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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-22 · Heft 39 (22.9.1868) · p. Seite 780

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 39 (22.9.1868)
Date
1868-09-22
Page
Seite 780 (sequence 8)
Language
German
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780 Praxis seiner Ansicht folgen, so würde doch kein zukünftiger Justizminister darauf beharren können. Italien. Florenz, im August. (Privatmitth.) Die Commission, welche der Congreß der israelitischen Gemeinden in Florenz zur Ausführung seiner Beschlüsse eingesetzt hatte, macht lobenswerthe Anstrengungen, um das in seiner Existenz so schwer gefährdete Rabbinerseminar in Padua zu erhalten. Der Vorschlag einer allgemeinen, ziemlich hohen Selbstbesteuerung der italienischen Gemeinden zu dem Zwecke das genannte Institut den Forderungen der Zeit gemäß auszustatten, hatte leider auf dem Congresse die erforderliche Mehrheit nicht erhalten. Die Exekutivcommission macht nun in einem Rundschreiben an die dem Congresse beigetretenen Gemeinden neue Vorschläge zur Erhaltung des so verdienstvollen und gut eingerichteten Seminars, dessen Untergang ein großer Schade und zugleich eine Schmach für die italienischen Israeliten wäre. Sie will nun die jährlichen Kosten des Seminars auf die höchst bescheidene Summe von 8,700 Lire zurückführcn — freilich die äußerste Grenze, bis zu welcher man in der Sparsamkeit, ja im Geize gehen kann. Die Gemeinden Venctiens und Mantua haben sich bereit erklärt, 4000 Lire hiervon auf sich zu nehmen, und es bleiben so für die übrigen Gemeinden ganz Italiens nur noch 4,700 Lire zu decken übrig. Die zehn großen Gemeinden, die sich außerhalb Venctiens dem Congresse angcschlossen haben und 9,700 Seelen umfassen, wären sicherlich schon allein im Stande, die obige verhältnißmäßig geringe Summe aufzubringen, da auf jeden Kopf nicht einmal eine halbe Lira käme. — Das Rundschreiben verlangt übrigens ferner die Verbreitung guter israelitischer Bücher, zu welchem Zwecke es von den zwölf betreffenden Gemeinden 2,500 Lire fordert. (Wir können nicht umhin, unsere Verwunderung und Betrübniß über diese Vorgänge in Italien auszudrücken, wo man für ein Institut, dessen Nothwendigkeit und Verdienste tnan anerkennt, eine so kleine Summe von jährlich 2000 Thalern nicht ausbringen kann! Unter der Fremdherrschaft erhielten die lombardisch - venetianischen Gemeinden allein das Rabbinerseminar in viel größerer Opulenz, und die Freiheit und Unabhängigkeit, sowie die Vereinigung von ganz Italien (mit Ausschluß Roms) sollen die Auflösung des Seminars bringen! An Mitteln fehlt es den italienischen Juden gewiß nicht. Red.) Mantua, im August. (Privatmitth.) Von der Zerrüttung, welche sich bereits in manchen italienischen Gemeinden bemerkbar macht, geben die Vorgänge in Mantua ein eigenthümliches und nach vielen Seiten hin wenig tröstliches Bild. Die Gemeinde Mantua hat in einer, am 22. December v. I. gehaltenen Versammlung einstimmig beschlossen sich aufzulösen und dafür einen „Freiwilligen Verein der Bekenner des israel. Cultus in Mantua für die Kosten des Cultus, den religiösen Unterricht und der Wohlthätigkeit" zu begründen. Das Comite, das zur Entwerfung des Statuts eingesetzt worden ist, hat nunmehr seinen Bericht erstattet. Die neue Gemeinde soll — auf Aktien gegründet werden. 900 Aktien, auf welche drei Jahre lang zehn Lire einzuzahlen sind, sollen ausgegebeu werden. Wer keine Aktie nimmt, ist nicht Gemeindemitglied. Es kann aber der Einzelne mehrere Aktien nehmen, und je mehr er davon kauft, desto mehr Stimmen hat er in der Gemeindeversammlung.*) Diese Einführung einer rücksichts- und man kann sagen schamlosen Geldherrschaft ist wohl etwas noch nie Dagewesenes in Israel: eine Schande nach Innen und eine Schande nach Außen. Erwähnt mag noch werden, daß der neue Verein von der bisherigen Gemeinde einen Aktivbesitz von 1782 Lire jährlichen Einkommens übernehmen würde. Das israel. Hospital soll gänzlich von dem Vereine gesondert bleiben. Amerika. Cleveland, Ohio, 14. Juli? (Jewish Sentinel) Heute wurde in hiesiger Stadt ein großes israelitisches Waisenhaus eingeweiht. Es ist vier Stock hoch und zählt 70 Zimmer mit Einschluß der Schulsäle, der Kapelle und Amtswohnungen. An der Einweihungsfeier betheiligten sich der Bürgermeister und zahlreiche Mitglieder des Gemeinderaths der Stadt Cleveland. Eine der Directricen der Anstalt, Frau Morris Nathan, hat derselben bereits einen Diamantring im Werthe von 600 Dollars zum Geschenke gemacht. *) Wer 1 bis 5 Aktien nimmt, hat eine Stimme; wer 6 bis 15 Aktien, hat zwei; 16 bis 30, drei; 31 bis 50, vier; über 50, fünf Stimmen. ri dilLiiMMW

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