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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-29 · Heft 40 (29.9.1868) · p. Seite 798

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 40 (29.9.1868)
Date
1868-09-29
Page
Seite 798 (sequence 8)
Language
German
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798 gliedes Partei für das Seminar ergreift, Beachtung und Aufmerksamkeit in beiden Lagern gefunden hat. 3. Die jüdische Schule von Strauß. Preßburg 1868. Der Verfasser ist für Ausscheidung beim Bibelunterricht und polemisirt gegen Ochs und Rath. Fischer, welche sich für Beibehaltung aller Bibelstellen beim Unterrichte ausgesprochen haben. Das Büchlein verdient Beachtung. z . . . Aus dem Tokayergebirge, Ende August. «Privatmitth.) Um die Zeit, als die Rabbinerversammlung in Cassel tagte, hatte in dem reizend gelegnen Badeorte Szobräncs unweit Unghvär, unter dem Vorsitze des Oberrabbi Eiscnstädter eine Versammlung stattgefunden, deren Zweck es war festzusetzen, welche Stellung unsere Chassidäer bei dem Congresse der ungarischen Juden einzunehmen haben. Die verschiedenen politischen Blätter haben das Kokettiren des unghvärer Oberrabbinen mit den Chassidäern seinerzeit hart gegeißelt, und auch wir haben in diesen Blättern das Liebäugeln des Rebb Eisenstädter mit den Chassidim hervorgehoben. Und doch mußte diese Persönlichkeit von den Orthodoxen berücksichtigt werden, da die große Masse bei uns mit den Chassidim stark kokettirt. In diesem Augenblicke, wo es sich in Ungarn darum handelt die Partei zu vergrößern, und wo die Aufgeklärten in Oberungarn durch übermäßigen Eifer den Orthodoxen fast ganz das Feld geräumt haben, kann cs nicht gleichgiltig sein, in welchem Lager sich die „sephardischen Brüder" befinden, da auch die Stimme der Chassidim eine Stimme und ein jedes Individuum, wenn nicht zufällig Melamed, als Wähler gerne gesehen sein wird.*) Auf Antrag des Heiligen in Liszka wurde von der Versammlung verlangt: daß, unter der Bedingung daß die Sepharim dem Glaubenswächter beitreten, so das Rabbinercollegium durch zwei chassidische Rebbes erweitert, der Schulzwang nicht auf die lichtscheuen Chassidim ausgedehnt werde und auch das Collegium gegen die allgemeine Wehrpflicht etwas thue. Nachdem von dem chassidimfreundlichen Vorsitzen¬ *) Was wohl unsere Aufgeklärten und Orthodoxen zu dem Erlasie des Cultusminsters sagen, wonach auch Lehrer wählbar sind! Wie lange noch betrachtet man uns als nicht ebenbürtig, oder ist der Erzieher ganz ohne Werth? Ist die Autonomie nur dazu da, ihn zu verfolgen? Corresp. den die zwei ersten Anträge zugestanden wurden, ging die Schaar der Frommen auseinander und versprachen die 13, so groß war die Zahl der großen und kleinen Heiligen, alles aufzubieten, daß fortan auch die Chassidäer in Masse dem Glaubenswächter beitreten. Die Zahl der Mitglieder des Glaubenswächters dürfte die Summe von zehntausend übersteigen. Sowohl das Comitö der Majorität, als 'das der Minorität der Conferenz sehen in dem Beitritte der Chassidäer einen Sieg des. orthodoxen Judenthums, und doch können wir der Ansicht nicht beistimmen, da der wahre Orthodoxe mit unseren'Chassidäern nicht shmpathisiren kann und die Neuorthodoxie in Ungarn nur sehr schwach vertreten ist. Nachdem der Congreß vor der Thüre steht, bleibt es immerhin interessant an dieser Stelle constatiren zu können, daß die Partei der Fortschrittsmänner in Ungarn größer ist, als allgemein angenommen wird, wenn auch nicht zu verkennen ist, daß die Gesetzestreuen gegen die anderen Parteien in der Majorität sein werden. Aufrichtig gestanden, uns kann die Partei des Oberrabbi in Unghvar mit seinem chassidischen Anhänge kein Interesse abgewinnen, auch dürfte schwerlich die Partei der Neuorthodoxen, repräsentirt durch die Herrn Rabbinen vr. Hildesheimer in Eisen - stadt und Hirsch in Altofen, einen bedeutenden Anhang beim Congreß aufzuweisen haben. Auch ist es eitle Selbsttäuschung eine Majorität in der Partei unserer jüdischen Mediciner und Advokaten zu erwarten, da ihr Vorgehen bei der Masse keine Sympathie zeigt, und doch müssen wir als gewiß annehmen, daß in Ungarn die Mediciner und Advokaten jüdischer Confession, hat sich einmal der Sturm gelegt, eine bedeutende Rolle auf dem Gebiete der Bolkserziehung spielen werden. Durch den Umstand, daß der Oberrabbi Jeremias Löv in S. a. Ujhely den Posten eines Mitgliedes des Rabbinercollegiums beim Glaubenswächter niedergelegt hat, ist das Treiben unserer Chassidäer und Halbchassidäer vereitelt, und verstehen wir den Austritt richtig, so wird in Bälde der Glaubenswächter sein Rabbinerkollegium ganz aufgeben, da wir uns mit der Ansicht, als wollte sich benannter Oberrabbi definitiv von der Generalversammlung des Glaubenswächters wählen lassen, durchaus nicht befreunden können. Werden unsere Aufgeklärten besonnen Vorgehen, so werden sie, wenn auch in der letzten Stunde

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