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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-10-20 · Heft 43 (20.10.1868) · p. Seite 859

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 43 (20.10.1868)
Date
1868-10-20
Page
Seite 859 (sequence 10)
Language
German
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859 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Posen, 6. October. Dem am nächsten Montage znsammcutretenden Provinziallandtage des Großherzogthums Posen soll ein Regiernngseutwurf vorgelcgt werden zur Aufhebung der Bestimmung, daß die Inden der Provinz bei einem Berlassen ihres bisherigen Wohnortes sich vorerst mit dem Borstandc der Cultns- .gemcinde über die Ablösung ihrer Verpflichtungen gegen dieselbe zu verständigen haben. Zur Unterstützung dieses Antrages soll dem Landtage eine ausführliche Denkschrift unterbreitet werden. «Nach der Gesetzgebung für die Juden des Großhcrzogthumö Posen von 1833 und 1847 war diese Verpflichtung, die in den übrigen Provinzen des Staates nicht bestand, insbesondere darurn aufrecht erhalten worden, weil viele Gemeinden des Gr. Posen aus früheren Zeiten, selbst noch aus mittelalterlichen, mit bedeutenden Schulden belastet waren, deren Zinsen bei bedeutender Derminderung der Geineinden der zurückblcibcnde Rest zu tragen nicht im Stande gewesen wäre. Jene Ablösung war aber für die Abziehenden eine um so größere Last,, als sic doch die Lasten ihrer neuen Gemeinde mit zu übernehmen hatten. Dielleicht haben sich die Zustände in den posener Gemeinden besser gestaltet, vielleicht steht das neue Frcizügigkeitsgesetz in zu grellem Widerspruche mit dieser Ablösungspflicht. Die Gründe der Negierung sind gewiß wohlerwogen.) Auö der Provinz Posen, im October. zPrivatmitth.) Es wäre wünschcnswerth, daß wieder, wie für die früheren Rabbinerversammlungen, eine Casse zur Bestreitung der Kosten durch freiwillige Beiträge in's Leben gerufen »vürde, damit die in pecuniärer Hiilsicht ohnehin nicht günstig gestellten Rabbiner die Kosten der Reise nicht aus ihren eigenen Mitteln bestreiten nlüssen. Außerdem entstehen ja noch andere Kosten, die bestritten werden müssen. Die erste Synode wird wohl diesen Punkt zu erledigen haben. ES ist zu erwarteil, daß sich dann mehrere Rabbiner au diesen Versammlungen bctheiligcn. Auch wäre es wünschenSlverth, daß die Synode oder nächste Rabbincrversammluug in einer größeren Genleinde jenseits der unglücklichen Mainlinie stattfände, damit jene süddeutschen Gemeinden aus ihrer religiösen Stagnation aufgeweckt werden und sich auch au dem wicht! gen Werke der Wiederbelebung des Judcnthums be theiligcn Ot'sterreichischer Kaiserstaat. Wien (Wiener. Briefe I.*, im September. Die Saison mortc wäre also glücklich vorüber, und dafür sind die „ehrfurchtsvollen Tage" ins Lanv gekoiumen. Wir Großstädter, die Nur uns guuck scheu verpslichlec fühlen — uoblosse oblige — unsere Sommerfrischen und Badeplätze anfznsuchen, haben, wenn auch nicht ie gestärkte Gesundheit, so doch das eine Gnre von unseren sommerlichen Partien, daß lvir von der Fremde ein gut Theil Neuigkeiten nach Hause bringen, und da wieder auf eine neue Partie vaterstädtischer Ereignisse uns gefaßt machen können. Wie heimisch uns doch die Lüftchen unseres alten Gemcindelebens wieder anfächeln, wie traulich cs sich im Kreise der Freunde über die Tinge in der Kchitla debattiren läßt, zumal der Festmonat uns allen unsere Stellung als ehrsame „Hausbesitzer" oder Gemcindeniitgliecer nur zu lebendig vor Augen und die zerstreuten Genossen zur frommen Uebung öfter zusammcnführt. Der Mann der Kehilla ist von Natur Raisonneur und das bleibt er selbst auch in der modernen „EultnSgemeinde" und dieß auch in der Groß- und Weltstadt. Was wohl „Daheim" Schönes mag vorgesallcn sein!? — Nichts gerade von Bedeutung. Unsere „äußeren" Angelegenheiten sind mit dem 26. Mär; iir ein Stadium eingetreten, wo Gesetz und Recht einen ruhigen Fortgang und eine heilsame Entwickelung herbeiführen werden, und eS ist wohl anzuuehmen, daß die confessionellen Gesetze für längere Zeiten einen Ruhepnukt in unserer äußeren Geschichte bilden, der eine neuere, glücklichere Periode cinleitet und cimveiht. Mit der Erhebung von Juden in Aemter und Stellungen, die ihnen bis zur Deeeinberverfasjung nicht zugänglich waren, will es sich noch immer nicht machen; zu registriren ist jedenfalls die jüngste Advocaten-Ernennung für Wien, die eine hübsche Zahl jüdischer Namen anstveist. Dagegen hat das interconfessionelle Gesetz schon zahlreiche Früchte gereist. — Man kenur die große Menge jüdischer Convertiten, die theils durch den Zwang und die Noch der Zeiten, theils durch den nach Lebensstellungen, denen die väterliche Ne- 43

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