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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-22 · Heft 39 (22.9.1868) · p. Seite 787

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 39 (22.9.1868)
Date
1868-09-22
Page
Seite 787 (sequence 15)
Language
German
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Zeitung des Zudcnthums. Frmlleton-Lkiluge;» Ar. 39. Leipzig, den 22. September. 1868. Die Bervsteinküste. (Fortsetzung.) 7. Es war eine dunkle stürmische Septembernacht. Der Himmel war von schweren Wolken überzogen, welche vor den Stößen des Windes träge dahin fuhren und sich immer dichter zusammenballten. Mitternacht nahete, und die Finsterniß war vollständig. Ein einsamer Wanderer schritt die Landstraße hin, welche von N. nach unserem Städtchen führte, und am Rande eines dichten Föhrenwaldes hinlief. Es war Raphael Hirsch, der nach einem sehr beschwerlichen Tage von dem Besuche mehrerer Dörfer zurückkehrte, und den ein Geschäft mit einem Bauer, welcher nach Art dieser Leute sehr schwer zu einem Entschlüsse kommen konnte, bis in die Nacht aufgehalten hatte. Er schritt langsam, denn er hatte mit dem Winde zu kämpfen, der durch die Wipfel der Kiefern rasselte, und von desien Stärke das Knicken und Brechen von Zweigen, sa der Sturz manches alten, bereits absterbenden Stammes zeugte. In seinem Gemüthe lag eine schwere Traurigkeit, welche selbst die Befriedigung günstig abgewickelter Geschäfte nicht zu zerstreuen vermochte. Die zurückstvßende Behandlung seitens des Vaters jenes Wesens, welches er über Alles liebte und mit dem ihn die Stunde der Gefahr so unauflöslich vereinigt hatte, hatte ihn tief betrübt, und das völlige Schweigen, welches für ihn aus jenem Hause herrschte, rief eine Bitterkeit hervor, welche dem unbefangenen und treuen Herzen des jungen Mannes sonst so fern gelegen. Da gedachte er seiner harrenden Eltern, der liebevollen Mutter, welche die Besorgniß um ihr einziges Kind in der dunkeln stürmischen Nacht nicht würde schlafen lasten, und begann seine Schritte zu fördern. Plötzlich, in einer Pause, welche das Brausen des Windes hatte eintreten lasten, wie um sich zu einem neuen stärkeren Stoße vorzubereiten, vernahm er eigenthümliches Geräusch aus der Gegend, von der er kam. Es war wie ein Murmeln vieler Stimmen, die leise mit einander sprachen, und das Geräusch der Schritte eines Haufens Menschen, der auf der Landstraße sich fortbewegte. Er horchte; es kam näher; er konnte nicht mehr zweifeln. Was hatte diese ungewöhnliche Erscheinung zu bedeuten, in einer Gegend, wo eine Versammlung von Menschen überhaupt ungewöhnlich, um die Nachtzeit unerhört war? Es überkam unfern Raphael eine düstere Ahnung. Er mußte wissen, wer dies sei, und wozu? Schnell entschlossen, sprang er über den schmalen Graben und stellte sich so in den Schatten der ersten Bäume, daß er alles bemerken konnte, was vorüber kam, ohne selbst gesehen zu werden. Er brauchte nicht lange zu harren. Ein dunkler Haufe von Männern nahte sich, die ungeordnet, aber ziemlich dicht gedrängt vorwärts schritten. Wer waren sie? Er konnte Niemand erkennen. Ihre Kleidung war dunkel, und selbst die Gesichter nicht zu unterscheiden. War es die Dunkelheit der Nacht? oder hatten sie sich das Gesicht geschwärzt, um in ihrem heimlichen Anschläge nicht erkannt zu werden? Doch ja, eine Gestalt sah er, die dicht an seinem Standpunkte vorüberkam, die er nicht verkennen konnte, sie war unter den ersten, trug einen Korb auf dem Rücken und einen mächtigen Knotenstock in der Hand. Es war der Müller-Hans. Die Ahnung ward ihm zur Gewißheit. Das Herz zog sich ihm krampfhaft zusammen. Er mußte sich Licht verschaffen über dieses nächtliche Unternehmen. Als die letzten des Haufens schon nahe waren, löste er sich leise vom Saume des Waldes ab, glitt leise über den Graben und mischte sich unvermerkt unter die Leute. Er hatte den tief Hut heruntergedrückt, den Kragen seines Mantels heraufgezogen, so daß man auch von ihm nichts als die blitzenden Augen gewahren konnte. Er legte seinen Wanderstab über die Schulter, denn er bemerkte, daß sie alle nach ihrer Art bewaffnet waren mit alten Schwertern, Dreschflegeln, Heugabeln und Knotenstöcken; auch hatten die meisten ihre Röcke umgewendet angezogen, um sich ganz unkenntlich zu machen. Er schritt mit ihnen voran, wie sie unter einander laufend vorwärts drangen, und horchte nach allen Seiten auf das Gespräch der Männer. Es wurde ihm bald alles klar. In der Mühle war die Nachricht eingelaufen, daß der Müller im Zuchthause gestorben sei. Man vergaß, daß dies bei dem alten Säufer gar nichts Auffälliges sei; man schrieb seinen Tod dem Gefühl der Schmach über seine Strafe und der schlechten Behandlung der Gefangenen zu, und

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