Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1868)
- Date
- 1868-09-29
- Page
- Seite 808 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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rührte sich für Mendes, man ließ die Bauern ihre Rache kühlen. Alh ccher plötzlich die Flammensäule durch das Dach schlug und sich in den nächtlichen Himmel erhob, als der Wind in die Flamme raste, daß ein Sprühregen von Funken über die benachbarten Dächer flog, als das Feuer schnell um sich griff, das Hintergebäude erfaßte und sich von da auszubreiten drohte — da ward es doch anders mit der Gesinnung der Bürger. Schrecken ergriff sie und Angst, ihre eigene Habe kam in Gefahr, und die Zerstörung, deren sie sich am Eigenthum eines Andern erfreut, wandelte ihre Schadenfreude in Furcht -und Entsetzen, als sie rechts und links in ihr eigenes Besitzthum zu dringen begann. Die Sturmglocke fing an, ihre klagenden und dröhnenden Laute in die nächtliche Stille zu tragen; die Nachtwächter stießen in die Hörner, bald auch rasselte die Feuertrommel durch die Straßen. Alles stürzte aus den Häusern, Frauen und Kinder erhoben ihr Jammergeschrei. Jetzt eilten auch der Herr Bürgermeister und die Rathsherren zur Stelle und auf Befehl des ersteren ertönte die Alarmtrompete des Schützenvereins und der Bürgermiliz. Der Morgen fing an zu dämmern, als die fünfundzwanzig Schützen des Städtchens, mit ihren Büchsen bewaffnet, und die einige fünfzig Mann starke Bürgerwache mit ihren Piken auf dem Markte sich versammelt hatten, und den tapfern Bürgermeister an der Spitze, nach der Brandstätte eilten. Auf diese stießen Müller-Hans und seine Gesellen und wichen vor ihnen nach dem Hause des Mendes zurück, wo jetzt der ganze Haufe der Bauern und Fischer zusammengedrängt stand. Eben krachten die Dächer und Mauern der Mendes'schen Gebäude zusammen, und stärker, als vorher, wirbelten die Flammen zu den Wolken hinauf, und die beiden benachbarten Häuser standen in hellem Feuer. Als Müller-Hans erschien, stießen die Aufrührer einen Jubelruf aus, und auf seinen Wink und durck seine Bemühung nahmen sie eine gewiffe Ordnung an, um, wenn nöthig, loszuschlagen. Da trat der Bürgermeister zu ihnen hin und redete sie an, indem er ihnen das Verbrecherische ihres Verfahrens vorwarf, sie auf die Gefahr hinwies, welcher sie die ganze Stadt ausgesetzt, und ihnen versprach, sie ruhig abziehen zu lasten, wenn sie sich sofort aus der Stadt entfernten und nicht den geringsten Schaden mehr anrichteten. Ein Hohnruf erscholl aus dem Haufen der Bauern, denn sie wußten ihre Zahl bei Weitem größer, als die der Vertheidiger des Städtchens. „Nun", rief der Bürgermeister ergrimmt und in der steigenden Angst über das Verderben, welches, sichtbar wachsend, über die Stadt sich verbreiten würde, „wenn ihr es nicht anders haben wollt, so geschehe es! Schützen, legt an —." Man hörte das Rasseln der Büchsen und das Knacken der Hähne. „Geht ihr nicht sofort, so laß ich die erste Reihe Feuer geben, und die zweite folgt nach!" Die Bauern sahen, daß es Ernst wäre; die Büchsenläufe schimmerten röthlich vom Scheine der Flammen, und aus der Mitte der versammelten Menge vernahmen sie die Stimmen der Weiber: „SchieU dch Hund« tobt! Das Heuer schlägt uns über d«m KKpfe« zichanMsn!" Da war kein Widerstand, da vm kein Halten mehr. Die Bauern begannen zu laufen, dem Stadthore zu, durch das sie gekommen, und in wenigen Minuten waren sie wie weggefegt, und der Müller-Hans und seine Brüder standen allein. Die sahen denn auch bald, daß es mit der Sache vorbei sei, und folgten, wenn auch langsamer, ihren Genoffen. Der Bürgermeister machte keinen Versuch, diese Anstifter des Tumultes zurückzuhalten. Sofort stürzte Alles auf die Spritzen und Löscheimer zu, die unterdeß angelangt waren. Alt und Jung, Männer und Weiber arbeiteten ohne Unterlaß, des Feuers Meister zu werden. Aber es währte lange Zeit, bis zum hellen Mittag, ehe es ihnen gelang. Einige Häuser mußten niedergerissen werden, um den Flammen die Nahrung zu entziehen, und zuletzt erbarmte sich der Himmel ihrer, der Wind hatte sich gelegt, und die schwarzen Wolken, die bis dahin hin und her gezogen, schütteten ihren Inhalt herab und löschten das Feuer wirksamer, als die eingerosteten und verschliffenen Spritzen des Städtchens. Die Bewohner deffelben hatten reichlich ihre Strafe für ihre Schadenfreude an dem Frevel, dem sie ruhig zugesehen, und dem wohlweisen Bürgermeister und den hochpreislichen Rathsherren ward schlimm zu Muthe bei dem Gedanken, wie die Regierung sie zur Verantwortung ziehen werde. 9. Der alte Oheim stolperte die Stiegen hinauf uud trat in den Verschlag ein. „Ihr könnt nun alle herunterkommen," rief er aus, „denn die Bürger haben eben ihre Schlafmützen abgezogen, weil das Feuer einen Zipfel bereits, angebrannt hat, und die Bauern sind davon gelaufen, weil sie einige Büchsen gesehen. Und dies Volk wirft den Juden vor, daß sie feige sind. Na, die schwedischen Dragoner werden gut unter ihnen Hausen. Aber kommen Sie, Herr Mendes, kommen Sie, hier oben ist es doch nicht gut hausen, wenn man es bester haben kann!" Ines erhob sich und faßte ihren Vater unter den Arm: „Komm, lieber Vater," sprach sie mit schwacher Stimme, laß uns hinunter gehen, es wird schon Wes gut werden." Mendes ging mit ihr die Treppen hinunter, aber schon auf der Mitte fühlte er, wie Ines zitterte und schwankte. „Um Gottes Willen, Ines, was ist Dir?" rief er mit Schrecken aus. Bereits aber war Raphael hinzugetreten, sing das ohnmächtige Mädchen in seine Arme auf, trug sie mehr, als er sie führte, hinunter in das Zimmer und ließ sie in den Lehnstuhl seines Oheims nieder. In dem Zimmer war es ganz behaglich. Ein Feuer knisterte im Ofen, der Tisch war gedeckt, eine Kanne >i»d Taffen waren aufgestellt, Hirsch und seine Frau, die