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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-09-01 · Heft 36 (1.9.1868) · p. Seite 713

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 36 (1.9.1868)
Date
1868-09-01
Page
Seite 713 (sequence 3)
Language
German
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Das heißt doch nichts Anderes als, ihr Erscheinen und ihre Zustimmung zu Beschlüssen des Fortschrittes würde eine spaltende Bewegung in ihren Gemeinden hervorbringen, für welche sie die Berantwortlichkeii nicht übernehmen könnten. Es ist damit constatirt, daß die Majorität der R.-V., indem sie alle Spezialfragen von sich abwies und ihre Beantwortung einer Synode, d. h. einer Versammlung von Rabbinen und Gemeindevertretern übergab, die Möglichkeit der Ausführung sowie die Beseitigung der Hindernisse, welche die Laienwelt selbst geschaffen, auf die Schultern dieser selbst legte und ihr hierzu nur ihre Unterstützung zusagte. Man kann nicht verkennen, daß dies allerdings der offenste und geradeste z Weg ist, und jeden Conflikt, so weit dies überhaupt 1 möglich, vermeidet. Jndeß doch nur, soweit es eben Gemeinden betrifft, in deren Schooß diese gemischten Elemente und solcher Zündstoff vorhanden. Wohingegen eine nicht geringe Zahl von Gemeinden, welche in sich einig sind, des Rathes noch länger entbehren, den ihnen reiflich gefaßte Beschlüffe der R.-V. geboten hätten. Und schließlich hängt es davon ab, ob die Synode und in welcher Weise zu Stande kommt. Wenigstens muß dies letztere jetzt das Ziel unsres Strebens sein und Jeder, der es mit der Gegenwart und Zukunft des Iudenthums ehrlich meint, muß sich verpflichtet fühlen, für die Synode zu wirken. Wenn also nicht aus ultra demokratischem Sinne, sondern aus den faktischen Zuständen und aus dem Geiste des Judenthums heraus, der die Einheit und den Frieden will und jedem hierarchischen Streben abgewandt ist, jener Verzicht der Rabbinen auf ihre alte Funktion, die religiösen Fragen selbstständig zu beantworten und zu entscheiden, geflossen ist, so wird es angemeffen sein, dieses Ergebniß in seinem geschichtlichen Zusammenhänge, wenn auch nur ganz übersichtlich zu betrachten. Anfänglich sollten bei den Israeliten die Erstgeborenen jeder Familie die priesterliche Funktion als Lehrer und Erhalter der Religion und Vollzieher des Kultus übernehmen. Es war dies einerseits nach der religiösen Anschauung, daß die Erstlinge aller Erzeugnisse für den Israeliten eine besondere Beziehung zu Gott als dem Urheber und Geber alles Irdischen enthalten sollen, andererseits zu dem Zwecke instituirt, daß in jeder Familie ein besonderer Träger der Religion vorhanden sei, und hatte zugleich den Vorzug, daß eine besondere Priesterkaste, die außerhalb des Volkes stehe, vermieden wurde. Aber die Wirklichkeit ist stärker, als der glücklichste und bedeutsamste Gedanke. Das Volk zeigte wiederholt und besonders durch den Vorgang mit dem goldenen Kalbe am Fuße des Sinai selbst, daß es für die Gotteslehre noch ein sehr unfruchtbarer Boden sei und daß die Erstgeborenen für jenen ihren Beruf noch keine Befähigung hatten, weil das Gros der ganzen Familien noch unbefähigt war. Darum wurde der Stamm Levi und in ihm Aaron und deffen Familie dem priesterlichen Berufe überwiesen, um so wenigstens einen Grundstock für die Gotteslehre in dem zum Heidenthume noch immer hinneigenden Volke zu haben. Aber wie diesem Priesterstamme von vornherein die Machtverhältniffe äußerst beschränkt wurden, so stellte ihm Moses schon in seiner eignen Person, in seinem Nachfolger Josua und in der Berufung eines Prophetenstandes einen Gegensatz auf, der dem Priester stände die hierarchische Entwickelung unmöglich machenmußte. Diese Propheten, gottbegeisterte Männer aus dem Volke, theils gelehrt und heran gebildet, theils nur durch die innere Stimme berufen, wie Amos der Hirt von Thekoa, theils auch nur zeitweise vom Prophetengeiste ergriffen waren in allen schwierigen Zeiten die eigentlichen Mittelpunkte und Träger des religiösen Lebens, neben welchen der Glanz und die Bedeutung der Priesterschaft erblichen. — Als das Prophetenthum erloschen, bildete sich alsbald ebenso aus dem Schooße des Volkes ein Gelehrtenstand heraus, Männer des religiösen Wissens, Schrift- und Gesetzeskundige. Sie gewannen bald die Obherrschaft im Volke; sie vereinigten sich zum Synedrion, welches allmälig die gesetzgeberische und die oberste richterliche Gewalt vereinigte, und wenn die Nation kein Oberhaupt hatte, auch auf die Verwaltung einen entscheidenden Einfluß übte. Neben diesem Synedrion waren die Priester nichts als Opferkultusdiener, und selbst der Hohepriester konnte nur durch Gelehrsamkeit den Eintritt in jenes rhalten, und der Jurisdiction des Synedrions waren die Prie- 36*

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