Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1868)
- Date
- 1868-10-06
- Page
- Seite 814 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226635-3226677--26502-3262047- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
8L4 Am meisten Gewicht legten die Kritiker auf den Umstand, daß an einigen Stellen der griechischen Klassiker das Vorhandensein von Weinstöcken in Aegypten und das Weintrinken der Aegypter verneint werde. Aber zahllose Denkmäler, von denen wir bereits die zutreffendsten in unserem Bibelwerke gegeben, beweisen, „daß bereits im alten Reiche, also selbst vor den Hyksos, der Rebstock und der gepreßte Traubeusaft in Aegypten einheimisch waren und dort im bürgerlichen und religiösen Leben eine nicht selten übergroße Rolle gespielt haben. Schon in den Pyramidengräbern, also weit vor unserem Traume, sehen wir nicht nur Weinstöcke, die an Spalieren gezogen, einen großen Reichthum von Trauben tragen, die von Winzern gepflückt und in Körbe gelegt werden, sondern auch die Bereitung des Rebensaftes selbst bis zur Einfüllung des Mostes in die Steinkrüge." Gegen Herodot beweisen ferner die Denkmäler, daß der Weizen in Aegypten besonders im Gebrauch war; ebenso gegen diesen Schriftsteller, daß das Tragen von Lasten auf dem Kopfe nur ausnahmsweise geschah, aber daß — und dies spricht besonders für die Treue unserer Stelle (40, 16.17) — gerade die Bäcker mit Hülfe eines sanft gebogenen Brettes oder eines Korbes ihre Waare auf dem Kopfe trugen. Auf den Bildern finden sich häufig Gehenkte; von der Feier des Geburtstages des Königs wird oft berichtet, wie denn die Tafel von Rosette, welche den ersten Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphen gab, und die von Kanopus von dem Wiegenfeste eines Monarchen erzählen. Das erstere Dokument erwähnt eine Amnestie der Verbrecher und der in Untersuchung Befindlichen auf dem Gnadenwege; die Strafe, die den Bäcker traf, war für die Aegypter, welche dem Leichnam so viele Sorgfalt zuwandten, die allerhärteste, bezeugt demnach, daß der Bäcker sich sehr schwer versündigt haben mußte und darum von der Amnestie ausgeschlossen ward. — Das 41. Kapitel betreffend, zeigt Ebers, daß ynrr ein dem ägyptischen entlehntes Wort ist; die Siebenzahl war auch den Aegyptern eine heilige Zahl; das Entsetzen des Königs beim Erwachen aus dem Traume ist ganz ägyptisch; vor dem Pharao durfte man nur in glänzendster Reinheit erscheinen, und zu dieser gehörte ein sauber geschorener Leib und eine durchaus reine Gewandung; die Handlung des Kopfscheerens kommt auch bildlich vor. Die Deutung des Traumes ist ganz den ägyptischen Verhältnissen und selbst den religiösen Anschauungen der alten Aegypter völlig entsprechend; dem Nil entsteigende vorbedeutungsvolle Gestalten mußten sich auf Segen oder Mangel in den von ihm getränkten Fluren beziehen. — Hier bricht der erste Theil des Werkes von Ebers ab, und können wir auf die Fortsetzung im zweiten Bande nur gespannt sein. Wir haben aber nun aus diesen Nachweisungen die nothwendigen Schlüsse zu ziehen. Es ist alsoüber alle Zweifel erhoben, daß schon in den die ältesten Zeiten betreffenden Theilen des- Pentateuchs bis in die kleinsten Züge eine geschichtliche Treue bewahrt ist, wie sie uns bei den viü späteren griechischen Autoren nicht begegnet, und was hier von Aegypten bis in die früheste Zeit hinein gilt, giebt ein schlagendes Beispiel für die Treue und Wahrhaftigkeit auch in den anderweitigen Angaben und Schilderungen. Außerdem wird eine Menge specieller Einwendungen und vorausgesetzter Beweise der Kritiker als null und nichtig erwiesen, und wie jetzt uns der noch vor zwei Jahrzehenden allgemein geltende Einwand, daß zu Moses Zeit die Schreibekunst noch nicht so weit verbreitet gewesen, um eine Schrift von solchem Umfange zu Stande zu bringen, geradezu lächerlich erscheint, so gesellen sich diesen immer mehr derartige kritische Gründe als auf Unkenntniß des Alterthums gestützt hinzu. Aber gehen wir weiter. Ebers weist unwiderleglich nach, daß in der Geschichte Abrahams Züge Vorkommen, welche den Zuständen im alten ägyptischen Reiche, vor der Herrschaft der Hyksos, genau entsprechen und in den Monumenten aus jener Zeit nachgewiesen sind, während sie sich durch die Hyksos und nach ihnen veränderten, und dem gemäß in der weiteren Geschichtserzählung des Pentateuchs verändert erscheinen. Z. B. Vor dem Einfalle der Hyksos kannten die Aegypter keine Pferde, und in der Geschichte Abrahams, in der Aufzählung der königlichen Geschenke fehlen dieselben. Durch die Hyksos eingeführt, erscheinen die Pferde in den Monumenten nach deren Herrschaft in Menge, aber immer nur vor den Wagen, und in der Geschichte Josephs besitzt der König Wagen (1 Mos. 41, 43. 45, 19.) zur Zeit des Auszuges hunderte von Streitwagen (2 Mos. 14, 7.) und im Gesetze wird den zukünftigen Königen von Israel verboten, viele Rosse zu halten, um nicht nach Aegypten zu gehen, Rosse zu erwerben (5 Mos. 17, 16.). Und nun fragen wir: was ist das für eine Kritik, welche eine Aufzeichnung unter den israelitischen Königen, also im achten Jahrhundert vor d. gew Zeitr., geschehen läßt, welche so genaue Kenntniß der ägyptischen