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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-10-27 · Heft 44 (27.10.1868) · p. Seite 876

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 44 (27.10.1868)
Date
1868-10-27
Page
Seite 876 (sequence 6)
Language
German
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876 Häuserallkaufs verlangte, zurückgewiesen, weil er Israelit sei. In Torgawechti können die Israeliten seit sechs Monaten kein Fleisch essen, weil der Stadtrath den Berkauf des Koscherfleisches verboten hat. In Bottuschani werden die Israeliten daran verhindert, ein Hospital auf dem Grundstücke, das sie gekauft, zu bauen, und zwar trotz der wiederholten Versprechen der Negierung, ihnen diese seit sehr langer Zeit vergebens erbetene Erlaubniß zu ertheilen. In Barlad sind die Israeliten der Gegenstand harter Unterdrückung, welcher man eine gesetzliche Farbe zu verleihen sucht. In Bacau sind die vornehmsten Israeliten vor Gericht citirt, wegen Verläumduugi!, des frühern Präfekten Lecca. In Stefaneschti übt der berüchtigte Unterpräfekt Ghergelli sein Verfolgerhandwerk aus und hindert auf unerhörte Weise die Handelsfreiheit der Juden. Kurz es giebt keinen Ort in Rumänien, aus dem sich nicht die Klagen der Israeliten erheben." — Ueber die Excesse in Galacz wird der Neuen Freien Presse geschrieben: „Am 3. Oct. Vormittags hatte ein jüdischer Hausirer im sogenannten Han Ungarescu, wo er zu den Stammgästen zählt und sehr gern gesehen war, das Unglück, einem christlichen Knaben, der ihm beim Abschneiden einiger Tüchel hehülftich war, mit einem Messer eine Wange leicht zu ritzen, wodurch auch etwas Blut hervorkam. Ein Polizeibeamter (Ipostat), der zufällig auch in dieser Schänke war, arretirte den Juden, nahm das corpus delicti, den Knaben nämlich, dem er das Gesicht mit dem wenigen Blute auf mehreren Stellen übertünchte, mit und reizte auf dem Wege zum Commissar die Passanten auf, indem er allen sagte: „Sehet, was dieser Jude diesem armen Kinde gethan, um Christenblut zu haben!" Bald darauf rottete sich ein Haufe Gesindel zusammen mit dem Rufe: „Rache! Nieder mit den Juden!" Bald schlossen sich noch andere an, so daß in einigen Minuten Dieser Schwarm an hundert Köpfe zählte Sie überfielen zuerst das Haus des österreichischen Uuterthans Simon Dolinger, mißhandelten ihn, seine Frau und die anderen Einwohner furchtbar, so daß alle schwer verletzt darniederliegen, devastirten das Hans und demolirten und plünderten die in diesem Hanse befindliche kleine Synagoge. Bon dort begab sich diese Horde, die mittlerweile an Zahl zugenommen hatte, in die anderen Bethäuser auf dem 'Neuen Markt. Erst als mehrere Bethäuser zerstört und geplündert, Privathäuser erbrochen, Fenster eingeschlageu waren und über fünfzig schwer verwundete Juden liegen blieben, erschien das Militär, um in diesem Stadttheile die Ruhe herzustellen. Da begab sich diese Räuberbande im Innern der Stadt zur großen Synagoge, erbrach die Thüren, zertrümmerte die Lade, Almemer und die ganze innere Einrichtung, raubte silberne Leuchter, die Kronen der Tboras, 23 Gesetzrollen (Thoras), viele goldgestickte Oruamente der Thoras und der Lade, eine Masse Talare u. s. w., zerriß und zerstreute sehr viele Bibeln, Gebet- und sonstige Bücher. Diese Verwüstung hatte ungefähr eine halbe Stunde gedauert, als ein Militär-Piquet im Hofe der Synagoge und im Innern derselben erschien. Das Militär machte Miene. das mit Beute beladene Gesindel zu cerniren, aber ein Grieche erklärte, so man diese Leute nicht frei ziehen lasse, werde Blut fließen, worauf das Militär die Plünderer abzieheu ließ. Daß im Synagogen-Viertel keine einzige Judenwohnung verschont geblieben, versteht sich von selbst. Nur dem schnellen Sperren und Verrammeln der jüdischen Handlungen in der Großengasse ist es zu verdanken, daß dieselben nicht geplündert wurden, denn darauf eigentlich war es am meisten abgesehen." Diesen Schändlichkeilen gegenüber wurde aus Galacz vom 10. October telegraphirt: „Der Justiz-Minister Ariou ist aus Bucharest hier eingetrosfen und hat wegen der gegen die hiesigen Juden verübten Excesse strengste Untersuchung augestellt. Die Juden sind vollständig befriedigt und haben an die rumänische Regierung eine Dankadresse gerichtet, welche in den Zeitungen Europas veröffentlicht werden soll." — Jedermann sieht ein, daß das letztere ein Humbug der bucharester Regierung war, um die Entrüstung in den europäischen Ländern im voraus abzuschwächeu. So tiefe Wunden, wie die oben geschilderten, lassen sich nicht in einigen Stunden und durch das Erscheinen eines Ministers heilen, und der Schmerzensschrei so vieler Verwundeten, Geplünderten und in ihren Heiligthümern geschändeten läßt sich nicht so leicht zu einer „Dankadresse" verwandeln. Richtiger daher war wohl ein Telegramm der wiener „Abendztg." vom 13. Oetober: „In Folge der von dem Vertreter Oesterreichs in Bucharest anläßlich der galaczer Juden-Exeesse zur Wahrung der Interessen der österreichischen Unterthanen gethaneu Schritte habe sich der rumänische Minister des Innern persönlich an Ort und Stelle begeben und den galaczer Polizei-Präfecten seines Amtes enthoben, auch sei Zuziehung österreichischer Delegirten zu einer sofortigen Schadenerhebung und die Vergütung des Schadens zugesichert." Dennoch klingt dies viel

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