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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-29 · Heft 40 (29.9.1868) · p. Seite 807

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 40 (29.9.1868)
Date
1868-09-29
Page
Seite 807 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudcuthums. Fenilleton-Geilage zu Nr. 40. Leipzig, den 29. September. 1868. Die Bernstemküste. (Fortsetzung und Schluß.) 8. Raphael war in den Bernsteinverschlag seines Oheims zurückgekehrt und hatte zwei Pistolen auf eine Kiste gelegt. Der brave Junge war vertraut mit dieser Waffe; denn da er bisweilen mit bedeutenden Geldsummen im Geschäft seines Vaters über Land gehen mußte, hatte er sich gewöhnt, zur Sicherheit sie bei sich zu führen. „Wir werden", sprach er, „keine Veranlasiung haben, davon Gebrauch zu machen, aber es giebt doch ein Gefühl der Sicherheit, zu wissen, daß man sich zu vertheidigen vermöge, und diese Bauern und Fischer zittern vor der Mündung eines Rohrs, wie die Kinder." Ines richtete an ihn die Frage, auf welche Weise er denn zur Kenntniß der Anschläge dieser schändlichen Menschen gekommen? und er berichtete ihr dies in seiner gewöhnlichen einfachen und klaren Art. Mendes mochte wohl zuhören, aber er sprach kein Wort, er saß unbeweglich^rnd zusammengesunken auf einer Kiste in einem Wsihkel des Berschlages. Ines aber ergriff nach der ErzähMa Rctphael's, der an sie heran getreten, dessen Hand uü^^Mste sie, und die Hände der Beiden trennten sich stärkeres Geräusch und Rufen von der Straße WWrang und sie erschreckte. Ein Haufe Mi die Straße herauf und man hörte den Oheim M enHegentreten und zurufen: „Habt Ihr ihn, i^Wllep-Hans? habt Ihr den Menschenschinder? habt Wc ihn gefunden und was habt Ihr mit ihm gemacht?" Der Angeredete antwortete: „Wir haben ihn nicht, Jakob, und glaubten, Ihr könnt uns vielleicht etwas über sein Verbleiben sagen. Er kann doch nicht in die Erde versunken sein, er mit allen seinen Leuten, mit seinen Henkersknechten!" Man hörte die Wuth und den Ingrimm aus den heiseren Tönen seiner Stimme heraus. Wie schlug denen da oben daS Herz, als sie diese Stimme vernahmen! „Wo habt Ihr ihn denn aber gesucht?" „Wir waren bei Hirsch. In der Stadt verbirgt ihn sonst keine Menschenseele, weder Christ noch Jude. Aber er ist nicht da." „Habt Ihr denn ordentlich nachgefucht?" „Das versteht sich. Wir klopften den Hirsch und seine Frau aus dem Bette heraus, und sie öffneten uns willig und ruhig alle ihre Räume. Aber darauf hätte ich doch nicht vertraut, denn ihr Juden habt immer noch ein Versteck für euch, das eine Christenseele nicht auffindet, weil wir nicht so schlau sind wie ihr. Aber mein Vetter Tobias dient ja bei Hirsch, und der ist mir treu ergeben und hat mir versichert, daß keiner in ihr Haus gekommen. Und nun sind wir durch alle Straßen gelaufen und haben alle Winkel durchsucht, aber der Teufel hat den verdammten Mörder in irgend einen Winke! seiner Hölle versteckt. Jetzt will ich nur noch nach den Scheunen draußen, und wenn ich sie da nicht finde, stecke ich die ganze Stadt in Brand; da mögen sie alle zusammenschmoren, da wird er drunter sein!" „So arg werdet Ihr es nicht treiben, Müller- Hans . . ." „Warum nicht? Ich werfe mich dann mit hinein in die Flammen, ich bin es überdrüssig." Damit eilte der Haufe weiter. Aber es kam doch anders. - Als die Aufrührer in die Stadt gedrilstgen und im Hause des Mendes ihr Zerstörungswerk >bUüWeN; kyiyittz/ dies nicht geschehen, ohne allmälig Lärmen, Eder Stadt zu verbreiten. Es kamen Leute herbei und, sammelten sich vor dem Hause. Niemand getraute sich aber, den Männern mit den geschwärzten Gesichtern entgegenzutreten. Und wenn er den Muth gehabt Hätte, halte er den Willen nicht dazu. Im Gegentheil, sie fühlten eine Schadenfreude an dem reichen Juden, an dem fremden Eindringling, den sie beneideten, haßten unv fürchteten zugleich. Es ist nicht glaublich, daß der Ruf, dessen, was vorging, nicht auch zum Hause des wohlweisen Bürgermeisters und zu den Ohren der hochpreislichen Rathsherren gedrungen sei. Aber sie hatten nicht Lust, etwas davon zu hören, und blieben ruhig, wenn nicht in ihren Betten, doch in ihren Häusern. Die Voraussetzung der Bauern war eingetroffen: kein Finger in der Stadt

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