Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-10-06 · Heft 41 (6.10.1868) · p. Seite 812

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 41 (6.10.1868)
Date
1868-10-06
Page
Seite 812 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226677--26500-3262045
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

812 wohnlichen Ansicht ausgeht, daß die Aufzeichnungen des Pentateuchs unter den ersten israelitischen Königen stattgefunden. Wir sehen also, daß der Verfasser einer Ansicht huldigt, welche derjenigen Hengstenbergs in seinem Werke „Die Bücher Moses in Aegyten" (1841), entgegengesetzt ist, wogegen selbstverständlich ihm eine ungleich reichere Fülle von ägyptologischen Kenntnissen zu Gebote steht, da seit dem Erscheinen des Hengstenberg'schen Werkes sich das alte Aegypten uns erst eigentlich erschlossen hat. Wie schon die Verschiedenheit in den Titeln der beiden Bücher zeigt, ist Hengstenberg vorzugsweise Theologe, während Ebers Aegyptologe ist. Der Letztere will „freie historische Kritik üben", und zwar, wie er sich im Vorwort aussprich, nimmt er „das volle Recht in Anspruch, freie historische Kritik zu üben, welche allerdings um so pietätsoller auftreten wird, je tiefer ihn jeder neue Tag des Studiums in die Verehrung jener wunderbaren Bücher einführte, welche so vielen Geschlechtern heilig waren und es noch so vielen Generationen mit Recht bleiben werden." Wir gestehen gern, daß uns gerade dieser Standpunkt bei der vorliegenden Forschung am genehmsten ist, weil die Ergebnisse seiner Untersuchungen um so mehr den Werth und Charakter der Unbefangenheit an sich tragen müssen. Der vorliegende Band reicht bis zum Traume Pharaos und der Deutung Josephs. Nach einer lichtvollen Geschichte der Hieroglyphenschrift und ihrer Entzifferung betrachtet der Verfasser zuerst die vier Flüsse von Eden (1. Mos. 2, 13), ohne über diesen kritischen Gegenstand Positiveres als seine zahllosen Vorgänger beibringen zu können, und versenkt sich dann in eine sehr umfängliche Untersuchung über die berühmte Völkertafel im zehnten Kapitel der Genesis. Wir können ihm hierin an diesem Orte nicht folgen und heben nur die erste Frage über die Herkunft der Aegypter hervor. Die Frage steht nämlich hier so: Gehörten die alten Aegypter der kaukasischen oder der äthiopischen Race an, sind sie, wie Herodot und andere Klassiker angeben, von Süden her aus dem Herzen Afrikas, oder, wie die Bibel will, aus dem benachbarten Asien an den unteren Nil gekommen?" Indem nämlich (1 Mos. 10, 6) Mizraim als ein Sohn Chams und dieser als ein Sohn Noahs aufgeführt werden, und Cham am Fuße des Ararat geboren, wird die ägyptische Bevölkerung als aus Asien eingewandert bezeichnet. Der Verfasser weist nun geschichtlich, sprachlich („wahrhaft durchgreifende Verwandtschaftsmerkmale finden sich, freilich nur in spärlicher Menge, allein mit dem Semitischen und zwar besonders dem chaldäischen Zweige dieses Sprachstammes") und anatomisch (durch Vergleichung von Schädeln und Gestalten der Mumien) uach, daß die Bibel recht und die Griechen unrecht haben. Vers 6, 13 u. 14 bilden nun die Unterlage zu der umfänglichen Untersuchung über die Völkertafel, soweit sie eben Aegypten berührt. Von hier aus geht er zu dem Verhältniß der Erzväter zu Aegypten über. Eine besondere Aufmerksamkeit wenden wir auf das Kapitel über die 12,16 angeführten Geschenke Pharaos an Abraham. Die Kritik, Bohlen an der Spitze, hatte hier die größten Bedenken erregt. Schafe und Kameele kämen in Aegypten nicht fort, die Esel seien wegen ihrer Farbe außerordentlich gehaßt und deßwegen nicht gehalten gewesen, und die Nichterwähnung der Pferde, welche in Aegypten „recht heimisch" gewesen, erweise vollends die Unkenntniß des Autors mitt den ägyptischen Verhältnissen. Wie schlagend wäre hiermit dargethan, daß der Autor niemals in Aegypten gewesen! Herr Ebers kommt zu dem entgegengesetzten Resultat, daß nämlich in diesem ganzen Abschnitte kein einziger Punkt ist, welcher einer strengen sachlichen Kritik zum Zweifel Anlaß geben könne; im Gegentheile erweist die Nichterwähnung der Pferde die genaue Kenntniß des Erzählers, und daß der Zug Abrahams nach Aegypten schon vor die Zeit der Hyksos gesetzt werden müsse. Auf den Denkmälern aus dem alten Reiche vor den Hyksos findet sich nirgend ein Pferd, während nach der Vertreibung dieses Hirtenvolkes das edle Roß von Anfang an eine große Rolle spielt und mit wahrer Vollendung dargestellt wird. „Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieses Thier von den Hyksos in Aegypten eingeführt worden ist, und die ganze Statur, besonders der Kopf der edlen Race von Aegypten, erinnert nur an den berühmten arabischen Pferdeschlag. Die assyrischen Rosse gehören einem ganz anderen Geschlechte an; ebenso die in Griechenland (wahrscheinlich von den Phöniciern) eingeführten, welche wir aus zahlreichen Nachbildungen kennen. Auch der Umstand, daß die Aegypter immer nur fahren und niemals reiten, weist darauf hin, daß das Pferd etwas ihnen später Zugebrachtes sei; denn ein Volk, welches bei seinen Anfängen das edle Thier besitzt, bedient sich schlicht seines Rückens; ein Cultmvolk, in dessen Land es importirt wird, spannt es vorsichtig an den Wagen und erwirbt erst, wie die Griechen, spät und bedingungsweise die Kunst des Reitens. Die Wagen sind den Aegyptern zugleich mit den Pferden aber auch von Semiten zugekommen, denn es kann nicht zu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.