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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-10-27 · Heft 44 (27.10.1868) · p. Seite 878

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 44 (27.10.1868)
Date
1868-10-27
Page
Seite 878 (sequence 8)
Language
German
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den Consuln erhobenen Entschädigungs-Forderungen hat der Präfekt diese Angelegenheit als nicht m sein Geschäftsgebiet gehörig bezeichnet. Hierauf überreichten die Leiden Consuln Noten. Der Vertreter Oesterreichs forderte 800 Ducaten Schadenersatz auf Grund einer die einzelnen Forderungen aufzählenden Liste; jener Frankreichs forderte die Einleitung von Maßnahmen zur Erhebung, der Beschädigung unter Zuziehung eines Consulats-Beamten. Der Präfect hat Beide auf den Rechtsweg verwiesen. Spanien. Ueber den Gang der Dinge in Spanien ist man bis heute noch, wenn nicht ohne Kunde, doch ohne alle Anhaltspunkte für die zukünftige Gestaltung. Als ein bemerkenswerthes Faktum führen wir aus den öffentlichen Blättern Folgendes an: Am Abend des 8. zog eine Schaar von mindestens 2000 Individuen, eine Musikbande voran und einen endlosen Menschenschwarm hinterher, durch die Straßen. Einer der Schaar trug eine riesige, mit weißer Leinwand überzogene Laterne mit der Inschrift: „Freiheit und Gleichheit der Cnlteu! Nieder mit dem Concordat! Glieder mit den römischen Tyrannen! Es lebe das freie Rom!'7 UeberaÜ wo dieser Zug vorüberkam, wurde er mit dem rasendsten Beifall begrüßt. — Jndeß fragt es sich, ob die Spanier unter Freiheit der Culte nur die des protestantischen oder aller bestehenden Culte verstehen. Man kann darauf rechnen, daß die große Volksmasse in Spanien hiervon noch sehr verworrene Begriffe hat. Es ist noch nicht lange her, daß die spanische Volksmasse Protestanten und Juden sich als geschwänzte Affen vorstellte. In Madrid und den Hafenstädten und besonders im Süden haben die Engländer wohl eine andere Vorstellung hervorgebracht; im übrigen Spanien sieht es gewiß noch dunkel aus. Nach einer Version in einigen Zeitungen sollen die spanischen Führer die Absicht haben, die Cultnsfreiheit auf dieselbe Weise eiuzuführen, wie es in der Schweiz geschehen, nämlich durch internationale Verträge über das gegenseitige Niederlassnngs- und Berkehrsrecht. Hiermit könnte man schon zufrieden sein, um auf dem langsameren aber sicherern Wege der Entwickelung das zu erreichen, was durch plötzliche Einführung dem Wechsel der Stimmungen zn sehr unterworfen wäre. Wie ein Correspondent der K. Z. schreibt, ist Olozaga der Urheber dieses Planes, da dieser in demselben die einzige Möglichkeit erblickt, eine allgemeine Emancipation der Culte trotz des noch so hart katholischen Sinnes der spanischen Bevölkerung dnrchznführen. <Wir können dies aus eigenem Wissen bestätigen, da Olozaga schon vor einem Jahre uns dies persönlich a u sd rü cke n ließ. Re da kt. d. A. Z. d. I.) Jndeß sieht man leicht ein, daß dieser Weg durch internationale Verträge ein sehr weiter, durch Jahrzehende sich hinschleppender sein würde. Man vergesse nicht daß die meisten Provinzialjunten die Cultusfreiheit an die Spitze ihres Programms gestellt haben, und daß man Spanien so lange noch nicht als vollberechtigtes Glied der europäischen Völkerfamilie betrachten könne, so lange es allen Nichtkatholiken die Niederlassung und Glaubensfreiheit innerhalb seiner Grenzen versagt, während es für seine Angehörigen volles Recht beansprucht. In den letzten Tagen wurde gerüchtsweise gemeldet, daß in Madrid die Protestanten eine Kirche und die Juden eine Synagoge zu errichten vorhätten. Wir glauben hieran noch nicht, jedenfalls wäre es das kürzeste Mittel, um die Spanier auf den Prüfstein der Gerechtigkeit und Freiheit zu bringen. Daß vor einigen Jahren Juden in Madrid das Versöhnungsfest, freilich privatim im Hause eines Juden, gefeiert haben, ja daß auf spanischem Boden eine jüdische Trauung und eine Beschneidnng stattgefunden, haben wir seiner Zeit in diesem Blatte gemeldet. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bonn, im October. Aus Manchester erhalten wir folgende Zeilen: „Gestatten Sie mir, daß ich eine Pflicht der Pietät gegen einen welchen Verstorbenen übe und sein Andenken vor unverdienter Vergessenheit bewahre. Dazu verpflichtet mich noch besonders die Dankbarkeit des Schülers und macht eö selbst verzeihlich, wenn seine Verdienste mir von einer größeren Bedeutung erscheinen, als man in weiteren Zirkeln vielleicht zugestehcn wird. — Am 25. December v. 3. starb in meiner Vaterstadt Fürth, im 67. Lebensjahre Justin Heidegger, Docent der jüdischen Theologie.

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