Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1868)
- Date
- 1868-09-29
- Page
- Seite 797 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226635-3226676--26484-3262028- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
den vielen anwesenden Christen die Worte: „Thut das Gleiche!" zurief. Auch der sehr würdige alte katholische Geistliche wohnte der Feierlichkeit von Anfang bis zu Ende bei, was sonst selten von diesen Herrn geschieht. 8. Magdeburg, 2tt. September. (Privatmitth.) Am ersten Tage des Rosch-haschana h-Festes feierte der Cantor und Religionslehrer der hiesigen Shnagogen-Gemeinde, Herr Nathanson, sein 25jähriges Amtsjubiläum unter der herzlichsten Theilnahme der Gemeinde. Dieselbe überreichte ihm einen großen silbernen Pokal, die Religionsschule silberne Leuchter, viele Privaten erwiesen ihre Anerkennung dem Jubilar. Möge diesem noch eine lange Wirksamkeit gewährt sein! Österreichischer Kaiserstaat. Wien, 7. Sept. (Privatmitth.) Bekanntlich hat der Reichsrath das Mühlfeld'sche Religionsgesetz abgelehnt u. lieber das Ehe- Schul- und interconfessionelle Gesetz votirt, weil er glaubte, in solcher Weise den Frieden mit dem Clerus erhalten zu können. Wie männiglich bekannt, hat jedoch die Botirung und später die Sanctionirung dieser Gesetze einen derartigen Sturm unter dem Epikopate hervorgerufen, der nicht hätte größer sein können, wenn das Mühlfeld'sche Religionsedict angenommen worden wäre. Statt ganze Maßregeln zu ergreifen, hat der Reichsrath aus dem angeführten Grunde da und dort nur Halbes gethan, das, wie jedes Halbe aber nicht gut ist. So hat man die Geburts-, Trauungs- und Sterberegister nach wie vor den Geistlichen überlassen, statt Civilregister einzuführen, und hat blos die Concession der Nothcivilehe gemacht. Um religiöse Conflikte zu vermeiden, müssen aber Civilregister eingeführt werden. Wir begreifen es sehr gut, daß der Rabbiner oder Prediger sich 'weigern wird, einen neugebornen Knaben, der nicht beschnitten wurde, in die Geburtsmatrikel einzutragen, aber was dann? — Wahrlich, es fällt mir nicht im entferntesten ein, Propaganda für Nichtbeschneidung zu machen, aber sonderbar ist es, daß wir Juden höchst liberal sind, wenn es sich darum handelt, daß andere Confessionen Concessionen auf religiösem Gebiete machen sollen, doch wo im Namen der Zeit an uns derartige Forderungen gestellt werden, dann sind wir es, die da sagen: blau possuwus. Die katholische Kirche 797 wird nicht zu Grunde gehen, wenn das Concordat gänzlich aufgehoben sein wird, und auch dann nicht, wenn die Beschlüsse des Tridentiner Concils aufgehoben werden, und wahrlich das Judenthum wird nicht gefährdet, wenn der eine oder der andere Vater seinen Sohn nicht wird beschneiden lassen. Die Erfahrung hat es sattsam gelehrt, daß in denjenigen Ländern, wo der Staat sich eben nicht mit den religiösen Interessen identisicirt, diese dadurch keinen Abbruch erleiden. Die Juden in Nordamerika, Frankreich rc. sind im Ganzen ebenso religiös wie die Juden in Oesterreich, ich glaube sogar, sie sind es in noch höherem Grade. Wir Juden haben es bisher geliebt, uns dessen zu rühmen, daß wir, wenn auch nach Außen geknechtet, doch nach Innen frei sind und daß Dinge, wie das Concordat, der Syllabus, die letzte päpstliche Allocution bei uns nicht Vorkommen könnten. Wir werden jetzt, wo die Ketten gefallen sind, den Beweis dafür zu liefern haben. Während ich dieses schreibe, kommt mir durch die Güte eines Freundes eine Nr. des Hamagid zu, in welcher sich der Redakteur in sehr despectirlicher Weise über die letzte Rabbinerversammlung ausspricht. Ich gestehe aufrichtig, ich war nicht wenig erstaunt über diese Auslassungen. Soll es wirklich verboten sein, religiöse Fragen zu discuriren? und mehr ist noch nicht geschehen. Das Hinschießen ist den Herren recht, da wird Jahr aus, Jahr ein gegen den Papst und den Clerus wegen des Syllabus Opposition gemacht; — doch das Herschießen — wenn man sich anschickt, eine jüdisch-religiöse Frage zu discutiren — das ist sehr eklig. So verstehen die Herren die Freiheit. Pest, im August. (Privatmitth.) Bor uns liegen mehrere Broschüren, die im Interesse der jüdischen Geschichte Ungarns in diesen Blättern registrirt zu werden verdienen: 1. Zum Congreß von Di. I. Hildesheimer. Prag 1868. Die Schrift verthcidigt mit Wärme die Interessen des Lehrer- und Rabbinerstandcs und giebt ausführlich die 3 Statuten der Vertrauensmänner. 2. Worte des Friedens von Ignatz Friedlieber. Prag 1868. Das Büchlein ergreift mit Wärme Partei für die Gründung des Seminars und bekundet den genialen Verfasser, der dadurch, daß er als Sohn eines orthodoxen Conferenzmit-