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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-15 · Heft 38 (15.9.1868) · p. Seite 762

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 38 (15.9.1868)
Date
1868-09-15
Page
Seite 762 (sequence 12)
Language
German
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762 Abhandlung über die Augenentzündung der Neugeborenen heraus. Ebenso erschien vom Primarärzte vr. Adolf Hermann daselbst ein medicinisch-chirurgisches Werk unter dem Titel: „Klinische Beiträge." Dasselbe findet, wie die Tagesblätter berichten, in Fachkreisen schmeichelhafte Aufnahme. Unseres berühmten Landsmannes Horn neueste Brochüre über die Finanzen Frankreichs, die der Opposition als Basis aller Zahlenangaben dient, ist bei Hartleben in Pest unter dem Titel: „Die dritte Milliarde" erschienen. — Die Sensation erregende Brochüre des berühmten ungarischen Historiografen Bischofs Mich. Horvath gegen Ludwig Koffuth erschien neulich in einer gediegenen deutschen Uebersetzung, welche unser Glaubensgenosse, der Aesthetiker Adolf Dux in Pest besorgte. Der Componist Julius Sulzer, Sohn des Obercantors in Wien, war vor kurzem in Pest, um mit der Generalintendanz des dortigen Nationaltheaters bezüglich seiner Oper „Johanna v. Neapel" (der ein ungarisches Sujet zu Grunde liegt) in Unterhandlung zu treten. Die Intendanz kaufte auch wirklich die Partitur dieser Oper an und bestimmte sie zur Aufführung für die nächste Wintersaison. 8. Jüdische Wohlthätigkeitsacte. Herr Philipp Schey, Ritter v. Koromla, hat aus Anlaß der Geburt der durchlauchtigsten Erzherzogin Marie Valerie zur Gründung einer Kleinkinderbewahranstalt in der k. Freistadt Güns ein Kapital von 10,000 fl. in 5pCt. österr. Staatspapieren sammt einem Haus und Garten gewidmet. Ihre Majestät die Kaiserin-Königin haben allergnädigst zu gestatten geruht, daß diese zur Aufnahme von Kindern ohne Unterschied der Confession gegründete Humanitätsanstalt den Namen Elisabethin um führen dürfe, und für diesen Act nachahmungswürdiger Menschenfreundlichkeit dem edlen Stifter die ganz besondere Allerhöchste Anerkennung ausdrücken lassen. Dieser Philanthrop hat außerdem früher, ebenfalls in Guns, ein Bersorgungshaus für arbeitsunfähige Greise ohne Unterschied der Confession sowie ein Gotteshaus und eine Schule für die dortige israelitische Gemeinde erbaut. Für das Waisenhaus des Pester allgemeinen ihr. Kranken- und Leichenvereins sind seit meinem jüngsten Berichte neuerdings 749 fl. an Spenden eingelaufen. Vom 1. Januar bis 22. Juni l. I. gingen für den Pester israelitischen Handwerker- und Ackerbauvereinl 231 fl. 40 kr. und 7 St. Dukaten an Spenden ein. Herr Ignaz Widder, Grundbesitzer in Ban6cz, übergab dem lutherischen Pfarrer seines bisherigen Wohnortes eine beträchtliche Summe für mittellose Wittwen I christlichen Glaubens daselbst und vertheilte vor seiner Uebersiedelung eine namhafte Summe an dortige Ortsarme. 9. Jüdisches Vereinswesen. Der ultramontane „Schomre Hadath“s33emn iGlaubenswächter) gewinnt, nach den Berichten des publicistischen Vereinsorgans „Magyar Zsidö“ zu schließen, immer mehr Verbreitung. Haben wir ja leider im ungarischen Israel der Finsterlinge so viele. Der genannte Verein wird durch ein aus 21 Mitgliedern bestehendes Centralcomitch das seinen Sitz in Pest hat, geleitet. In allen religiösen Angelegenheiten hat ein aus fünf auf Lebensdauer gewählten Rabbinen bestehendes Collegium entscheidende Weisungen zu ertheilen. In Zukunft ergänzt sich dieses Collegium beim Ausscheiden eines seiner Rabbinen durch Abstimmung seitens der noch übrigen Mitglieder. Zur Paralysirung des obgenannten Vereines der Obscuranten projectirt Oberrabbiner Fasse! in Großkanizsa einen Verein zur Fortbildung des Judenthums. Zu. diesem Behufe erließ er im Juni einen Aufruf an seine Glaubens- und Gesinnungsgenossen. In demselben heißt es: „Jene, welche gerne wieder das Judenthum in die alte Finsterniß stürzen möchten, regen sich gewaltig, machen Vereine, schicken Emissäre aus, für solche zu werben, und wird diesem schädlichen Treiben kein Damm entgegengesetzt, so stehen wir allerdings ’m Gefahr, daß alle errungenen Institute und Verbesserungen zerstört werden, und das Judenthum, statt fortzuschreiten, Rückschritte machen wird." Die Aufgabe dieses Gegenvereins, benannt „MaeÜ8ik6 hadatlr4 sei, jenem finstern, für das Judenthum schädlichen Treiben der sogenannten „Orthodoxen" entgegenzuwirken. Hierauf fordert Se. Ehrwürden die Mitglieder seiner Gemeinde auf, durch Beitritt diesen Verein ins Leben zu rufen und zur Verbreitung desselben das Möglichste beizutragen. Die näheren Bestimmungen werden durch ein zu wählendes Comitd festgesetzt werden, vorläufig ist blos das bestimmt: „Wir wollen positives Judenthum, wollen durchaus nicht mit dem alten brechen, sondern wollen jene Fortschritte erstreben, die im Sinne des mosasch-rabbinischen J udenthums zuläffig sind, so daß dieser

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