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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-08 · Heft 37 (8.9.1868) · p. Seite 738

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 37 (8.9.1868)
Date
1868-09-08
Page
Seite 738 (sequence 8)
Language
German
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738 stemen ausgebildet, die sie durch alle Gebiete des Lebens hindurch zur Geltung zu bringen suchten. Die Kunst, Alles zu beschönigen, das Helle Unrecht mit dem Scheine des Rechtes zu umkleiden oder in gesetzliche Formen zu hüllen (Jes. 10, 1 ff.), die sittliche Begriffsverwirrung, die aus süß bitter und aus bitter süß, aus Licht Finsterniß und aus Finsterniß Licht macht (Jes. 5, 20), blühte auf's Ueppigste. Wenn nun da die Sprecher Gottes den hohen Herren in Staat und Kirche, welche im Besitz der vollen für ihre Aemter erforderlichen Weisheit zu sein behaupteten (Jes. 5, 21; 28, 9; Jer. 18, 18), ihre Pläne durchkreuzten, ihr leichtsinniges Leben durch unangenehme Erinnerungen an den Ernst Gottes und den Ernst der Zeiten störten, und die Gebrechen des öffentlichen Lebens aufdeckten, da war es noch das Geringste, daß man sie als lästige Schulmeister zurückwies, welche immer nur Lectionen geben wollen (Jes. 28, 9 ff.), die nichts als zu schimpfen wissen «Mich. 2, 6». Man setzte ihnen auch öffentlich frivolen Hohn entgegen: „er komme nur, euer Tag Gottes! er komme bald! wir sind darauf gerüstet" (Am. 5, 18. 6, 3; Jes. 5, 19. 28, 15). Ganze Haufen von Jüngern des Zeitgeistes, die auch göttlich iuspirirt zu sein behaupteten, die sogenannten falschen Propheten, schwärmten auf den Märkten, unter dem Volk, in den Volksversammlungen, am Tempel umher, bekämpften die Gottespropheten, oft vorderen Ohren (Jer. 28), predigten ihre leichtfertigeren Grundsätze, liehen den Leidenschaften des Volkes Worte, standen gegen Vergünstigung oder Bezahlnng jedem, auch dem verwerflichsten Machthaber zu Gebot (Mich. 3, 5. 11), und eine den Großen willfährige Polizei (Jer. 20, 1 ff.; 29, 26) half jedes freie, ihnen mißliebige Wort unterdrücken. In solchem Widerstreit der Meinungen und Grundsätze, wo jede Partei ihre Sprecher und Anwälte hatte und die Berufung auf göttliche Autorität, auf Geschichte und Offenbarung, hüben und drüben ganz gewöhnlich war, war es nicht blos für den großen Haufen oft schwierig genug zu entscheiden, wer Recht habe, sondern auch die Gottespropheten selbst, überallher als Schwärmer und Schwarzseher, oder noch schlimmer als Empörer, angefeindet, waren in Gefahr, entmuthigt, verwirrt, in ihren besseren Grundsätzen unsicher zu werden, oder bei einer sich darbietenden Frage zu schwanken, wohin die Entscheidung zu geben sei. Auch waren unter den Gottespropheten selbst Unterschiede des Grades: nicht alle waren in gleicher Kräftigkeit vom göttlichen Geiste erfaßt und als seine Sprecher befähigt. Wir kennen jetzt nur einige große Namen, 'die bedeutendsten derer, welche in jenen Zeiten als Kämpfer für die Sache Gottes sich hervorgethan haben, andere minder wichtig gewordene sind verloren; und für uns, denen die Geschichte selbst richtend und sichtend vorgearbeitet hat, sind jetzt die Unterschiede zwischen wahrer und falscher Prophetie deutlich genug, aber in der Wirklichkeit des Lebens waren die Grenzen feiner gezeichnet und wohl oft kaum recht erkennbar. Nur ein Kennzeichen gab es, an welchem man unterscheiden mochte, weß Geistes Kind sie waren: das war, ob sie den Glauben an den heiligen Gott predigten, und mit den Forderungen sei nes Gesetzes ganzen und vollen Ernst machten (5 Mos. 13, 2—4; Jer. 23, 16—22). Und hier war denn auch zugleich der Punkt, auf welchen es für die Sprecher Gottes galt, mit der ganzen Kraft ihres Glaubens immer wieder einzusetzen, um alle die aussteigenden Zweifel zu überwinden, das heilige Feuer der Begeisterung stets neu sich entzünden zu lassen, und mit muthiger Ausoauer und Standhaftigkeit den Schmähungen und Anfeindungen Trotz zu bieten. Eine schwere Aufgabe zwar, aber von ihnen in bewunderungswürdiger Weise gelöst." — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Crefeld, 28. August. Ein unabsehbarer Leichcnzug bewegte sich heute durch die Straßen unserer Stadt, um den am 25. dieses hier verstorbenen Konsistoriab Oberrabbiner L. Bodenh eimer zur letzten Ruhe' statte zu geleiten. Dem Leichenwagen vorauf zogen die Knaben der hiesigen israel. Elementarschule, gc> leitet von den beiden Lehrern. Ihm folgten der Leidtragende, die Rabbiner von Düsseldorf und Köln, die Geistlichkeit der übrigen Confessioncn, der Oberbürgermeister, die Vorsteher und Mitglieder einer großen Anzahl von Gemeinden des Consistorialsprcngcls, end lich die Mitglieder der jüdischen Gemeinde und viele Mitbürger. Die beiden Rabbiner Herr Dr. Feib chenseld aus Düsseloorf und Herr Dr. Schwarz aus Köln hielten die Leichenreden. Der Verstorbene wurde am 13. December 1807 zu Karlsruhe geboren. Seine Studien begann er

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