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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-11-03 · Heft 45 (3.11.1868) · p. Seite 893

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 45 (3.11.1868)
Date
1868-11-03
Page
Seite 893 (sequence 3)
Language
German
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Gesichtspunkte begrüßen wir diese meäitations religieu- 868 mit Anerkennung und Liebe. Der israelitische Glaube ist noch niemals mit mehr Feuer, mit tieferer Innerlichkeit gefaßt und gefeiert worden. Die Liebe zu dem überlieferten Erbtheil unseres Stammes spricht hier Licht und Wärme zugleich aus. Ein schöner, correcter, lebhafter Styl kommt dem Ausdruck dessen, was innen gährt und sich klärt, zu Hülfe. Wenn wir nun auch zugeben, daß oer Verf. in manchen Gedanken dem Schicksal anheimfällt, welches dem aufgeregten und bewegten Gemüthe zu begegnen Pflegt, nämlich sich davon etwas zu weit Hinreißen zu lassen, so gleicht sich dies eben durch das Ungezwungene, Natürliche, durch den Strom der Gefühle wieder aus. Möchte daher diese Schrift sich unter der französischen Jugend recht weit verbreiten, sie wird da segensreich wirken. — Der Kanon des alten Testaments nach den Überlieferungen in Talmud und Midrasch. In acht Abschnitten von Prof. Dr, Julius Fürst (Leipzig, Dörffling und Franke, 1868.). Dieses Werk (150 Seiten) hilft einem wesentlichen Bedürfniß ab. Es stellt systematisch Alles zusammen, was in Talmud und Midrasch über Namen, Eintheilung, Verfasser, Sammlung, Umfang und religiösen Charakter der alttestamentlichen Schriften sich findet, und giebt einen Blick über die Geschichte des Kanon's bei den palästinensischen und hellenistischen Juden. Der Verf. hält sich zumeist ganz objektiv, und verwendet die Kritik nur da, wo es sich um die Klarstellung der Ansichten und ihres Verlaufes handelt. Ueberrascht wird sich freilich mancher Buchstabengläubige finden, schon bei unseren Alten Meinungen zu treffen, welche er bei einem neueren Theologen als ketzerisch verdächtigt. Aber eben die Talmudisten waren niemals so talmudisch wie die Talmudjünger und namentlich unsere jetzigen Talmud-Nichtkenner. Mit der Angabe dieses Inhaltes hat sich diese Schrift von selbst zur vollen Berücksichtigung empfohlen. — Die bei der bereits in d.Bl. besprochenen Synagogeneinweihung zu Basel gehaltenen Predigten, welche im Druck nicht weniger Eindruck zu machen befähigt sind, als sie im Vortrage hervorgebracht haben, sind erschienen, nämlich: „Das Gotteslicht" von Dr. M. Kayserling, und „Predigt gehalten bei der Einweihung u. s. w." von H. Nordmann. Beide sind bei Bauer in Basel zu haben. — Abermals ist uns eine in Stockholm erschienene Grabrede des Rabbiners Dr. Lewysohn zugegangen. — Von Paris gelangten zu uns zwei Kalender auf das begonnene Jahr: „Calendrier von L. Blum" und „Annuaire jjarisienDOttA. Ben Baruch Crehange.“ Der erstere beschränkt sich auf den Kalender, die Mittheilung aller Consistorien, Gemeinden, deren Anstalten, Vorstände und Beamte, nebst einer Reihe interessanter historischer Anekdoten. Der zweite bringt außer den Anekdoten dasselbe, dann eine Rede des neuen Großrabbiners von Paris, Zadok Kahn, nebst dessen Bild, eine weitläufige Antikritik gegen einen der in d. Bl. gebrachten chinesischen Briefe und eine Betrachtung über Tischa Beab. Beide Kalender sind zierlich ausgestattet und könnten darin den deutschen zum Muster dienen. — Erwähnt sei hier die vor Kurzem erschienene sechste vermehrte Auflage der „Denkschrift über die Nothwendigkeit einer gesetzlichen Einführung von Leichenhäusern. Von Friederike Kempner. (Breslau, Korn. 1867.)" — „Josua und die Sonne. Erklärung der Stelle Josua, Cap. X v. 9—14 von Dr. G. Barzilai. Aus dem Italienischen übersetzt von Dr. I. M." (Triest, Schimpfs, 1868). Es ist bereits in d. Bl. über das italienische Original gesprochen worden. Der Verf. will die vielbesprochene Stelle als „Sonnensinsterniß" erklären, überzeugt uns aber auch in diesem Gewände nicht. Nach V. 13. selbst ist wnwn das Original im ‘lurn 'd, und dies wird niemals „aufhören zu scheinen^ erklärt werden können. Der Autor der ganzen Stelle umschreibt es mit dti, welches also nichts Anderes bedeuten kann, und von schweigen, d. i. aufhören zu sprechen, bis aufhören zu scheinen ist ein gar weiter Weg. Jesaias 47,5 spricht gerade gegen den Verf., denn Schweigen und Finsterniß werden hier von einander unterschieden; ebenso wenig sprechen andere vom Verf. citirte Bibelstellen für seine Meinung. Er schlägt sich aber auch selbst, indem er nw n*YH mit „der Mond stand" überträgt, und doch wahrlich dasselbe Wort zweimal in demselben Verse nicht verschiedene Bedeutungen haben kann. — Mit Befriedigung zeigen wir an: das 3. Heft der „Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud von Dr. I. Hamburger, Landrabb. zu Strelitz in Mecklenburg" (Strelitz, im Selbstverlag d. Verf. 1869), welches von Jakob bis Opfer reicht. In derselben Weise und Form führt der Verf. sein verdienstliches Werk fort. Wir wünschen nur, daß das Publikum den Verf. zur Vollendung seines Werkes durch reichlicheren Abkauf wesentlich unterstütze, da er, wie er uns mittheilt, bis jetzt noch nicht einmal seine Druckkosten gedeckt erhält. — Der letzte Artikel dieses Heftes läßt uns bemerklich machen, daß die in der Zeitschrift Jeschurun von Dr. Jos. Kobak ent- 45*

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