Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1868)
- Date
- 1868-10-20
- Page
- Seite 868 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3224737-3226635-3226679--26559-3262106- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
'V;:S brcck-.'n tvol :.'n, uuo — o SSimbcY! - - eiis: |;0 bilibe l\U breitete \\Ü iitw He clvtl Nock so ivr^u:::: DaöV.ind schlug die?lugen aus u'.'.V b111Tio uüch mit engelateichem Vüdvlu au. als iveilio co mich L-ilicu, tan iWi'iuir.ßoYufc C'ittcO' 31t felgen imb b a G au gefangene 31'cvf zu vollenden. Ta tauchte ich meine Finger in 3L'cibu\if|cv, benetzte teö Miiuco 3tun bannt und sprach die Formeln der heiligen Tattse. Bon Stnnb au ward Noämi gesimch und ich sagte den Lmstt'lnß. meiner in der Noch vollzogenen Taufe die priest erliche Weihe geben zu lassen." Und dieser Entschluß der Amme mar auch bereits au§- gesührt. Ein „Bruder Lazarus" mit Nchrmeu Nntchioni l atrc dabei dü'cheiche Hand geleistet. Er und Martha batten als „warben" gestanden, als Nomni — auf den Namen „Pa ula" — im nabegelegenen Kloster von chriesterhaud und Priestermnnd zur Christin getauft worben. — Das Kloster aber hatte sein Opfer nicht bedeckten, vielmehr dasselbe einer Dame sehr vornehmen 3 taubes ansgeliefert, die da versorochen, „die Steine wie , ihre eigene Tochter zu erziehen." — Nntchioni wußte, daß dies geschehen, und Martha wußte sogar, wem das Kind klosterlicherseits war übergeben worden. Aber sie hatte einen fürchterlichen Eid schweren müssen, daß sie dies Eeheinmiß niemals — selbst in ihrer Todesstunde nicht — verratheu würde. . So standen die Sachen, als Gideon und Gemea ans Neapel nach Bisagno zurüclgekehrt waren. Gemea's Angst und Bestürzung kann man sich denken, als sie, an ihres Kindes Bettchen eilend, dasselbe leer findet. Es kostet sie indessen nicht viel Mühe, um von der Amme — welche in der Einbildung, eine „gottgefällige Thal" geübt zu haben, im Hause der Juden geblieben war, — Alles zu erfahren, was daselbst sich zugetragen — natürlich bis auf den Namen und Aufenthaltsort Derer, die das getaufte Mädchen zu sich genomtneu. — Zu Horen, daß ihr Kind „Christin" geworden, britigt die jüdische Mutter fast zur Verzweiflung. Sie hätte es lieber als Reiche angetrossen. Sagt sie ja ausdrücklich zu Martha: „Und woher wußtest Du, daß ich mein Kind uicht lieber Lodt gesehen?" — Zu ihrem Gott aber läßt der Dichter sie sprechen: „Herr Israels! Hörst Tu die Schmach? Mein Kind eine Christin! Sie soll zu einem andern Gott beten, als ich? soll denen fluchen, die ihr das toben gegeben?" — Doch bald saßt sie sich wieder und tröstet sich: „Nein, das wird sie nicht; denn in ihren Adern fließt das Blut der Kinder Jndacks, das ewiglich sich anslehnt gegen fremde Unterdrückung." — Und aus den Einwurf Marlha's, daß Gott dem-Mädchen „einen christlich frommen Sinn" verleihen werde, entgegnet die Jüdin: „Meinst Tu, es sei so leicht, die Spur der Race zu verwischen? Meine Tochter ist Jüdin, — sie soll, sie wird es bleiben." Aber wo befindet sich das Kind? wer besitzt es? — Das allein verlangt jetzt Getnea zu wissen, und das gerade ist es ebett, was aus der Amme nicht heraußzubringeu, weil sie wie sie betheuert — einen „heiligen Eid" geschworen, es niemals zu verrathen. — Bon dieser Antwort wird Gemea aber dermaßen gereizt und erbittert, daß ihr Zorn keine Grenze mehr kennt, keine Schranke mehr achtet. Und nun kommt der Dichter daztt, seiner „Tendenz" zu huldigen, inbent er in der Jüdin das „Prineip der Rache" sich verkörpern, indem er diese den gransamrn Gedaitken fassen und aussprecheu läßt, daß sie an Marlha's einzigen Sohn, dem etwa tljährigen Ottaviv ckder stets bei seiner Mutter gewesen) rödtliche Hand anlegen wollte, um mit dessen Blute die Schmach zu sühnen, die ihr widerfahren. Gemea ist fest entschlossen, dies zu Ihun, sieht jedoch bald ihren Plan vereitelt; denn die Amme ist vorsichtig genug gewesen, den Knaben vorher schon zu seinem Vater, der auf einem Schiffe sich befindet, zu entsenden. — Da endlich ruft Gemea ihren Gatten zum thätigen Einschreiten auf, ihren Gatten, den Vater Noemi's, der — von alter Krankheit und dem eben erfahrenen Schmerze lief darniedergebengt — bisher in dtnnpfem Schweigen brütend dagesessen. „Du schweigst?" —■ schreit sie ihm entgegen — „Du fügst dich dieser Schmach, die man nicht uns allein, die man auch unserm Glauben, unfern Menschenrechten angethau?" Gideon wird aufgerüttelt, angeregt, emporgetrieben — und mit heftiger Gier benutzt der Dichter die Gelegenheit, um wieder einmal, seiner Tendenz gemäß, im Inden das „Urwesen der Rache" zu personificiren. Denn er läßt den todtkranken und kaum des Gehens noch fähigen Mann die letzten Kräfte zusannnenraffen, mit furchtbarer Anstrengung seinen Stab in die Höhe schwingen und auf Martha zusturzen, mn diese zu erschlagen. — Doch der Lödtliche Streich wird glücklich abgewendet, und zwar durch Gemea selber, welche noch immer hofft, von der Christin den Aufenthalt ihrer Tochter zu erfahren. Allein sie sieht sich in dieser süßen Hossnung gar bald schrecklich getäuscht. Denn auf Martha, welche von dem in ihrem Innern tobenden Kampfe ohnehin schon gräßlich erschüttert war, hat der nun noch erlittene Schreck vollends so entsetzlich eingewirkt, daß sie, von einer TodesohnmackL befallen, vom Stuhle zur Erde uiedersinkt, um uiutmer wieder aufzustehen. Sie stirbt und das Geheunmß mit ihr. — Nun ist für die unglücklichen jüdischen Eltern Alles dahin. — Doch Gemea rafft sich empor und schwört — unter Anrufung Gottes — ihr Leben und ihre ganze Kraft fortan nur dem einen Zwecke zu weihen: „ihre Tochter attfzusuchen und aufzusiuden." Bis letzteres ihr gelungen, will sie jeder Lust, jeder Freude und jedem Glück des Lebens gern entsagen. Sie giebt sich auch vertrauensvoll der Hoffnung hin, daß, wenn sie genug entbehrt, genug geduldet und gelitten - Gott ihrer sich erbarmen und ihr Herz daS, wornach eö sich sehttt, finden lassen werde. — Ihren Gatten fordert sie auf, ihr ztt folgen, indem sie spricht: „Komm, Gideon! Bon Haus zu Haus, von Ort zu Ort, von Land