Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-01 · Heft 36 (1.9.1868) · p. Seite 718

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 36 (1.9.1868)
Date
1868-09-01
Page
Seite 718 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226672--26403-3261943
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

718 Literarischer Wochenbericht. Oxford im August. Annals of the Bodleian library, Oxford A. D. 1598 — A. D. 1867 (with a preliminary notice of the earlier library founded in the fourteenth Century) von Rev. William Dünn Macray, M. A. Dieses Buch, wie schon aus dem Titel zu ersehen ist, umfaßt die Geschichte der Bibliotheca Bodleiana in Oxford von ihrer Entstehung bis zum Jahre 1867. — Die Biographie einer Bibliothek (wenn man das Wort Biographie in diesem Sinne anwenden darf) ist nicht minder wichtig als die großer Männer. So wie man an den Einzelheiten bei der Lebensbeschreibung eines großen Mannes eine klarere Einsicht in dessen Arbeiten bekommt, so sieht man ebenfalls durch das allmählige Aufblühen einer Bibliothek, welche Richtung man derselben geben wollte. Oxford, die berühmteste Universität des Mittelalters, soll auch eine der besten Handschristenversammlungen besitzen; dahin zielte das Bestreben des gottseeligen Thomas Bodley hin. — Wir wissen, wie weit der religiöse Fanatismus überall gegangen ist; nicht nur Menschen wurden verbrannt und zu Tausenden hingeschlachtet, sondern auch die unschuldigen Pergamente wurden dem Scheiterhaufen Preis gegeben. Wir dürfen hier keine Ausnahme machen, alle positiven Religionen waren derselben Ansicht, daß, wenn ein Buch nicht das enthalte, was sie vorgiebt, es keinen Grund hat vorhanden zu sein. Der Talmud verdammt ebensogut die „auswärtigen Bücher" wie Omar die überflüssigen Werke der großen Bibliothek zu Alexandria, und wie der Katholicismus den Talmud und griechische Philosophen. Die Menschen haben sich es einmal vorgenommen höher als die Gottheit zu stehen, und verkennen, daß alle Geistesprodukee eine Emancipation des höheren Wesens sind. Wie ging es Maimonides „Führer der Verirrten" bei den Südfranzosen, und was würde noch heute geschehen, wenn zwischen Frankfurt und Mainz ein Auto da fe für Bücher veranstaltet werden könnte. — WaS ist es denn Anderes als ein stillschweigendes Auto da U, wenn Gelehrte in ihren Arbeiten einander absichtlich ignoriren? Kleingeist und Eitelkeit sind die Krücken unserer jetzigen jüdischen Gelehrten, und sie hinken so lange, bis sie sich selbst lähmen. Die Oxforder Sammlung, erzählt H. Macray (S. 11), wurde um 1540 von der Wuth des Katholicismus <*ju Grunde gerichtet; die schönsten Pergamenthandschristen ^wurden in Kaufläden zum Einpacken, oder von Schnei-, ^dern zu Maaßen verwendet. Th. Bodley fing mit gekringen Mitteln die Herstellung der Bodleiana (die nach ihm so benannt ist) an, und seitdem vermehrten sich die Schätze, und heute ist die Bodleiana in vielen Beziehungen die erste Bibliothek Europas. Sie ist reich an arabischen, persischen, sanscrit und syrischen Handschriften, aber keine Sammlung wird sie jemals für die hebräischen Handschriften einholen. Die Leser dieser Zeitung interessiren sich besonders für diese und ich will daher einen Auszug aus dem schönen Buche des H. Macray, die hebräischen Handschriften und Bücher betreffend, (geben. Im Jahre 1630 kamen die ersten hebräischen gedruckten) Bücher nach Oxford und im Jahre 1640 die ersten Handschriften iS. 63). Selben vermachte seine Handschriftensammlung, worunter viele hebräische, 1654 der Bodleiana. Die Krone der hebräischen Manuscripte ist die, welche Pococke gesammelt und welche von der Bibliothek im Jahre 1693 angekauft wurden (S. 113); diese Handschriften so wie auch die Huntingtons (angeschafft in demselben Jahre) umfassen die jüdisch-arabische Literatur, wofür Oxford für immer die Quelle bleiben wird. Die Handschriften dieser beiden Gelehrten sind ausgewählte, meisterhaft geschrieben und bis jetzt zum großen Theile Unica. Im Jahre 1817 wurde die schöne Sammlung des Jesuiten Canonici angekauft, worunter sich sehr schöne Bibelhandschriften wie auch das „3ad Chazakah" von Maimonides auf Pergament vom Jahre 1366 fanden. Der Ankauf der Oppenheimerischen Sammlung im Jahre 1829, die des seeligen Michael im Jahre 1849 ist bekannt; außerdem befindet sich ein großer Theil der hebräischen Bücher der Geseniusschem Bibliothek in der Bodleiana (S. 270.) Oxford begnügte sich aber mit diesen Schätzen nicht; eine große Anzahl von Hsch. wurden von Edelmann, Auerbach und Reggio angekauft. Auch der jetzige Bibliothekar, Herr Coxe, der selbst thätig bei den Catalogen der griech. und lat. Hschr. der Bodleiana war, hat sein Augenmerk darauf gerichtet, den ersten Rang der Bodleiana für die Hebraica aufrecht zu halten, denn das British Museum ist jetzt ein starker Concurrent für die Bodleiana. Seit den letzten dreißig Jahren hat die Oxforder Bibliothek den meisten Stoff für die hebräischen Publikationen geliefert. Außer Zunz, der die Opp. u. Mich.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.