Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1868)
- Date
- 1868-09-29
- Page
- Seite 796 (sequence 6)
- Language
- German
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tat sowohl hiesigen, als auch auswärtigen Waisenknaben die gleiche Berücksichtigung werden soll, so daß diese Anstalt zu einem Central -Institut für israel. Waisenknaben in Bayern erhoben ist. Das frühere, seit der Gründung benützte Lokal hatte bezüglich seiner Lage und Räumlichkeiten viele Mängel aufzuweisen und fehlte bei demselben die zu den unumgänglich nöthigsten Dingen einer solchen Anstalt gehörige reine frische Luft, sowie Hof und Garten. Es wurde aus sehr gewichtigen Sanitätsrücksichten der sehr zeitgemäße Beschluß gefaßt, einen in gesunder Lage gelegenen Platz zum Bau eines Hauses zu acquiriren, und für die Summe von 6,500 fl. wurde ein solcher erstanden. Der Bau wurde bereits über 5/4 Jahre in Angriff genommen und unter der umsichtigen Leitung des sehr tüchtigen städtischen Bauraths, Herrn Friedreich, geführt. Der Besorgung aller übrigen, den Bau der Anstalt betreffenden Angelegenheiten — und es waren deren nicht wenige — der inneren Einrichtung rc. unterzog sich die aus den würdigsten Vertretern der hiesigen Gemeinde bestehende Administration und ihr derzeitiger Secretär. Mit Freude und Aufopferung trugen sie Sorge für die Wohlfahrt der Anstalt. Erfüllt von der Größe und Weihe ihrer Aufgabe, bethätigten sie im Geiste der Zeit einen regen Sinn für das Schöne und Erhabene, sowie für das Nützliche und Wohlthätige, indem sie so für die Verbesserung des Instituts sorgten. Ein wahrer Wetteifer herrschte in der Durchführung der auf den Bau bezüglichen Dinge und halten wir uns verpflichtet, diesen wackern uneigennützigen Männern für ihre äußerst rührige Thätigkeit den wärmsten Dank in diesen geschätzten Blättern, wo alles rühmliche Streben Anerkennung findet, öffentlich auszusprcchen. Die Synagoge selbst umfaßt 58 Männer- und 56 Frauensitze, ist in ihrem Innern stattlich ausgegcrüstet und durch 72 Gasflammen erleuchtet; wir waren bei der Einweihung anwesend und können sagen, daß das Auge im Lichtmeere dieser prachtvollen Beleuchtung wonnig schwimmt. Auch durch zwei neue Paroches ist die Synagoge geziert, wovon das eine von einem edlen Menschenfreunde, Herrn Bärmann, gestiftet, das andre von Herrn Max Naumburger, durch eine persönlich vorgenommene Collecte aufgebracht wurde, von welchem Herrn hervorgehoben zu werden verdient, daß derselbe schon mehrere Jahre unentgeltlich beu Vorsängerdienst an der Synagoge :e-Sr'S versieht und hierdurch der Anstalt eine jährliche Ausgabe von mindestens 100 fl. erspart, sonach das meist contribuirende aller Mitglieder ist, was namentlich in Berücksichtigung seiner Berufsgeschäfte Anerkennung verdient. So möge nun dieses Waisenhaus, das nunmehr 105 Jahre segensreich besteht, die einzige derartige Anstalt in Bayern, die älteste in Deutschland ist, ferner eine Stätte jüdischer Liebe und Barmherzigkeit sein. Viele Kinder, welche sich in der Anstalt befinden, sind ihrem traurigen Schicksale entrissen und werden einer besseren Zukunft entgegengeführt, viele Verlassene aber harren noch an der Pforte des Hauses, und wie schmerzlich es ist, Bittgesuche armer Wittwen, eingereicht für ihre verwaisten Kleinen, Bittgesuche zuweilen ftir doppelt verwaiste Knaben abschläglich bescheiden zu müssen, bedarf wohl keiner Schilderung. Desto dringender bedarf daher dieses Institut, ein in seiner Sphäre zur Veredlung des Menschengeschlechtes beitragendes, des allseitigen Zusammenwirkens sowohl durch zahlreichen neuen Beitritt als durch sonstige freiwillige Beiträge, wenn dasselbe auch ferner zum Wohle Vieler, den Anforderungen der Zeit entsprechend, wirken soll. Und Israel, das sich von jeher durch Wohlthätigkeit ausgezeichnet, das diese Nationaltugend beständig ausübt, wird diesen edlen Sinn auch ferner, und namentlich zu Gunsten dieser trefflichen Anstalt bewähren! Sigmund Heumann. Rachtig an der Mosel, Regierungs-Bezirk Trier, 30. August. (Privatmitth.) Am Freitag und Sabbath 'e, den 28. und 29. d. M., fand hier die Einweihung einer neuen Synagoge durch den Oberrabbincr Herrn Kahn aus Trier auf eine sehr würdige und feierliche Weise Statt. Seine drei Vorträge, Abschiedsrede in der alten, Weiherede am Freitag Nachmittag und Predigt am Sabbath Vormittag in der neuen Synagoge machten den besten Eindruck auf alle Anwesenden. Den übrigen Theil des Gottesdienstes führte Herr Kaufmann Müller aus Wittlich auf sehr schöne und allgemein befriedigende Weise aus. Der Herr Bürgermeister aus Zellingen hielt bei Uebergabe des Schlüssels an den Herrn Oberrabbiner eine sehr begeisternde Ansprache, in welcher er die Opferwilligkeit der nur wenigen Mitglieder — 10 — die nicht einmal sehr bemittelt sind, hervorhob und