Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1868)
- Date
- 1868-10-06
- Page
- Seite 829 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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- Torgau 3× ep/1045852
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da bald wieder nach Kurbrandenburg zurückgekehrt sein, da wir ihn ja schon 1548 wieder in Berlin — „wohnend in seinem eigenen Hause in der Klosterstraße" — antreffen. —Und hierauf hat er in der Thal nur noch ein Jahr gelebt. Sein Tod wird von Allen, die über ihn berichten, als ein plötzlicher und höchst eigenthümlicher angegeben. Er fand denselben (1549) durch einen Sturz von der Treppe, als er „in seinem Hause zu Berlin" eines frühen Morgens zwischen 2 und 3 Uhr in dds Souterrain hinabsteigen wollte.— Nicht lange vorher war er auf einer Rückreise von Thüringen, — aber bereits wieder auf kurbrandenburgischem Boden sich befindend, — Räubern in die Hände gefallen und von ihnen, mit Stricken gebunden, nach Kressen bei Torgau geschleppt worden. — Wie Jobst*) und Haffitius berichten, so sollte der „Rabbi" — also benamsen sie hier unfern Michael — einem der Wegelagerer „etzliche Gulden in der Güte" nicht haben geben wollen. — Statt „Kressen bei Torgau" ist bei Einigen „Sachsen unweit Torgau" zu lesen. — Darin stimmen aber wieder alle Berichterstatter überein, daß es dem gefangenen Juden, „während die Gesellen des Nachts in einem Dorfe schlemmten", gelungen sei, sich seiner Fesseln zu entledigen, ungesehen zu entweichen, glücklich nach Berlin zu gelangen und, durch bloße Anzeige des Vorfalls, einen sofortigen kurfürstlichen Befehl „zur Fahndung auf die Räuber" zu erwirken. - Und wie weiter berichtet wird, so wurden die Räuber auch alsbald in ihren Schlupfwinkeln überfallen, nach Torgau abgesnhrt und hier — auf ausdrücklichen Wunsch des Kurfürsten, der es auf's Strengste geahndet wissen wollte, daß in seinen Marken der kaiserliche Landfrieden so frech war gestört worden, — zum Tode verurteilt. — Das plötzlich erfolgte Ableben des Juden jedoch hätte die Sache ändern und den Verdammten die landesherrliche Begnadigung bringen sollen. Allein die reitende Post, welche mit der Ordre, „im Namen des Kurfürsten die Execution zu inhibiren" nach Torgau abgefertigt war, kam zu spät; das Urtheil war bereits vollstreckt, die Bande gerichtet. Nicht alle Berichterstatter lassen Michael Juda „Erben" haben; diejenigen, welche ihm solche geben, lassen dieselben ihr „Erbtheil" ungeschmälert besitzen und fortgenießen. Ein jüdisch-englisches Journal vor sünfnndvierzig Jahren. In Deutschland hat die jüdische Journalistik sogleich bei ihrem ersten Auftreten einen tiefernsten Ton angeschlagen, an die höchsten Aufgaben des Geistes angeknüpft. Entweder sie trat mit dem Programm auf, die *) Wolfgang Jobst „Chronik von Frankfurt a. d. Oder", t'crausgegeben von Dr. I. A. Beckmann (1706). jüdische 'Wissenschaft zu vertreten, und sie nahm das ganze schwere Gepäck der Literatur und Specialforschung auf ihre Schultern; oder sie betheiligte sich löblich an dem Kampfe für Gleichstellung nach außen, für Veredlung des Kultus im Innern, und dann haben auch ihre anscheinend geringfügigen Mitteilungen einen sittlichen Charakter und einen bedeutenden Hintergrund. In England dagegen knüpfte auch die jüdische Presse an geordnete und stabile Verhältnisse an. Eine umfassende Aufgabe hatte sie nicht zu lösen; denn das Streben nach innerer und äußerer Verbesserung konnte nur in dem Maße erwachen, als das Leben selbst aus den materiellen Anfängen zu den Forderungen des Geistes emporwuchs. Die jüdische Tagesliteratur war also hier zunächst die Dienerin des stabilen Princips, der Schützling der „besseren", d. h. der besitzenden Klassen; und in Ermangelung höherer Interessen erging sie sich breit und redselig in der Kundmachung jener Einzelheiten, die den Gebildeten langweilen, und an welche Kinder und Lakaien ihr Pathos verschwenden. Dieses Bedientenpathos — flunkeyism, wie es unübersetzbar der Engländer nennt — ist es denn allein, welches den nachfolgenden Notizen einen Anspruch auf die vorübergehende Aufmerksamkeit des Lesers zu geben vermag. Am 1. Januar 1823 erschien in London die erste Nummer einer Monatsschrift, ,,Hel>re\v Inlelligenrer“ (Jüdischer Anzeiger) betitelt. Sie scheint nicht' lange gelebt zu haben, und einzelne Nummern zählen jetzt zu den Seltenheiten. Der Preis war 6 d. (= 5 Sgr.> per Nummer, und Geist und Inhalt offenbaren sich am besten in den Auszügen, die wir zur Ergötzung des deutschen Lesers hier getreu und ohne l’abula doeei mittheilen. „Sr. Ehrwürden, Solomon Herschell (der frühere Londoner Rabbiner) hat seine Anerkennung der in der Freischule eingeführten Verbesserungen dadurch bekundet, daß er jedem Mitglieds des Comite's ein schön gebundenes Exemplar der „Täglichen Gebete" als Geschenk überreichte. „Wir vernehmen, daß Eduard Goldsmid, Esquire, in Finsbury, im Begriff steht, jenen Stadttheil mit Park Lane zu vertauschen, wo er ein sehr schönes Haus angekauft, das sammt dem Mobiliar 10,009 Pfd. Sterl. kosten soll. „Man berichtet uns auch, daß ein wohlansehnlicher Herr seinen Entschluß geäußert hat, die Nachbarschaft von Goodman's Fields zu verlassen, weil ihm die Gegend nicht mehr gewählt genug erscheine. „Unfall. — Als Samstags, den 7. December, Herr P. Lucas von Jamaica aus dem Hause seines Bruders, L. Lucas in Finsbury Square, herauskam, glitt er mit dem Fuße auf den Stufen aus und fiel mit solcher Wucht auf das Pflaster, daß er sich drei Vorderzähne einschlug und auch sonst im Gesicht heftig verwundete. Wir vernehmen übrigens, daß er von den Folgen dieses bedenklichen Unfalls zu genesen beginnt.