Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1868)
- Date
- 1868-11-03
- Page
- Seite 902 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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SSL einer ausführlichen Biographie H. Heines von Ad. Strodtmann erschienen, die auch in diesen Blättern besondere Beachtung verdient." Das nennt man die Thora mitsammt dem Lo signow (du sollst nicht stehlen) stehlen. Ich glaube, Sie werden an diesen Proben amerikanischen Fortschrittes und Wiscscher Ehrlichkeit genug haben. Nur ein Kuriosum sei hier noch erwähnt, das beweist, rvie auch Männern, „die Tag uuo Nacht am Steuerruder stehen", was Menschliches passiren kann. Die Allg. Z. d. I. Nr. 20 hat eine Correspondenz von Rabb. Dr. Kayserling in Lengnan betreffend eine Warnung vor dem Genuß allzujungen Kalbfleisches. In dieser Correspondenz bezieht sich K. auf seine Schrift: „Die rituelle Schlachtfrage," wobei zufällig ein Druckfehler sich eingeschlichen, daß statt s. meine Schrift rc. die Versetzung steht: m. s. neuen Schrift. Die gewissenhafte Deborah nun druckt auch den Druckfehler ab, nur läßt sie den Schluß des Artikels und die Unterschrift des Dr. K. weg, und so wird Di-. Ganew zum Verfasser eines Werkes über die jüdische Schlachtfrage gemacht! So macht man bei uns Literatur! Von den Originalaufsätzen der „Deborah", unter denen besonders der Styl des vor Kurzem hier eingewanderten Rabb. Dr. Hirsch die hiesige deutsche Lesewelt in tiefe Trauer versetzt über den muthmaßlichen Verfall der Muttersprache im alten Heiinathlande, — ein andermal. —M—. Correspondenz. Die Falascha's. Paris, im September. ,Fortsetzung.) Die Beziehungen der Falascha zu den Amhara sind nicht minder sonderbar. Der Abyssinier braucht den Inden, damit er ihm die nothwendigsten Werkzeuge für Feld und Wirtschaft liefere; auch, obgleich er ihn für einen Ungläubigen und Gottesmörder hält, haßt er ihn nicht. Im Gegentheil, der Aberglaube schreibt den Falascha das Privilegium der Erfahrung in der Kunst der Magie und in den heimlichen Wissenschaften zu; dadurch werden sie sogar ein Gegenstand der Furcht str ganz Amhara. Bis zum Beginne der Regierung Theodoros konnte der Jude Funktionen in der Verwaltung ausüben. Dieser König, welcher nach der Einheit des Cultus strebte, hat sie mit Gewalt davon entfernt. Dann kamen die Proselytenmacher, denen es gelang, die Verfolgung gegen eine harmlose Bevölkerung aufzustacheln. Die Falascha sahen sich von diesen fanatischen Europäern bis in ihre friedlichen Wohnungen hinein angefallen. Man bestach die Einen, man disputirte mit den Anderen. Man rief die Hülfe des weltlichen Armes hinzu, um den Bekehrungen mehr Erfolg zu geben. Blind durch den Ehrgeiz und den Haß gegen das Judenthum stellten die protestantischen Puritaner sogar ihre jüdischen Neugetauften in die Reihen der abgöttischen Kirche Abyssiniens, um nicht den Schutz des Abauna, des Erzbischofs der abyssinischen Kirche, zu verlieren. Man bereitete einen entscheidenden Schlag gegen das Gesetz vom Sinai' vor und wollte mit großem Eclat den Aufgeklärten Europas den Fall des Judenthums in Aethiopien zeigen. Mehrere falaschische Priester wurden in den Palast von Gondar geladen, um vor dem Könige über die religiösen Fragen zu disputiren. Die Fanatiker und Apostaten entwickelten eine große Thätigkeit, um detn Kreuze den Sieg zu sichern. Ein panischer Schrecken bemächtigte sich der Geister der schwachen Falascha; sie glaubten in der Zeit des Antiochus zus sein. Aber glücklicher Weise zeigten sich auch die Makkabäer. Die jüdischen Priester kamen nicht allein zum Könige; Hunderte von Getreuen begleiteten sie. Der Streit beginnt, die Geister erhitzen sich. Der König, erzürnt durch den Widerstand der jüdischen Priester, befiehlt seinen Soldaten, auf die Rebellen zu zielen. Aber in demselben Augenblicke zeigen sich Hunderte von Köpfen, und Alle rufen, indem sie ihre Brust entblößen: „Schießt zu, wir sind Alle bereit, für unsere Religion zu sterben!" Der König Theodoros, welcher im Grunde ein ritterliches Gefühl besaß, bewunderte die Festigkeit der Falascha, löste die Versammlung auf und machte den jüdischen Priestern die schönsten Geschenke. Von da an verschlimmerte sich die Sache der Missionäre von Tag zu Tag. Ein Zwiespalt brach unter ihnen aus. Ein Apostat wurde sogar in Fesseln gelegt, nachdem er ausg^peitscht worden. Der König ließ sich die Correspondenz der Europäer übersetzen, und hatte die Demüthigung, sich von Männern abscheulich mißhan- _