Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1868)
- Date
- 1868-10-13
- Page
- Seite 834 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ihre Formen eher eine Verengerung und Verstümmelung erfuhren als eine Bereicherung. Dies widerspricht aber jener Ansicht von Entwickelung, welche der oben skizzirten neuen Theorie zu Grunde liegt, die aber auch bereits gerade in ihrem Ursprungslande, in England, den entschiedensten Widerspruch erfahren hat, und dort schon in ihrem Niedergange begriffen ist. Mag also immerhin das Bild der Humanität, des echten edlen Menschenthums von dieser modernen Hypothese in etwas verschleiert erscheinen: die frische Bewegung des Geistes wird diesen Nebel bald wieder zerstreuen. Denn das ist der große Vortheil der Freiheit, daß sie am ehesten befähigt ist, die Schatten, die sie wirft, selbst wieder zu beseitigen, während eine gewaltthätige Behandlung den Jrrthum, den sie unterdrücken will, erst recht nährt und stärkt und ihm künstlich ein Leben schafft, das ihm seiner Natur nach fehlt. Andrerseits wird die durch jene Hypothese geübte Kritik aus der bisherigen Anschauung das Uebertreibende und Nebulirende scheiden und so die allgemeine Weltanschauung klären und berichtigen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 30. Sept. Autobiografia di un padre di faruiglia, da Giuseppe Levi; Firenze 1868. Der Verfasser sucht in der Selbstbiographie eines Familienvaters darzulegen, wie Sittlichkeit und Humanität nur im Schoße der Familie blühen können. Mit tiefer Menschenkenntniß und zugleich mit der Meisterschaft der Sprache, die wir bei dem Verf. zu finden gewohnt sind, zeigt uns derselbe, wie der Mensch ohne schützenden Zusammenhang mit der Familie dem starren Egoismus und zugleich dem quälenden Gefühle der Unzufriedenheit mit sich selbst verfällt, und wie nur durch die mannichfaltigen Verknüpfungen des Familienlebens der sittliche Sinn und zugleich das reine Glück begründet werden. Das Buch ist übrigens nicht ausschließlich für den israelitischen Leserkreis bestimmt und verdiente wohl eine Uebertragung in's Deutsche. Aus Nordengland im August. Auf dem englischen Büchermärkte ist in letzter Zeit manches erschienen, was ein gesteigertes Interesse am jüdischen Altertum bekundet. — Bei weitem die wenigeren dieser Schriften sind indeß als wahre Bereicherung der Wissenschaft zu betrachten. — Ich beginne mit einem Buche, das, glaube ich, in anderer Form bereits kurz in Ihren Blättern erwähnt ist, und das in jeder Weise die Ablehnung jüdischer Kreise gewärtigen muß. Dozh's „Israeliten in Mecka" ward von Dr. Dort ins Englische übertragen unter dem herausfordernden Titel: „tbe worship of Baalim in Israel, London 1865" und von dem ewig schreibfertigen Bischof Co len so eingeleitet. Das jüdische Alterthum wird hier mit großer historischer Leichtfertigkeit behandelt, und die verschollenen Verläumdungen eines Daumer und Ghillany in einer zum Glück noch langweiligern Form neu aufgetischt. — Von dem fleißigen Dr. Chr. Ginsburg haben wir zwei Werke zu verzeichnen. „The Kabbalah, its doctrines, development and literature," London, Longmans (die Kabbala, ihre Lehre, ihre Literatur und Entwicklung) geht nicht sehr tief in diese Materie ein, ist aber ein leicht faßliches und nicht unverdienstliches Buch. „The Massoreth Ila-Massoreth of Elias Levita, being an exposition of the Massoretic notes on the Hebrew Bible" — ibid. 1867. — Diese Ausgabe des gründlichen Massoretikers, enthaltend Text, Uebersetzung und Noten, kann als der erste ernstliche Versuch gelten, das Wesen der biblischen Texteskritik den Engländern näher zu bringen. — Wie es heißt, haben wir von dem gelehrten Herausgeber demnächst. eine große abschließende Arbeit über die Massora zu erwarten. — Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß an diesen Arbeiten ein ebenso bescheidener als kundiger jüdischer Gelehrter, der in Liverpool lebt und dessen Namen wir aus Discretion widerstrebend zurückhalten, einen großen Antheil hat. Die englische Uebersetzung von Fürsts hebräischchaldäischem Lexikon, von Dr. Davidson mit vieler Sachkunde ausgeführt, ist voriges Jahr bei Williams und Norgate in London vollendet worden. Die Vorrede des Uebersetzers ist in einem Separatabdrucke veröffentlicht. Robert Cox, the literature of the Sabbath question," vol. 1. London & Edinburgh. John Muehleisen-Arnold, „the Koran and the Bible, or Islam and Christianity," London, Longmans 1866. Von Dr. David Asher erschien in zweiter verbesserter Auflage eine jüdische Religionslehre unter dem Titel: „Outlines of the Jewish religion etc." London, Vallentine. Wir glauben in dem Verfasser den streb-