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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-10-27 · Heft 44 (27.10.1868) · p. Seite 875

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 44 (27.10.1868)
Date
1868-10-27
Page
Seite 875 (sequence 5)
Language
German
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875 Die Palästina-Literatur hat eine neue Bereicherung erfahren durch Porter's Buch: „the Giant Cities of Baslian and Syria’s holy plaees“ idie Riesenstädte von Baschan und Syriens heilige Stätten). Die Alterthümer des Ostjordanlandes, über welche die Mittheilungen bis jetzt nur spärlich flössen, sind mit großer Anschaulichkeit und in gewähltester Form dargestellt. Von S.Baring Gould erschien: „the Silver störe, collected froni mediaeval Christian and Jewish mines“, London, — (der Silberschatz, aus christlichen und jüdischen Schachten des Mittelalters gesammelt). Wir begrüßen dies Buch, welches Sagen aus dem Talmud, Midrasch re. in freien Rhythmen und in elegantester Bearbeitung enthält, als ein neues erfreuliches Zeichen von der in England jetzt hervortreteuden gesteigerten Aufmerksamkeit für das jüdische Alterthum. Menasseh ben Israeli Adresse anCromwell, dies für die Geschichte der Juden in England so wichtige Aktenstück, ward jüngst in Melbourne,. mit einer Einleitung versehen, aufs neue herausgegeben. Von dem beliebten Schriftsteller Goldschmidt, dem Verfasser des „Bendixen" u. a., erschien: „Society ot' virtue at Rome“, ein Novellenkranz, der von den Mitgliedern einer Gesellschaft, in der Weise des Detramerone, erzählt wird. Dr. Benisch, „tlie Sabbath of the Jews in its rdation to the Sunday question“ (der Sabbath der Juden in seiner Beziehung zur Sonntagsfrage). — Der Verfasser erweist in dieser Streitschrift den christlichen Parteien gegenüber die völlige Verschiedenheit des jüdischen Standpunktes vom christlichen und die Unvereinbarkeit der beiden Gesichtspunkte. Von Lessings Nathan der Weise, ist soeben bei Trübner & Co., London, eine neue metrische Uebersetzung erschienen. Die Einleitung enthält Lesenswertes über die Idee der Dichtung, und über den Einfluß Mendelsohns auf die edelste und die genialste Partie in Lessings Denkerlaufbahn. In den letzten Tagen des September schied in London ein Mann aus dem Leben, der, obgleich Nichtjude, einer ehrenden Erwähnung in diesen Blättern gewiß sein darf. Der Dechant an der Paulskirche, Milman, geboren 179t, hat als freisinniger Denker, als Theolog von großer Milde des Wesens, als Geschichtsschreiber, Kritiker und genialer Dichter eine Vielseitigkeit des Geistes und Talents, eine Fruchtbarkeit bewiesen, die sofort an unfern deutschen Herder erinnert. Die schöne Literatur Englands in der Neuzeit hat wenig gediegenere und den elastischen Geist lebhafter athmende Schöpfungen als „Fazio" oder „den Fall von Jerusalem". In seiner Kwchengeschichte, und in seiner Geschichte der lateinischen Christenheit herrscht deutsche Gründlichkeit vereint mit englischer Großartigkeit und Ganzheit. Unfern besoudern Dank hat er durch seine Geschichte der Juden, in 3 Bänden, verdient: er war der Erste, der auf englischem Boden mit diesem Stoffe Ernst machte; und beinahe hätte ihn Oxford für die hier bewiesene Gerechtigkeit und Freistnnigkeit mit dem Banne belegt. Milman gehörte zu den selteuen Geistern, die vermittelnd und versöhnend zwischen Völkern und Zeitaltern stehen und die mit ihrer ungeschwächten Arbeitskraft die Pioniere einer neuen Kultur, einer kommenden Gesittung sind. Bonn, 18. Oetober. Die Zustände in den Donaufürstenthümern. Zu unserer Befriedigung erhalten wir wieder eine Nummer des „Echo Danubien" des Hrn. Carmollin, dieses unerschrockenen Kämpfers für die Wohlfahrt seiner verfolgten Glaubensbrüder in Rumänien, und wir sind nicht mehr auf die zweideutigen Berichte des „Jsraelitulu Romanu," dieses Negierungsorganes, angewiesen. Herr Carmollin hat eine Reise durch Rumänien gemacht, um sich eine genaue Kenntniß des wirklichen Zustandes der dortigen Israeliten zu machen, und zieht seine Beobachtungen in folgendes bündiges Tableau zusammen. Er sagt: „Die Juden werden weder zu den Lieitationen des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten, noch zu denjenigen der Stadtgemeinden zugelassen. Die israelitisch-rumänischen Schulen, die an einigen Orten nur mit großen Schwierigkeiten gegründet worden, lösen sich aus Mangel an Unterstützung Seitens der Regierung auf. Selbst die israelitischen Gemeinden sind außergesetzliche Einrichtungen, die von der Regierung ignorirt und gänzlich vernachlässigt werden und nicht einmal die Macht besitzen ihre Steuern einzuziehen zur Erhaltung ihrer Schulen, Hospitäler und sonstigen Wohlthätigkeitsanstalten. Der Ankauf von Häusern und Grundstücken ist ihnen untersagt. Kürzlich wurde selbst ein Israelit, dessen Namen wir nennen können, als er vor Gericht die Legalisirung eines von ihm bewirkten

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