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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-03 · Heft 45 (3.11.1868) · p. Seite 896

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 45 (3.11.1868)
Date
1868-11-03
Page
Seite 896 (sequence 6)
Language
German
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des Cultus und die Pflege der S chule n. Ganz richtig nannte der Redner unfern Jacobson „die nothwendige Ergänzung zu Mendelssohn," indem er den letzteren als den Mann der Theorie und den erstcren als den Mann der Praxis zeichnete. Durch seine persönlichen Bekanntschaften mit regierenden Fürsten und hochgestellten Beamten suchte Jacobson auf die Verbesserung der politischen Lage seiner Glaubensgenossen hinzuarbeitcn, und zur Erweckung des religiösen Gefühls, das, wie auch heutzutage, durch den unvernünftigen Starrsinn der Orthodoxie der großen Volksmasse abhanden gekommen war, richtete er einen dem Geiste der Zeit entsprechenden Gottesdienst mit Predigt und Gesang auf eigene Kosten ein. Dieser Gottesdienst hatte leider nicht lange Bestand, denn die preuß. Regierung, welche wohl bemerkte, daß viele der damaligen Juden zur christlichen Kirche übergingen, weil sie die jüdische Gottesverehrung nicht mehr ansprach, vielmehr abstieß, erblickte mit Recht im Jacobsonschen veredelten Gottesdienste ein wirksames G egenmittel gegen den überhand nehmenden Uebertritt zum Christenthum und — ließ dasJacobsonsche Bethaus schließen. Diesem Principe, den Juden keine religiösen Neuerungen zu gestatten, ist die preuß- Regierung aus den eben entwickelten Gründen bis auf den heutigen Tag treu geblieben, denn auch die Berliner jüdische Reformgemeinde, welche nun beinahe 30 Jahre besteht, hat bis zur Stunde trotz aller nur erdenklichen angewandten Mittel noch keine Corporationsrechte erhalten. Nach dieser gewaltsamen, unberechtigten Durchkreuzung seiner Pläne suchte der unermüdliche, hochherzige Jacobson sein Ziel auf eine andere Weise zu erreichen. Er errichtete nämlich auf eigene Kosten in und außerhalb Berlins jüdische Volksschulen und fungirte in der Berliner Schule selbst als Religionslehrer. Die größten jüdischen Männer der Gegenwart sind aus den Äacobsonschen Schulen, die zum Theil noch heute und in größerer Blüthe als damals bestehen, hervorgcgangeu. Die Privatwohlthätigkeit, die Jacobson, besonders gegen Wittwen und Waisen, bewies, war grenzenlos, aber alle seine heilsamen Bestrebungen sind verschwindend gegen den heiligeir Eifer, mit dem er der Förderung des Schulwesens oblag. Wir freuen uns außerordentlich, daß Herr Aub, der selbst eine rühmenswerthe Thätigkeit für das Wohl der Schulen und der Lehrer entfaltet, diesen Punkt ganz besonders hervorgehoben hat. — Wir schließen uns dem Wunsche des Redners an, daß das Berliner jüd. Lehrerseminar durch eine regere Theilnahnie für die Hörer desselben etwas mehr gefördert werde, und bedauern es tief, daß von den jüdischen Notabilitäten so äußerst wenige zu dieser Gedächtnißfeier erschienen waren, trotzdem das Publikum durch die in den Berliner Zeitungen von Seiten des Vorstandes erlassene officielle Bekanntmachung bereits einen Tag vorher davon in Kenntniß gesetzt wurde. In Betreff des am Schluffe der Rede in Anregung gebrachten Projektes eines in Berlin zu gründenden Rabbinerseminars möchte ich Herrn Aub aus Gründen, die ich nächstens darlegen will, zurufen: „al horischauniem onu miztaariem!“ —. Von Seiten des jüd. Schulvorstandes wurde Herr Professor Steinthal, Mitglied dieses Collegiums, als Vertreter unserer Gemeinde zur Säcularfeier nach Seesen abgeordnet.*) Berlin, 23. Okt. (Privatmitth.) Gestern fand hier eine Versammlung der Familienväter des Louisenstädt'schen Bezirks statt um die Entlassung des Di-. Lasson, Lehrers an der dortigen Realschule, zu verlangen, welcher bekanntlich in einem Schulprogramme den Krieg als sittlich und nützlich vertheidigt hatte. Eine Resolution wurde indeß in dieser Angelegenheit nicht gefaßt, vielmehr wurde beschlossen, sich en masse an einer neuen Versammlung am kommenden 6. November zu betheiligen. Dieselbe soll indeß eine viel umfassendere Bedeutung haben; nämlich die Gründung eines allgemeinen Vereins zur Hervorrufung konfessionsloser Schulen in Berlin zu bewirken. Auch jüdischerseits darf man diese Erscheinung nicht unberücksichtigt lassen. Eine konfessionslose Schule will das für alle Confessionen einführen, was der Staat in Preußen für die jüdische Jugend stets bewahrt hat, nämlich daß für deren religiöse Belehrung die Religionsgemeinde selbst sorge; oder eben daß die Schule für den Religionsunterricht aller Confessionen gleichmäßig sorge; andererseits daß in allen profanen Fächern der Lehrer nur nach seiner Befähigung, nicht seinem Religionsbekenntnisse gefragt und angestellt werde. Wer weiß, daß viele befähigte junge jüdische Männer *) Wir werden auch eine ausführliche Correspondcnz über die Säcularfeier in Seesen bringen. Redakt'

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