Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1868)
- Date
- 1868-10-13
- Page
- Seite 836 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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zwei Bändchen vorliegen, Sabbath und Pessach behandelnd. Eine populär-wissenschaftliche Darstellung der mosaischen Gesetzgebung giebt uns in frischer, lebenswarmer Darstellung und mit vieler Pietät für das jüdische Alterthum Reverend E. C. Win es in dem Buche: „Commentaries on the laws of the Hebrews.“ Das Kapitel, welches das Charakterbild Mosis entwirft, kann als ein Meisterstück bezeichnet werden. Eh-. Kalisch's tief eingehender Kommentar über Levitikus hat bereits eine Besprechung in diesen Blättern erfahren. Er schließt sich würdig an die frühern exegetischen Arbeiten dieses verdienstvollen Gelehrten über Genesis und Exodus an und ist eine wahre Bereicherung der exegetischen Forschungen auf dem Boden der historischen Methode zu nennen. Bon Montague L. Marks, dem Sohne des bekannten Predigers, ward im Januar vorigen Jahres ein Magazin für Wissenschaft, Kunst pp. begründet. Das zweite Heft brachte einen werthvollen Aufsatz von dem Bater des Herausgebers, Professor M., über die Samaritaner. — Letzterer hat auch seine populären Vorlesungen von Zeit zu Zeit mit Beifall wieder ausgenommen, und unter Anderm über Hiob gelesen. Auch Davidson, Oberlehrer an der Kunstschule in Chester, hat dortselbst über die Baukunst der Alten einen beifällig aufgenommenen Vortrag gehalten. Von unserem Landsmanne, dem in London lebenden Leopold Dukes, ist nach langem Schweigen soeben ein neues Werkchen: „Philosophisches aus dem zehnten Jahrhundert, Beitrag zur Literaturgeschichte der Mohamedaner und Juden" ausgegeben worden. Sobald mir das Buch zukommt, werde ich darüber berichten. — Von der Vielseitigkeit der israelitischen Künstler geben die verschiedenen Ausstellungen Zeugniß. — Bei der diesjährigen Ausstellung der Akademie war der rühmlich bekannte Professor Hart, R. A. durch zwei Bilder vertreten, die zwei schnurstracks entgegengesetzten HVelt- und Jdeenkreisen entnommen waren: „Der jüdische Freitagabend" und „der Pförtner des Klosters." — B. S. Marks erwarb sich durch „einen jüdischen Rabbi" Beifall. — Geniälde und plastische Werke über jüdische Sujets waren diesmal zahlreicher erschienen als bei frühern Ausstellungen. - Um Harts reiches Talent zu charakterisiren, erwähnen wir einiger seiner Bilder, die von früher noch in rühmlicher Erinnerung sind: „Leiden u. Mühen der künstlerischen Erfindung;" „Evelyn besucht das Baptisterium der Markuskirche in Venedig;" „Schwanken zwischen Ja und Nein;" „Raphael Sanzio bei Papst Julius II. vorgestellt;" „Friedrich Barbarossa unterwirft sich dem Papst Alexander III." — Wir berichten bei j diesem Anlasse, daß der Künstler neulich zum Kurator der kostbaren Gemäldesammlung ernannt worden, die in dem weltberühmten Matrosenhospital zu Greenwich aufgestellt ist. — Unter den nachgelassenen Werken des S. Solomon, eines ausgezeichneten, vor nicht langer! Zeit verstorbenen Künstlers, wird „Dämon und Aglae"! geschätzt. — Auch in den jüngsten Aquarell-Ausstellun-I gen waren vorzügliche Werke von diesem Künstler er-I schienen. Die Specialität der Wasserfarben-Malerei I wird anerkanntermaßen in England zur größten Birtu-I osität getrieben, und es ist daher schwer, hierin Vortresf-I lichkeit zu erstreben. — Von Miß R. Solomon, der! Schwester dieses Malers, erwarb sich ein Gemälde: „der, Liebe Vorstellung" so allgemeinen Beifall, daß die IIIu-| strated London News es s. Z. reproducirt hat. — Als» Glaubensgenossen begrüßen wir ferner die Künstler; P.» Levin und Joseph Thors. — I Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bonn, 30. September. (Privatmitth.) Wir haben erwähnt, wie noch kürzlich die Krcuzzeitung die Jude» als eine besondere Nationalität in Deutschland betrachtet und ihnen deshalb die staatsbürgerlichen Rechte entzogen wissen wollte. Unser Correspondent protestiere schon damals gegen eine solche Auffassung; heute ver-I mögen wir gegen dieselbe noch eine andere unparreii! sche Autorität in's Feld zu führen. In den „Grenz-! boten" schildert ein Herr Gilben in Briefen aus Ke-I niggrätz die politischen und besonders die nationalen! Verhältnisse in Böhmen. In dem jüngsten derselben! (Nr. 39) hebt er hervor, wie — unähnlich so viele»! Deutschen — die Juden mit der größten Zähigkeit! am Deutschthume und besonders an der deutschen! Sprache festhalten. Es geschieht dies nicht, bemerkt! Herr Gilben, aus Heroismus oder besonderem En-I thusiasmus, sondern aus dein instinktiven Gefühle, das! alle Juden Böhmens beseelt, daß das deutsche Elc-I ment Gesittung, Bildung und Freiheit repräsentier! darum neigen sie sich demselben zu. - Dieselbe El-I