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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-15 · Heft 38 (15.9.1868) · p. Seite 759

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 38 (15.9.1868)
Date
1868-09-15
Page
Seite 759 (sequence 9)
Language
German
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ten *). Unsere Sehnsucht aber, die wahre >Tendei lMen den Gaumen zu kitzeln und den Appetit zu reizen hoffen darf. — In demselben Kapitel (132) Vers 16 singt der Dichter begeistert, den in Rede des Schomre-hadath-Vereins kennen zu lernen, Wir mit einem Male geschwunden, da sich uns glci^ im Probeblatte dessen Pferdefuß im allerschmutzigstönNeglig^ zeigte. —^ In diesem Schmuggelobjekte glaubte der „ReMtcur-Ehrenrath" einem galizisch-jüdischen VorstHer gegenüber die heuchlerische Maske des für die Öffentlichkeit bestimmten Programmes ablegen zu dürfen, und so giebt er in dieser „geheimen Note" sozusagen zwischen vier Augen, „den Grund, der ihn zur Herausgabe dieses Blattes bewogen" in folgender Clausel an: „Ich will, mit einem Worte gesagt, dem leidigen Treiben der Neologen mit aller mir zu Gebote stehenden Kraft entgegentreten, und habe darum auch jüdische Buchstaben gewählt, damit das Blatt jedem zugänglich sei." Das ist deutlich gesprochen, aber pfäffisch und jesuitisch zugleich. In Galizien dürfte diese Leimruthe, keinen Gimpel anlocken. — Der Leser weiß nun genug, und könnten wir füglich schließen, hielten wir es nicht für unsere Referentcnpflicht, auch über den essentiellen Werth dieses orthodoxen Blattes, soviel er aus dem Aushängeschilde der Probenummer erkennbar, zu berichten. Dem Programme schließt sich unmittelbar ein „Leitartikel" an, mit dem Motto: ibs i:d-p “p"PCrn Y'rro rabr: iv->-no) tdvq brrnw' ■’ra'B. Diese sehr dunkle Stelle erklärt der Leitartikelschreiber, indem er zugleich, um mit einer Klappe zwei Fliegen zu treffen, eine „Wundersage" des bekannten n:n *o -in mi einflicht, und nach der in Ungarn noch heute üblichen y"n y"«-Homiletik zu beleuchten versucht, auf folgende remarkable Weise: „Dies ist auch der Sinn des obs: ann. pna naab1 deine falschen Belialspriester , die die Religion nur als Hülle und Deckmantel betrachten, 7i'5n und jubeln: wir sind deine frommen, deine würdigen Diener, mira ib« •sua bN-i-jr, diese sind die Abtrünnigen, die Heuchler." Armer David! in welche Hände sind deine herrlichen Psalmen gerathenl und wie finster muß es noch in mancher ungarischen Gemeinde aussehen, wenn man den Frommen im Lande durch solche exegetische Lecker¬ *) Wir sind daher in der Lage, erforderlichen Falles Beides der geehrten Red. d. Bl. zur beliebigen Einstchtsnahme für Jedermann einzusenden. steheüden Vers 9 paraphrasirend: rar urab« nrnai nsjv ir nrom „ und ihre Priester will ich kleiden nK Heil und ihre Frommen sollen laut aufjubeln!" und darunter wären die falschen Priester, die Heuchler zu verstehen? Welch' eine Blasphemie! welch' eine Entweihung des Heiligsten! Aber, was kümmert das diese Frommen; „der Zweck heiligt das Mittel" ist ja auch ihre Devise, und aä majorem dei glomm sind sie es noch heute gewohnt, einen Ele- MinM durch ein Nadelöhr zwängen zu wollen. — llin^illae lacrymae! Daher die erheuchelte, fromme Scheu gegen jede wie immer geartete zeitgemäße Rabbiner- und Lehrer-Bildungsanstalt. Diese Waffen dürften sie aber schwerlich zum Siege führen, und denken wir wie Börne, der bei ähnlicher Gelegenheit des treffenve Wort niederschrieb: „Ich hoffe das Beste, denn ich zähle auf die Weisheit Gottes und auf die Dummheit seiner sogenannten Stellvertreter." Nach diesem Leitartikel folgen, wie das Progr. verspricht: Jüdische Vorkommnisse. Es sind dies Tagesnotizen verschiedener Art. Unter diesen machten zwei Notizen einen komischen Eindruck auf uns. In der einen freut sich die jüdische Bolkszeitung höchlich darüber, daß der Wiener Rothschild das Großkreuz des Franz- Josef-Ordens erhalten. Wir meinten mit Fräulein Kunigund: Herr Redakteur, ist eure Orthodoxie so heiß, wie ihr uns schwört zu jeder Stund, ei, so macht doch mit einem Kreuz nicht so viel Aufhebens. Sie hätten sich vielmehr in Sack und Asche hüllen sollen, ob dieser schweren Versündigung gegen die heilige Tora und den in Ihren Augen noch heiligeren SchulchamAruch. Einem Ehrenrathe des Schomre-hadath- Vereins steht es sehr übel, sich ob solcher Auszeichnungen zu freuen, und müßten konsequenterweise solche Fakta von Blättern ähnlicher Tendenz ganz ignorirt werden. Selbst die Notiz, daß der berühmte Photograph, Herr Reutlinger in Paris, vom Könige von Preußen eine Auszeichnung erhalten, schien uns in diesem Blatte nicht am rechten Orte. Dieser Herr R. steht gewiß mit dem Schulchan Aruch nicht auf bestem Fuße, eine ächtfärbige Orthodoxie hat also als solche durchaus keinen Grund solche allerhöchste Gunstbezeugungen hervorzuheben. — In Nr. 29 der A. Z. d. I. berichtet eine — wahrscheinlich gut unterrichtete 38

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