Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1868)
- Date
- 1868-10-13
- Page
- Seite 833 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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rrmng der en Dasein Urschende, e. rn in der orgedrängt vaß wir sie Dieselbe kelung der >rhandenen Stufe zu Here Stufe entstanden aus äußegen. Der aus einer lamm, erbliche, früdurch ein nicht ge- )enen Zeu- .rotz ihrer r Organe ine völlige unzweideu- Aber der hen Wesen ckmäßigkeit das ist es, zshypochese ) Geist zu c gedachten en Atheis- »fung ohne feit zu er-;rstächlichen nicht, wie er Wider- Kenge Einn positiven ierbei nicht ur großen vissenschast verrannt, en Fragen ie zu Hülse doch sagen. daß ihnen eigentlich mit jener Theorie wenig geholfen sei. Denn vom todten Urschlamm bis zur ersten lebendigen oder gar willkürlichen Bewegung einer sich organisireuden Gallerte, die zu einer so ungeheuren Entwickelung bis zu einer vollständigen Pflanze und zu einem vollständigen Thiere befähigt sei, ist ganz derselbe weite Weg, wie von den Elementen zu einem vollständigen Organismus, in welchem alle Organe und Glieder zu einem zweckmäßigen Organismus sich vereinen. Die Frage: wer oder was hat den Urschlamm zu einer ersten organischen Stufe gebracht, bleibt ihnen ebenso übrig wie vorher, und nöthigt zu der Vorstellung eines beabsichtigten Schöpfungsgedankens. Sehen wir ferner davon ab, daß die wirkliche Naturbeobachtung noch immer so überaus wenige und gar nicht zutreffende Erfahrungen von Uebergängen und Veränderungen organischer Wesen zu bringen vermochte, um jener Entwickelungstheorie zum Anhalt oder zur Stütze zu dienen, so kann doch der ernste Naturforscher folgendes garnicht übersehen. Jene Theorie geht von dem Gedanken aus, daß > die gegenwärtige zweckmäßige Einrichtung der organischen Wesen aus äußeren Manipulationen hervorgegangen sei, so daß in dem Wesen der Zweck vollständig vorhanden gewesen vor der zweckmäßigen Einrichtung selbst, so daß der Zweck in ihm Jahrtausende wirkte, ohne Organe zu haben — eine Ansicht, die aller ^Naturwissenschaft widerstrebt, und nur von Dilettanten gehegt werden kann, mögen sie auch den Schein der Wissenschaftlichkeit beanspruchen. Der Storch z. B. hatte nach jener Theorie weder lange Füße noch langen Schnabel; aber er wollte dennoch Frösche und Gewürm aus dem Sumpfe holen, und reckte nun Jahrtausende hindurch seine kurzen Füße und seinen kurzen Schnabel so sehr, und die zahllosen Geschlechter der Störche übertrugen dieses Recken dermaßen auf einander, bis sie die jetzige Länge ihrer Füße und ihres Schnabels erreicht hatten; jetzt haben sie es freilich bequemer, sie recken sich nicht mehr, und so werden ihre Füße und Schnäbel nicht mehr länger. Wieso kamen aber die Störche mit kurzen Füßen und Schnäbeln zu den Fröschen und Gewürmen des Sumpfes, die sie garnicht erreichen konnten? Der Mensch, als er noch Afft war und kein Gras mehr essen wollte, kletterte auf die Bäume, um deren Früchte zu pflücken, und durch dieses beständige Klettern kam er nach vielen Jahrtausenden zur aufrechten Stellung, d. h. nicht zur Gewohnheit des aufrechten Ganges, sondern zu dieser, jeden anderen Gang ausschließenden Organisation seiner Füße, seines Beckens, seiner Rückenwirbelsäule, seiner Arme und Hände und deren Einfügung in den Rumpf, seines Kopfes, der Stellung seiner Augen, der Bildung seiner Stirn u. s. w. Man sollte denken, daß schon jedes wissenschaftliche Bewußtsein sich nicht sowohl hiergegen empören, als vielmehr hierüber in ein homerisches Gelächter verfallen müßte, nein! man nimmt es auch mit jedem gesunden Menschenverstand auf, der eine Zeit, in welcher solcher Wahnwitz nur einigen Anklang fände, als eine kindische und thörichte bezeichnen muß. Klettern nicht noch heute zahllose Affenarten auf die Bäume, und sind keine Menschen geworden? Klettern nicht seit Jahrtausenden zahlreiche andere Thiere glatte Felsen und Mauern hinan, und ihre Organisation widerspricht jedem aufrechten Gange? Doch wir wollen hier ja keine Widerlegung geben, weil wir sonst jener Theorie den Schein des Ernstes zugeständen, weil wir sie sonst mehr als eine der fieberhaften Bewegungen einer unruhigen, durch die Hyperkritik in das Leere hinausgeschleuderten Zeit betrachteten, in welcher selbst die Wissenschaft ihr eigenes Fundament auseinanderreißt, weil sie gegen sich selbst skeptisch geworden, während sie doch die Alleinherrschaft ihrer Methode verlangt. Nur ein Moment wollen wir noch hervorheben. Man muß den Begriff der Entwickelung überhaupt sich klar machen. An der Hand der Naturbeobachtung erkennen wir, daß die Entwickelung darin besteht aus vorhandenen Keimen die Organe zu entfalten, welche'eben in den Keimen wurzelartig vorhanden sind, nicht aber ganz neue Organe zu. schaffen und hinzuzufügen; was in den Keimen nicht da ist, wozu also die Befähigung nicht vorhanden, das kann auch die Entwickelung nicht geben. Dasselbe gilt von der geistigen Entwickelung, welche demnach mehr als eine Extension und Verfeinerung zu fassen ist; ja es giebt Gebiete, auf welchen die schöpferische Kraft anfänglich sich viel bedeutender bekundet als in der Entwickelung. Wir meinen z. B. das Gebiet der Sprache, auf welchem der Menschengeist nicht allein im Stande war, aus einem Urstamm eine Menge Sprachen verwandter Art und dennoch in sehr mannigfaltiger Verschiedenheit zu schaffen, sondern auch gleich Anfangs die ganze Summe der Wortwurzeln hervorzubringen, deren Vorrath durch die Entwickelung nicht vermehrt, sondern nur zu mannigfaltigerer Bedeutung verwendet zu werden vermochte. Es ist eine, von den Sprachforschern jetzt anerkannte Thatsache, daß der schöpferische Genius einer Sprache sich mit der Entwickelung verminderte und