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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-03 · Heft 45 (3.11.1868) · p. Seite 903

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 45 (3.11.1868)
Date
1868-11-03
Page
Seite 903 (sequence 13)
Language
German
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beit;u sehen, denen er eine wahrhaft königliche Gast-? freundschaft gewährt. Man brachte die Schuldigen ins : Gefängniß; die, welche interveniren wollten, hatten dasselbe Schicksal zu erleiden. Die Falascha athmeten wieder auf: ihre Unterdrücker waren wie durch Zauber verschwunden. Aber wenn die Gefahr von dieser Seite entfernt war, so konnte^ sich doch die Juden den großen Verlusten nicht entziehen, welche durch den unseligen Einfluß herbeigeführt wurden, den die finsteren Ränke der Missto-, näre auf sie einübten. Ich spreche nicht von der klei-! nen Zahl, welche., durch die gräßlichen Verfolgungen er-) schreckt oder von den Bekehrern überredet, den Glauben j ihrer Väter abschworen, ich spreche von den zahlreichen; Opfern, welche in einem schrecklichen Exil umgekommen,! zu dem sie sich freiwillig verdammt, um den Feinden j ihres Glaubens zu entgehen. Europa kennt bis auf! den heutigen Tag noch nicht die Ströme ThrLneu und j Blutes, welche die Apostel des Heils in diesen fernen j Gegenden fließen ließen. Die Furcht der Falascha, auf - ein Zeichen des Tyrannen das kostbare Erbe ihrer Väj tet zu verlieren, hatte sie herbeigeführt. Sie betrachteten diese Leiden als Vorläufer der messianischen Aera.; Die Geister waren in Aufregung. Die Ueberlegung j hatte den Ausgeburten einer ungezügelten Phantasie Platz j gemacht. Eine ungeheure Menge Männer, Frauen und j Kinder verließen den häuslichen Heerd, ehrwürdige Greise i stellten sich an die Spitze dieser enthusiastischen Truppe? und schwenkten die Fahnen und sangen Hymnen. Ohne - irgend welche Vorsicht und selbst .ohne 'genau den Weg j zu kennen, richteten sie sich nach Sonnenaufgang zu.; Man hoffte an das Ufer des rochen Meeres zu komi men, welches den Pilgern einen trockenen Steg zeigen würde.. Aber das Meer war sehr weit. Der Mangel an Lebensmitteln zwang die Thörichten in Axum in Tigreh Halt zu machen. Der Plan wurde noch nicht aufgegeben; aber das Klima und die Entbehrungen lichteten bald die Reihen dieser Unglücklichen. Die Greise und Kinder erlagen zuerst. Man hielt noch imrner fest daran, und erst nach unerhörten Anstrengungen während der drei folgenden Jahre ließ man murrend den Plan fallen, nach Jerusalem zu gehen. Die Uebriggebliebenen der Expedition kehrten in dem schrecklichsten Zustande in ihre Hütten zurück, die in Trümmern zerfallen und von denen die Hyänen und Skorpionen Besitz genommen. Ihr Elend ist außerordentlich; aber keine Missionäre mehr zu sehen, ist für sie ein großer Trost. Nach dieser Katastrophe waren die Falascha nicht die Einzigen, die sich über Verwüstungen und Akte der Barbarei zu beklagen hatten. Allein wie jede Minorität erhoben sie sich nur schwer von ihrem Falle. Die absoluteste Armuth zwang sie, die Barmherzigkeit ihrer Brüder anzufleheu, welche weiter vom Schlachtfelde wohnten. Die zahlreichen Heerden, welche ehemals ihren einzigen Reichthum bildeten, waren ihnen geraubt worden. Der Falascha spannt sich jetzt selbst mit seiner Frau und seinen Kindern vor den Pflug oder fängt an, sich das Land umzugraben, um nicht vor Hunger zu sterben. Aus Furcht, das, was er gesäet, nicht zu erndten, überläßt er sein Feld Anderen und will seinen Unterhalt durch den Handel-verdienen, was ihm nicht viel einbringt bei der Erschöpfung des Landes. Er besucht die Märkte. Er wagt sich sogar bis zu den Grenzorten von Sudan; aber umsonst, wenn er zu seinem Heerde zurückkehrt, ist er von den Soldaten oder von den Räubern, welche die Landstraßen unsicher machen, ausgeplüudert. Er kommt ebenso arm, aber weniger vergnügt als vorher nach Hause, und bringt seinen Kindern nur den väterlichen Kuß mit- Anzeigen. In hiesiger Gemeinde wird sofort ein Religionslehrer, Cantor und Schächter gesucht; mit dieser Stelle ist ein fester Gehalt von 110 Thlr. Crt. nebst freier Station und Schechitasporteln verbunden. Qualificirende Bewerber wollen sich unter Einreichung ihrer Zeugnisse beim Unterzeichneten Vorstand melden Mirow in Mecklenburg, den 21. October 1808. Jaeoby Heine, Gustav Burgheim. Aus der Samson Selig und Julie Goldschwidtschen Stipendienstiftung zu Cassel soll das Michaelis d. I. vacant gewordene Stipendium für einen der Rechtswissenschaft beflissenen Studirenden israelitischer Confession anderweit verliehen weroeu. Dasselbe beträgt jährlich 150 Thlr. und haben Bewerber ihre Gesuche bis zum 30. Nov. d. I. au Herrn / S. S. Goldschmidt in Cassel einzureichen und denselben beizufügen: 1) ein Geburtszeugniß 2) ein Zeugniß über ihren bisherigen Lebenswandel 3) ein solches über ihre körperliche und geistige Befähigung zu dem erwählten Beruf und 4) ein solches über die Bedürftigkeit des Bewerbers oder dessen Eltern.

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