Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1868)
- Date
- 1868-09-15
- Page
- Seite 760 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Privatmittheilung — aus Wien über eine Berathung des isr. Cultus-Gemeinde-Vorstandes daselbst, das zu errichtende Seminar betreffend. Die jüdische Volkszeitung weiß es besser, und läßt sich aus Wien u. A. schreiben: . Glauben Sie daher nicht den Berichten den Blätter. . . So weit ist es noch nicht. Die Frommen dahier sehen es ebenso wie die Frommen in Ungarn ein, daß nichts dem Judenthnme mehr Schaden bringen würde, als Rabbiner aus solchen Anstalten hervorgegangen, denen bei äußerer Glätte talmudisches Wissen und Frömmigkeit gänzlich fehlt." — Nun stoßen wir auf die Ueberschrift: -p&w n'iso S. Nach dem Vorangeschickten wird wohl Niemand etwas Gründliches hier erwarten; er findet aber noch weniger, als er dennoch erwarten dürfte. Das ganze Machwerk nimmt nicht mehr als den Raum von 1 {k Spalten ein, davon kommt auf die eigentliche Biographie Eine Spalte. ,,Seine Werke über Talmud, Religion, Philosophie und andere Wissenschaften. . . sind meistens im Laufe der Zeit für uns verloren gegangen," voilä tont! betreffs des wissenschaftlichen Inhaltes dieser kuriosen Lebensbeschreibung. Dafür hat man es nicht verschmäht, den Lesern in 8pe ein die letzte halbe Spalte ausfüllendes Mährchen per tonguill et latum aufzutischen, ohne dabei zu bemerken, was davon zu halten sei. Wir lassen es hier als Charakteristikum folgen. „Als Beweis seines Scharfsinnes erzählt man Folgendes. Ein Mann, der in weiter Ferne sein schwangeres Weib zurückließ, kam mit einem reichbeladenen Schiffe an den Ort, wo R. Saadia wohnte, starb daselbst, und dessen Diener, der sich für des Verstorbenen Sohn ausgab, ward Herr aller Schätze. Nach vielen Jahren kommt durch Zufall des Verstorbenen Sohn auf den Betrug, reist zu R. Saadia und beansprucht das Erbe seines Vaters. Niemand wagte sich an den angesehenen ehemaligen Diener, doch R. Saadia wußte Rath. Er befahl beiden zur Ader zu lassen, tauchte einen Knochen des Verstorbenen zuerst in das Blut des ehemaligen Dieners, ohne daß der Knochen Blut einsog, kaum aber kam er in das Blut des Sohnes, da sog es der Knochen in Massen ein, der Betrüger erhielt seine Strafe, und der Sohn das ihm gebührende Erbe, und Alles, selbst der König, war von Bewunderung für R. Saadia hingerissen." 0 sancta simplicitas! — Nun folgt „Wochenschau," dann „Unterhaltungshalle," die in dieser Nummer mit der Rabbi und sein Töchterlein" den Reigen eröffnet. Ein „Allgemeiner Anzeiger" schließt das Blatt. — Dixi et salvavi animam meam! — Frankreich. Paris, im Aug. (Privatmitth.) Zum Nachfolger des zum Großrabbinen des Centralconsistoriums beförderten Herrn Isidor wurde zum Großrabbinen von Paris Hr. Zadok Kahn gewählt, der durch seine Predigten einen großen Eindruck auf seine Zuhörer gemacht. — Ein Umstand, der bis jetzt unerwähnt geblieben, und der doch mehrseits von Bedeutung ist, sei hier erwähnt. Der Vicekönig von Egypten läßt seit einiger Zeit in dem hiesigen Pensionat des Herrn Springer eine Zahl von ungefähr 30 jüd. Knaben aus Egypten auf seine Kosten erziehen, um sie später im Dienste ihres Vaterlandes zu verwenden. Holland. Haag, im Aug. Das jüdisch-holländische Jahrbuch berichtet, daß im Jahr 1860 es in diesem Lande 65,752 Juden gab, im Jahre 1865 aber 68,669, unter denen 3,578 Sephardim. Die allgemeine Bevölkerung Holland's in dem letzteren Jahre betrug 3,529,108 Seelen, so daß also ein Jude auf 52 Einwohner kam. Die Regierung trägt jährlich mit 38,866 Gulden zu den Kosten des jüdischen Cultus bei. In den Colonieu finden sich Juden hauptsächlich in Surinam (693 Deutsche uud 670 Sephardim) und in Cura?ao (1288 Juden). Correspondenz. Monatsberichte aus Ungarn X. Neu-Verbaß, Anfang Juli 1868. (Fortsetzung.) Der zweite intolerante Act erinnert lebhaft an rumänische Zustände. Ein Pester Correspondent des „Wanderer" berichtet nämlich, daß die Pester Stadtrepräsentanz, die schon so viele Beweise ihres borror judaei an den Tag gelegt, in einer ihrer Berathungen des v. M., in der auch die Verpflegung der Sträflinge auf der Tagesordnung stand, eine Offerte, welche die Berps di £ ti s° »: 9 c )