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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-22 · Heft 39 (22.9.1868) · p. Seite 781

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 39 (22.9.1868)
Date
1868-09-22
Page
Seite 781 (sequence 9)
Language
German
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Chicago, 8. Äug. Der jüdische Orden der „B'ne B'rith" in den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat einen solchen Umfang und eine solche Bedeutung erlangt, daß eine speziellere Mittheilung über denselben in diesem Blatte nicht mehr fehlen darf. Die „Jllinois-Staats-Zeitung" enthält eine bündige Auseinandersetzung, und wir bedienen uns daher derselben. Die Ende des vorigen Monats in New-Dort abgehaltene Generalconvcntion des Ordens der B'ne B'rith hat in weiten Kreisen Aufmerksamkeit erregt und die Augen des Landes auf die genannte Genossenschaft gelenkt. Es mag daher zeitgemäß sein, wenn wir den Lesern dieser Blätter hier solche Mitheilungen machen, die für sie von Interesse sein dürften. Geschichtliches. Ende der dreißiger und anfangs der vierziger Jahre kam es zuweilen vor, daß Juden, die um Aufnahme in die Gesellschaft der Freimauer, der Odd Fellows rc. nachsuchten, blos deshalb zurückgewiesen wurden, weil sie dem jüdischen Stamme und dem jüdischen Bekenntnisse angehörten. Ist ja selbst heute noch nicht das sinnlose Vorurtheil gegen die Juden gänzlich geschwunden, und macht cs sich selbst in unseren Vereinigten Staaten heute noch hie und da geltend! Mag inan immerhin gegen die geheimen Gesellschaften der Maurer rc. seine guten Gründe haben, so viel muß zugegeben werden, daß sie humanisirend auf die ihnen Angehörigen wirken, daß sie zum wenigsten so wirken wollen und wirken können. Das sahen denn auch prominente Israeliten der Stadt New-Iork ein, denen die Hebung ihrer eingewanderten Stammesbrüder am Herzen lag, und da so Bielen derselben der Zutritt zu den bereits vorhandenen Orden verwehrt wurde, so gründete man nach dem Vorbild der in Amerika so sehr in Blüthe stehenden geheimen Wvhlthätigkeitsgesellschaften im November 1843 den Unabhängigen Orden der B'ne B'rith (der Söhne des Bundes). Zur ersten Loge gesellten sich nach und nach andere. Zuerst langsam, später rascher, wuchs der Orden an Logen- und Mitgliederzahl. Gegenwärtig umfaßt er 112 Logen und mehr als zwölftauscnd Mitglieder. Vom atlantischen bis zum stillen Meere, von den kanadischen See'n bis zum Golf von Mexico sind nun Logen anzutreffen, Pflanzstätten des humanen Sinnes und humanen Lebens im Geiste der jüdischen Lehre. (Wir wollen aber hier in Parenthese beisetzen, daß „Humanität im Geist der jüdischen Lehre" eigentlich eine Tautologie in sich schließt. „Geist der jüdischen Lehre" ist Humanität, und schließt alles Exclusive aus.) Nachdem einmal eine Anzahl Logen vorhanden waren, so errichtete man mehrere „Distriktsgroßlogen" und als Ccntralbchörde eine „Constitutionsgroßloge". In der neulichen Convention wurde für die Distrikt- Großloge No. 6, die in Chicago ihren Sitz haben wird, ein Charter bewilligt und wurden diesem Distrikt die Logen in Illinois, Wiskonsin, Iowa und Minnesota zugethcilt. Zwecke des Ordens. Allerdings besteht der Ordenszweck theilweise darin, zunächst den Ordensangehörigen in Zeiten der Roth und eventuell den Wittwen und Waisen derselben wirksame Hilfe zu gewähren; und dann auch in weiteren Kreisen aufdem Gebiete der Wohlthätigkeit wirksam zu sein. Der Orden hat auch in dieser Beziehung geiviß gut gewirkt, und als eine der größeren Thaten desselben sei hier auf das Waisenhaus in Cleveland hingewiesen, das durch die vereinten Bemühungen der westlichen Logen ins Leben gerufen worden, und das am 14. v. Manats feierlich eingciveiht wurde. Aber die Einsicbti-- gern legen doch weit mehr Bedeutung auf einen andern Punkt, der, wenn man den Begriff der Wohlthätigkeit weiter faßt, allerdings auch unter diesen Begriff sich subsummiren läßt: auf geistige und sittliche Hebung der Ordcnsgenossen. „Wenn dein Bruder verarmt, so sollst du ihm aufhelfen", sagt die Bibel. Ach, so Biele sind von Natur arm an geistigen Schätzen und an moralischem Kapitale, oder sie verarmen in den Kämpfen des Lebens an solchen Besitzthümern, und sie sind oder werden dadurch so unselig. Denn „unselig sind die geistig (und sittlich) Armen, und ihrer ist nicht das Himmelreich". So lehrt das wohlverstandene, im Leben und für das Leben wirkende Judcnthum, im Gegensatz zu einer trüben, resignirten, auf rüstiges und freudiges Vorwärtsstreben verzichtenden nazarcnischcn Weltanschauung. Da will nun die B'ne B'rith sich nennende Genossenschaft den geistig Armen Stab und Sporn sein, ein Stab, daß sie nicht sinken, ein Sporn, daß sie vorwärts, aufwärts streben. Wandern auch viele in den Thalcrn, und werden auch Biele nicht zu besonders hohen Standpunkten gelangen können, so wird der wahrhafte Philanthrop, der großherzig Mitwirken ivitt an der Hebung seiner Ncbenmenschen, doch immer Sorge tragen, daß mindestens der Blick derselben stets nach den Gipfeln 39»

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