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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-03 · Heft 45 (3.11.1868) · p. Seite 910

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 45 (3.11.1868)
Date
1868-11-03
Page
Seite 910 (sequence 20)
Language
German
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der geographischen Gesellschaft mittheilt. Ein jüdischer Kaufmann aus Mogador hatte vor einigen Jahren die Kühnheit, sich nach Tombuktu zu begeben. Große Bewegung in der heiligen Stadt! Man nimmt den Juden gefangen, welcher sich sofort in die Alternative versetzt sieht, seinem Glauben abzufchwören, oder auf das Leben zu verzichten. Unser Mann, der seinen Koran kennt, läßt sich nicht außer Fassung bringen: er ruft das Gesetz des Propheten an und zeigt den Magistratsmitgliedern, die ihn zu richten haben, ganz klar, daß dieses Gesetz seine Gewissensfreiheit achtet und ihnen befiehlt, ibn nicht zu tödten, da sie durchaus nicht im Kriegszustände sind, und ihnen nur das Recht gewährt, das Geschäft, das er eben unternommen, mit einer beträchtlichen Steuer zu belegen. Diese Vertheidigung, auf die wörtlichen und nicht zu leugnenden Textworte gestützt, hatte allen Erfolg, den der Kaufmann erhoffen konnte; er mußte die Summe von tausend Franken bezahlen und ist seitdem nicht wieder beunruhigt worden. Einer seiner Brüder und zwei oder drei Freunde, welche muthig seinem Beispiele folgten, sind zu ihm gekommen, so daß gegenwärtig fünf oder sechs Juden Tombuktu bewohnen. iArch. isr.) ^Gleichberechtigung.) Aus Abony schreibt man dem Pester Lloyd, daß ein Herr G. am 27. d. dort einen Ball arrangirte, und daß bei dieser Gelegenheit die Ballgäste confessionell sortirt wurden und den jüdischen und christlichen Gästen abgesonderte Tanzsäle angewiesen wurden. Also gleiches Recht für Alle, aber nicht den gleichen Tanzsaal. (Und das ließen sich die Ballgäste gefallen?) Daß den Juden und ganz besonders dem Judenthum selbst Gerechtigkeit wiederfährt, ist bis jetzt leider noch so selten, daß wir jede derartige Erscheinung mit Freuden konstatiren müssen. In der Faucher'schen Vierteljahrsschrift für Volkswirthschaft (VI, 1) findet sich ein Aufsatz von vn. C. Silberschlag über Sklaverei und Leibeigenschaft. Der Verfasser (Christ) hebt hervor, daß die Verurteilung der Sklaverei dem Christenthume nicht eigenthümlich, sondern von diesem erst dem älteren Judenthume entlehnt ist, ja daß das Judenthum sich hierdurch vor dem Mittelalter und selbst der Neuzeit auszeichnet, wo die mildere Form der Sklaverei, die Leibeigenschaft, bis vor kurzem noch bestanden hat. Er schreibt wunderbare Erhaltung des jüdischen Stammes und der jüdischen Religion in der Diaspora vor allem dem unermüdlichen Fleiße der Juden zu; dieser aber sei nur zu erklären durch den Umstand, daß die Juden nie Sklaven besessen hatten und deshalb stets an eigene schwere Arbeit gewöhnt gewesen waren. Diese Bemerkung enthält gewiß viel Richtiges. Zwar, fährt der Berf. in seiner Darlegung fort, galten für den heidnischen Knecht die, die Sklaverei aufhebenden Regeln nicht; indeß einmal konnte dieser durch Uebertritt zum Judenthum sich sofort unter den Schutz der letzteren stellen; und dann gab es überhaupt solcher Knechte sehr wenige.*) — Möge das von Herrn Dr. Silberschlag gegebene Beispiel der Gerechtigkeit bald auch auf anderen" Gebieten viele Nachfolge finden! _ sKuriosum.) Ein in Amerika reisender Engländer schreibt:**) Die Mormonen haben eine eigenthümliche Idee von den Rothhäuten, welche sie für einen Zweig der Juden halten, die in ihren Tagen der Macht und der Gerechtigkeit, als das Priesterthum noch in ihren Händen war, von Palästina nach Nordamerika gekommen seien. Als sie, durch die Sünde des Ungehorsams, das Priesterthum verloren, verloren sie, zugleich mit diesem heiligen Amte, ihre weiße Farbe, ihren klaren Verstand, ihre edle Gesichtsbildung. Nach der Meinung der Mormonen besitzen diese Reste Israels noch einige Brocken und Fetzen ihres früheren Glaubens, ihrer alten Institutionen: ihren Glauben an einen großen Geist, ihre Eintheilung in Stämme, ihre Vielweiberei. Aber der Fluch Gottes ruht auf ihnen und ihrem Samen. Sie stammen von einem heiligen Geschlechte, aber einem heiligen Geschlechte, auf dem jetzt der strenge Zorn des Himmels lastet. „Mit der Zeit — zu Gottes eigener Zeit", sagte Uoung in einer späteren Unterhaltung zu mir, „werden sie in den Zustand der Gnade zurückversetzt werden; sie werden dann aufhören Böses zu thun, und werden lernen Gutes zu thun; sie werden sich in Städten ansiedeln; sie werden eine weiße Hautfarbe bekommen, und sie werden handeln als eine Nation von Priestern." Die Veränderung wird allerdings groß sein, die einen Pawnee und einen Ute zu einer Ähnlichkeit mit Aaron und Josua verwandelt.***) *) Der Umstand, daß die Israeliten keine Angriffskriege, sondern nur Verteidigungskriege im eigenen Lande und an dessen Grenzen führten, andrerseits auch nur geringe Handelsbeziehungen hatten, erklärt die stets sehr geringe Zahl heidnischer Sklaven. Die Redaction. **) Dixon, New America, Leipzig 1867. ***) Herr Dixon ist nach dem Urtheile Sachverständiger (vgl. Rev. des Deux-Mondes vom 1. Mai 1868 p. 18 t ff.) kein sehr zuverlässiger Berichterstatter, und dies bestätigt sich dadurch, daß er den Mormonenhäuptling den Rothhäuten die Vielweiberei zum Vorwurf machen läßt, Die doch bekanntlich zu den Sitten der Mormonen gehört. UebrigenS wäre es kaum zu beklagen, wenn diese Meinung über die Abstammung der Rothhäute der einzige Unsinn der Mormonen wäre. Die Redaction. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Zi-L. H. Lotze.

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