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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-22 · Heft 39 (22.9.1868) · p. Seite 788

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 39 (22.9.1868)
Date
1868-09-22
Page
Seite 788 (sequence 16)
Language
German
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gerieth außer sich vor Wuth. Man verfluchte Mendes als seinen Mörder; der Grimm zerbrach selbst die alte Scheu mnd ZMcht vor dsr Dbrigkeit, welche sich zum Werkzeug des grausamen Generalpächters gemacht; man dürstete nach Rache und wollte nicht zögern, sie zu üben. Die Söhne des Müllers zogen durch das Land, regten die Unzufriedenheit des Volkes zur Hellen Flamme an, und brachten so einen Hausen Bauern und Fischer zusammen, welche zu diesem mächtigen Zuge sich verbanden, um, wie sie sagten, den Mörder todtzuschlagen, sein Haus niederzubrenneu und die Regierung zu zwingen, wieder zu den alten Wegen zurückzukehren. Den meisten schwebte wohl dabei der Gedanke an reiche Beute vor, und jeder gedachte, so schnell wie möglich zuzugreifen und das Gewonnene vor seinen Genossen in Sicherheit zu bringen. Eine Todesangst überfiel Raphael, und aus ihm rang sich sofort der Entschluß herauf, den Bedroheten zu retten, was es auch kosten möge. Verschwunden war aus seiner Seele jede Erinnerung an die Hoffahrt und die kränkende Behandlung, die Mendes sich gegen ihn erlaubt; war er doch der Vater der angebeteten Ines, die ihre innigen Gefühle ihm nicht verhehlt hatte. Hier aber durfte kein Augenblick verloren werden. Mendes mußte noch vor der Ankunft des Haufens von Dessen bösen Absichten unterrichtet und aus seinem Hause entfernt werden. Die Bauern mußten wohl wissen, daß seit einigen Tagen die schwedischen Dragoner das Städtchen verlassen hatten, weil ein königlicher Prinz in Stralsund angelangt war und die Truppen eine Revue passiven lassen wollte. Von den Bürgern erwarteten sie keinen Widerstand. Raphael entwarf seinen Plan mit der Schnelligkeit des Blitzes. Der Haufe mußte bald zu einer Stelle gelangen, wo links von der Landstraße ein schmaler zwischen Hecken laufender Fußweg abging, der schneller zum Städtchen führte, den aber die Bauern nicht einschlagen konnten, weil er kaum zwei Männern neben einander Raum ließ. Raphael suchte unter die letzten der Schaar zu kommen, sich nach der linken Seite hin zu bewegen, um unvermerkt in den Fußweg einlenken zu können. Es glückte ihm, doch nicht so, daß die letzten der Bauern nicht die Entfernung eines Mannes hätten bemerken sollen. Sie schrien dem Haufen Halt zu, es habe sich einer entfernt und den Fußweg eingeschlagen, man solle warten, es müsse ein Verräther sein, sie wollten ihm nachlaufen und ihn zurückbringen. Alsbald thaten das zwei oder drei. Aber Raphael, der sich zuerst langsam fortbewegte, um nicht Verdacht zu erregen, vernahm sofort die Schritte der Nacheilenden, schwang sich über die Hecke und verbarg sich hinter derselben. Die Verfolger liefen denn auch glücklich vor der Stelle vorüber, und nachdem sie einige Minuten fortgeeilt waren und weder jemanden sahen noch seine Schritte hörten, kamen sie zu dem Glauben, daß sie sich doch geirrt, und kehrten wieder um. Der Haufe setzte sich wieder in Bewegung, aber auch Raphael eilte nunmehr wieder auf Flügeln des Windes von tödtlicher Angst getrieben, der Stadt zu und konnte so auf einen beträchtlichen Vorsprung rechnen. Er gelangte an das Haus des Senor Mendes. Die ganze Stadt lag in den Armen des Schlafes, und kaum zwei oder drei Lichtlein flimmerten in Wohnungen, wo Schwerkranke darniederlagen. Es war alles still, so unheimlich still, während doch der Wind über die Dächer der Häuser fuhr und ein wuthschnaubender Menschenknäul mit Mord und Brand der Stadt zueilte. Raphael schlug mit aller Kraft an die Thüre des Hauses. Einige Minuten däuchten ihm eine Ewigkeit, und er Donnerte noch einmal gegen die Pforte. Jetzt stürzte aber auch schon ein alter Diener der Thüre zu, und das ganze Haus schien in Bewegung zu kommen. Der Diener rief voll Entsetzens: „Wer ist da? Was geht hier vor?" und erhielt die Antwort: „Um Gottes Willen macht auf, ich bin es, Raphael Hirsch!" Der Diener öffnete. „Weckt sofort Senor Mendes und die Senorita! Es darf kein Augenblick verloren werden, es ist große Gefahr .. Aber da stand der Senor Mendes, nothdürftig bekleidet, schon vor ihm, ein Licht in der Hand. Trotz seines Schreckens erschien er besonnen und gefaßt: „Was habt Ihr, Herr? was wollt Ihr? was wagt Ihr? ..." „Senor Mendes, macht, daß Ihr das Haus verlasset, Ihr und Eure Tochter und Eure Leute! Es sind Euch nur wenige Minuten gestattet. Der Müller ist in der Strafanstalt gestorben, seine Söhne haben das Volk aufgestachelt, und in einer Viertelstunde wird ein großer Haufe hier sein, der Euch tödten und Euer Haus niederbrennen will . . . Die Dragoner sind fort, Ihr wißt es, ich will Euch retten, aber Ihr dürft keinen Augenblick zögern." Mendes war noch bleicher geworden, der Leuchter zitterte in seiner Hand. Unterdeß war auch Ines in der Hausflur erschienen, und die Leute des Senor hatten sich da versammelt. Sie hatten die Worte Raphaels gehört und begannen zu jammern und zu schreien. Raphael gebot Ruhe, denn jedes Lärmen könnte sie verrathen. Ines ergriff den Arm des jungen Mannes und rief: „O retten Sie meinen Vater, Raphael, Sie sprechen immer die Wahrheit, es ist entsetzlich, retten Sie meinen Vater!" Mendes vermochte keinen Laut hervorzubringen. „Schnell, raffen Sie Ihre Kostbarkeiten zusammen, nur das Allerbedeutendste nehmen Sie, und folgen Sie mir. Ihr aber, Leute," rief er diesen zu, „folgt mir nicht, denn eine zu große Menge könnte den Weg verrathen, den wir nehmen. Ihr eilt nach der Südseite der Stadt, wo die Scheunen sind und verbergt Euch da, so gut Ihr könnt. Euch sucht Niemand. Die Herrschaft jener Bande in der Stadt kann nicht lange währen!" Alle schickten sich an, den Befehlen des jungen Mannes Folge zu leisten, und Mendes winkte ihn in sein Zimmer, wo er ihm einen großen Kasten mit seinen Papieren übergab und selbst nach einem kleineren Kästchen, mit Edelsteinen

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