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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-10-13 · Heft 42 (13.10.1868) · p. Seite 832

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 42 (13.10.1868)
Date
1868-10-13
Page
Seite 832 (sequence 2)
Language
German
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heilig!" — Ob die h. Schrift dem Menschen auch in leiblicher Beziehung eine Entwickelung zuschreibt, Wt. sich nicht gewahren, außer dem einen UmstandeF daß sie ihm in den ersten Zeitaltern eine größere, allmälig a^ nehmende Lebensdauer zuertheilt. Denn maa Mch die genealogische Tabelle im 5. vom historischkritischen Standpunkte aus nicht auf Personen, sondern auf ganze Geschlechter und Epochen beziehen, so giebt die Schrift doch daselbst so genaue Zahlen an, daß sie dieselben nur auf Personen beziehen kann, denn Zahlangaben z. B. von 807, 912, 815 Jahren u. s. w. können nur persönlich gefaßt werden. Von da bis zu den 110 Jahren Josephs, 120 Jahren Moses und 70 Jahren Davids, ja bis zudem Ausspruch im 90. Psalme, dem „Gebete von Mose" Vers 10 „Unsere Lebensjahre, ihrer sind siebzig Jahre, und bei großer Kraft achtzig Jahre" ist eine Abnahme der Lebensdauer — vergleichen wir besonders die Antwort Jacobs an Pharao (1 Mos. 47, 8. 9.), wo jener 130 Jahre als geringe Lebensdauer bezeichnet — als Ansicht der Schrift nicht zu verkennen. Dahingegen spricht sich die Schrift über die fortschreitende geistige Entwickelung unzweideutig aus. Sie läßt in den aufeinander folgenden Geschlechtern Erfindung nach Erfindung folgen; Jabal richtet zuerst Zelte auf, Jubal erfindet die Zitber und Schalmei, Tubal-Kain hämmert zuerst Werkzeuge von Kupfer und Eisen, Poesie, Häuser, Städte und Schiffe erstehen vor unseren Augen. Die fortschreitende Entwickelung der Intelligenz ist hiermit angedentet, und wir betonen daß die erste Erfindung in der Technik nicht minder eine bedeutende und geniale Kraft erfordert, als deren höchste Vollendung. Allerdings nimmt die Schrift eine Entwickelung zum Schlimmeren in sittlicher Beziehung vor der großen Fluth an, und motivirt diese letztere durch jene der moralischen Seite. Anders ist es aber nach der Fluth, denn sie läßt späterhin die Menschheit allmällig bis zur allgemeinen Gotteserkenntniß und der unbeschränkten Herrschaft des Rechtes und des Friedens fortschreiten. Hierin unterscheidet sie sich von der antiken Welt, welche die Menschheit durch die verschiedenen Zeitalter hindurch immer mehr sich verschlechtern läßt. — Wie dem aber auch sei, der Begriff des Menschenthums als der höchsten Stufe der Erdenschöpfung, als der Verbindung des, fortschreitender Entwickelung befähigten, aus dem göttlichen Wesen selbst geflossenen Geistes mit dem vorzüglichsten Körperbau, der Begriff des Menschenthums als im Selbstbewußtsein wurzelnd, in der höheren stttljKn Entfaltung zu einem Inseitigen Dasein wurA^s^Mgemein gMM NeMfchichts beherrschende, ^^WerhAtnisie und Beziehungen bestimmende. Dieser Anschauung gegenüber hat sich nun in der jüngsten Zeit eine ganz entgegengesetzte hervorgedrängt und bei so vielen Individuen Eingang verschafft, daß wir sie hier ganz zu übersehen nicht wohl vermögen. Dieselbe besteht darin, daß eine Theorie der Entwickelung der Organismen vorgetragen wurde, welche die vorhandenen Wesen irr ungeheuren Zeiträumen sich von Stufe zn Stufe körperlich entwickeln läßt, so daß die höhere Stufe aus der niederen bis herab zur niedrigsten entstanden sei, und zwar nicht sowohl aus inneren, als aus äußeren, wir möchten sagen zufälligen Bedingungen. Der Mensch sei hiernach aus dem Affen, dieser aus einer niedrigeren Thierstufe, bis zuletzt zum Urschlamm, erstanden. Der Untergang, und zwar der plötzliche, früherer, in ihrer Art vollendeter Organismen durch ein gewaltiges Naturereigniß kann auch von ihr nicht geleugnet werden, denn die aus der Erde gegrabenen Zeugen für die Thier- und Pflanzenwelt, die trotz ihrer größeren Dimensionen eine Vollkommenheit der Organisation, einen Abschluß dieser und zugleich eine völlige Analogie mit den gegenwärtigen Erdenwesen unzweideutig bekunden, können nicht verworfen werden. Aber der Schöpfungsact dieser gegenwärtigen organischen Wesen nach bestimmtem Plane in beabsichtigter Zweckmäßigkeit, also mit beabsichtigtem Schöpfungsgedanken, das ist es, was sie leugnen und durch ihre Entwickelungshypothese beseitigen will. In der Absicht, Gott und Geist zu leugnen, sieht sie sich selbstverständlich zu der gedachten Hypothese genöthigt, um, was dem bisherigen Atheismus und Materialismus fehlte, die Schöpfung ohne Gott und Geist, ohne Plan und Zweckmäßigkeit zu erklären, auf eine plausible Weise für den oberflächlichen Denker zu verschaffen. Und wer weiß nun nicht, wie leicht gerade die kühnste Hypothese, trotz ihrer Widersinnigkeit und Unhaltbarkeit, bei der großen Menge Eingang findet, gerade wenn sie unumwunden den positiven Glauben umzustoßen trachtet. Wir zählen hierbei nicht allein die Gebildeten und Halbgebildeten zur großen Menge, sondern auch die nicht geringe Zahl wissenschaftlicher Menschen, welche, in ihr Spezialfach verrannt, ihrem oberflächlichen Denken über die höheren Fragen gern und leicht mit einer schimmernden Theorie zu Hülfe kommen. Denn im Grunde mußten diese sich doch sagen, „ , „^ KWWWMWHSW^ sittlichen Freiheit begründet, mit der Bestimmung der

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