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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-03 · Heft 45 (3.11.1868) · p. Seite 899

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 45 (3.11.1868)
Date
1868-11-03
Page
Seite 899 (sequence 9)
Language
German
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Verhältnisse von oben her. Es ruft aus: „Was hilft es uns, ob die oder jene Herren nicht mehr im Dienste der Regierung find! Wer' garantirt uns, daß ihre Nachfolger nicht ebenso mit neuen Septembermännern sich verständigen werden, wie sie es gethan? Aendern etwa ein paar Dukaten den traurigen Stand der Dinge, unter dem die Israeliten leiden, und welchen die Regierung aufrecht zu erhalten sich bemüht? Durchaus nicht; denn sie garantiren uns nicht, daß ebenso scheußliche Scenen sich nicht morgen schon wiederholen. Nein, nicht mit Geld kann man die Wunde vernarben machen, welche man uns geschlagen. Hören Sie selbst auf, meine HH. Minister, das Beispiel der Verfolgung zu geben, indem Sie die Israeliten außerhalb des Gesetzes stellen; ziehen Sie all die Cirkulaire zurück, in denen Sie den Kreuzzug gegen die Unglücklichen organisirt haben, welche ja nur verlangen, redlich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Verletzen Sie nicht täglich die Rechte des Menschen und des Bürgers in der Person von Juden. Dann werden Sie nicht mehr das Unheil wieder gut zumachen haben, das Ihre Maßregeln hervorgebracht, und Sie werden dem Vaterlande die Sckande ersparen, daß ganz Europa mit dem Finger auf dasselbe zeigt. Ist es denn so schwer, die Israeliten auf legalen Boden zu stellen? Aber Sie können es ja auf dem einfachen Wege der Administration thun. Wer hält sie zurück?" Wir wollen hier nicht die Schilderungen der in Galacz verübten Gräuel wiederholen, welche die Correspondenzen des E. D. bringen; sie sind herzzerreißend und stimmen im Ganzen mit dem von uns gegebenen Berichte überein. Lieber erwähnen wir, daß in diesen Tagen zu Bukarest das von H. Jacob Neu-- schosz gegründete Waisenhaus feierlich eröffnet wird. Spanien. Madrid, 15. October. Ein Brief des Temps aus Barcelona berichtet folgende Thatsache, die deßhalb von Interesse sei, weil sie zeige, von welchen Principien die neue spanische Regierung sich leiten läßt: „Einige deutsche Israeliten in Spanien haben eine Petition an die madrider Regierung gerichtet, um die Autorisation zu erlangen, sich in Spanien Niederzulassen. Sie haben den Bescheid erhalten, daß es dazu durchaus keiner Erlaubniß bedürfe, da die spanische Constitution die Freiheit der Culte proclamirt habe und sich zu keinem einzigen bekenne." Dies klingt ganz schön, wenn cs wahr ist. Aber eine so allgemeine Versicherung, die während des revolutionären Fiebers geschehen, hat für die Dauer keine Bürgschaft, und eine „spanische Constitution" giebt es in diesem Augenblicke noch garnicht. Wir glauben daher noch nicht, daß das gemeldete Faktum ganz richtig sei, und wenn es sich wirklich so verhält, so flößt uns diese Hinweisung auf die „spanische Constitution" rein anderes Gefühl ein, als daß die Junta weder ja noch nein sagen wollte. Die vorhandenen spanischen Gesetze lauten gegen diese Niederlassung von Nichtkatholiken aus dem Auslande und besonders von Juden. Ehe wir nicht also bestimmt formulirte Gesetze haben, welche diese Niederlassung gestatten, mag sie im Drange des Augenblicks wohl nicht behindert werden, hat aber noch keine gesetzliche Sicherheit. Madrid, 20. October. Ein Telegramm analhsirt das Manifest der provisorischen Regierung, veröffentlicht in der Form eines Rundschreibens an die diplomatischen Agenten. Dieses Rundschreiben behandelt auch sehr ausführlich die Frage über die Freiheit des Cultus und schließt mit dem Wunsches!) für die freie Ausübung aller Culte. Madrid, 22. October., Das oben erwähnte Rundschreiben der spanischen provisorischen Regierung liegt jetzt seinem Wortlaute nach vor, und stellen wir den die Cultusfreiheit betreffenden Passus hier her: „Und hier nun muß die provisorische Regierung mit der Vorsicht und dem Zartgefühle, welches der Gegenstand erheischt, eine Frage von oberster Wichtigkeit berühren, die Frage der religiösen Freiheit. Niemand verkennt, und die Regierung empfindet eine wahre Genugthuung, es zu proclamiren, daß die Spanier immer eine wesentlich katholische Nation gewesen und noch sind. Ihre Geschichte lehrt es. Die langen und blutigen Kriege, welche Spanien geführt, und das Tribunal der Inquisition des heiligen Officiums mit dem mächtigen und so schrecklichen Arme, dem es während mehrerer Jahrhunderte die geheiligte Hut seines eingewurzelten Glaubens anvertraute, beweisen klar, daß der übertriebene Eifer und die Gluth des Glaubens, der nicht nachdenkt, ohne Schwierigkeit die 45

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