · p. Seite 909

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 45 (3.11.1868)
Date
1868-11-03
Page
Seite 909 (sequence 19)
Language
German
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A. Jetzt sehe ich auch, daß wir auf Beantwortung meiner Frage lossteuern. Daß die Seele während ihrer Bereinigung mit dem Körper auch immerfort Veränderungen erfährt, ist klar. So sehr ich mir meines geistigen Bestehens in einer gewissen Dauerhaftigkeit bewußt bin, und meine Seele vom ersten Erwachen des Bewußtseins an als dieselbe fühle, wie mir ja auch mein Körper als derselbige an sich erscheint, so brauche ich doch nur auf die Verschiedenheit meines Geistes in meiner Kindheit, meiner Jugend bis zu meinem jetzigen Alter zu blicken, um gewiß zu sein, daß er Veränderungen crfahren hat, die wir Entwicklung, Entfaltung, Ausbildung, Verfeinerung, Bereicherung und sonst wie nennen, so weit sie zum Guten ausschlagen, aber auch Verschlechterung, Verarmung, Erkaltung, Verlust und so weiter nennen mögen, so weit sie nicht gerade zu unserem Vortheile stattfinden. Die menschliche Seele hat also jedenfalls auch eine Zeit. Ich. Das ist vortrefflich bemerkt. Was haben wir nun für eine Vorstellung vom Tode? Wir sehen, daß der Körper seine organische Natur verliert, zu einem anorganischen Dinge wird, dessen Elemente durch die Einflüsse der Atmosphäre, Temperatur u.s.w. in chemischer Weise sich auflösen und zersetzen, also zu anderen Zusammensetzungen übergehen, so daß also unser Körper als solcher zu sein aufhört. Wir halten uns aber überzeugt, daß mit dem Tode zwar die Vereinigung der Seele mit dem Körper ebenfalls aufhört, da das organische Band zwischen beiden gebrochen ist, aber daß sie, unsere Seele, da sie aus Elementen nicht zusammengesetzt ist, sich also auch nicht aufzulösen und zu zersetzen vermag, fortdauert, in welcher Ueberzeuguug uns der sittliche und intellectuelle Inhalt unserer Seele und ihr dadurch gegebenes Verhältniß zu Gott bestärken, ja diesen Glauben uns unzweifelhaft machen. A. Können wir uns aber diese Fortdauer als in weiteren Veränderungen fortschreitend denken? B. Wie vermöchten wir es denn anders, geehrte Freundin? Soll denn etwa die Seele nach dem Tode nicht besser werden, nichts zulernen, nicht heiliger und seliger werden? Wenn, wie doch Niemand verkennen kann, in unserer Seele, so lange wir leben, die Entwickelung beständiges Gesetz ist, so muß doch dieses auch nach dem Tode in ihr fortwirken. Das begreift ja auch der Psalmist, wenn er unsere Seelen „im Anschauen Gottes" nach dem Tode weilen läßt,*) und noch deutlicher Hiob**), und unsere Weisen sagen: „Die Frommen haben auch jenseits keine Rast, sie gehen von Streben zu Streben."***) Ich. Ist dies aber der Fall, so sehen wir auch ein, warum wir von unserer Seele nichts Anderes als „unsterblich" sagen können. Sie verändert sich immerfort, *> Psalm, 17, 15. **) 19, 25—27. ***) Moöd Kat. 29, 1. sie hat also eine Zeit, während nur Gott unveränderlich, ohne Zeit, also ewig ist. Wir wissen von unserer Seele, daß sie mit dem Tode nicht wie der Körper endet, sondern in ihrer bisherigen Persönlichkeit verbleibt, daß sie also nicht stirbt, daß sie unsterblich ist. Weiter wissen wir nichts, uüd unsere Bezeichnungen dürfen also auch nicht weiter gehen. (Schluß folgt.) Ein jüdischer Pirat des siebzehnten Jahrhunderts. Es ist keine Seltenheit, in den muselmännischen Reichen Juden in mannichfachen, verhältnißmäßig bedeutenden Staatsämtern zu finden. Wir wollen hier nur an Isaak, den Gesandten Harun Ar-Raschid's, den marokkanischen Konsul in den Niederlanden Samuel Pallache und an den Herzog Joseph von Naxos erinnern. So kann es uns auch nicht Wunder nehmen, wenn wir im Jahre 1614 einen Juden, dessen Name leider nicht genannt wird, als Befehlshaber eines marokkanischen Kreuzers gegen spanische Schiffe erblicken. Derselbe verschaffte sich in Holland Seeleute, und lief mit solchem Erfolge aus, daß er auf ein Mal drei spanische Schiffe auffing, mit denen er in Plymouth vor Anker ging. Da England sich damals mit Spanien im Frieden befand, so wurde er als Seeräuber verhaftet und seine drei Prisen sollten ihren ursprünglichen Eigenthümern zurückgegeben werden. Er hatte sich jedoch von dem englischen Könige Jakob I. — wahrscheinlich durch klingende Münze, welcher dieser Fürst bekanntlich sehr gewogen war — einen Freipaß zum ungehinderten Aus- und Einlaufen in englische Häsen zu verschaffen gewußt, und so mußte man ihn mitsammt seiner Beute ruhig ziehen lassen.*) — Diese geschichtliche Anekdote beweist jedenfalls, daß schon damals den Juden der „kriegerische Muth", welchen ihre Feinde ihnen absprechen wollen, keineswegs mangelte. Die Beziehungen, die dieser jüdische Pirat gerade zu Marokko und Holland hatte, wehin sich bekanntlich viele Marannen gewendet, und die Feindschaft, die er gegen Spanien ausübte, machen es wahrscheinlich, daß er selbst ein spanischer Flüchtling, oder der Nachkomme eines solchen gewesen ist. Or. Al. Ph. Kleine Mittheilungen. Das geheimnißvolle Tombuktu, welches bis jetzt erst zwei Europäer, Rene Caillie und Dr. Barth, besucht haben, muß wohl heute nicht mehr so schrecklich zu betreten sein, wie man es allgemein denkt; wenigstens scheint dies aus einer Thatsache hervorzugehen, welche der französische Consul in Mogador, Herr Beaumier, *) Letter of John Chamberlain to Sir Du lley Carleton in Court and times of James I. Vol. I. p. 352. «London 1848.)

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