Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 35 (25.8.1868)
- Date
- 1868-08-25
- Page
- Seite 696 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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werde, damit vor zu vieler Arbeit nicht zu wenig geschehe. Die Commissionen sollen ihre Arbeit so vollenden, daß sie 8—10 Wochen vor dem Zusammentritt der Synode veröffentlicht werden und den zukünftigen Mitgliedern der Synode zugänglich sein könnten. Hierauf trug Philippson auf den Dank für die Vorsteher der Casieler Gemeinde, Kayserling auf den Dank für das Präsidium, Adler auf den Dank für den Seminarlehrer vr. Stein, welcher die Führung des Protokolls übernommen hatte, und Kahu auf den Dank für vr. Philippson wegen seines Verdienstes um das Zustandekommen der Versammlung an, die sämmtlich durch Erheben von den Sitzen und den Ausdruck im Protokolle genehmigt wurden. Hierauf schloß der Vorsitzende Adler die Versammlung mit einer warmen und beredten Ansprache. Er erinnerte an jenen Midrasch, nach welchem ein Heide einem jüdischen Weisen vorgeworfen, sein Gott sei ein Dieb, der dein Adam im Schlafe die Rippe gestohlen, worauf der Weise geantwortet: allerdings, aber er habe ihm dafür das holdselige Weib, die Gefährtin seines Lebens gegeben, wie wenn Jemand ein irdenes Gefäß nimmt und ein goldenes dafür an die Stelle setzt. So mögen auch wir dem Volke manchen Brauch, der ihm nicht an das Herz, wohl aber an das Kleid gewachsen, nehmen, ihm aber dafür den echten Gottesbegriff, den Geist wahrer Religiosität und Sittlichkeit in das Herz legen. Er sprach die Hoffnung aus, daß die bescklossene Synode bald verwirklicht werde. Der Magistrat der Stadt Cassel hatte bereitwilligst den Saal im „Stadtbau" für die Versammlung zur Verfügung gestellt. Es waren auch vier oder fünf Berichterstatter politischer Zeitungen, selbst einer amerikanischen anwesend, für welche ein eigner Tisch aufgestellt worden.*) Dies ist der einfache Bericht über die dreitägige *) So sehr dieser Umstand für die Beachtung der Rabbinerversammlung von Werth war, so wimmeln doch die Berichte in den öffentlichen Blättern von Irrungen, ja Entstellungen, gegen welche wir Verwahrung einlegen müssen. Jene Mißverständnisse waren um so natürlicher, je weniger diese Berichterstatter mit den Gegenständen der Berathung vertraut sein konnten. So z. B. war in den Zeitungen von „Reformen in den Satzungen des Glaubens," vom Verzicht auf die Messiasidee u. s. w. die Rede, Dinge, die auch nicht den geringsten Anhalt in den Verhandlungen der Versammlung hatten. Versammlung, dessen Ergänzung die zu veröffentlichenden Protokolle bringen werden. Werfen wir nun einen prüfenden Blick auf die Er-> gebniffe und den Charakter der Versammlung, so bestehen die ersteren positiv darin, daß die Idee von periodisch wiederkehrenden Synoden bestimmter gefaßt und zur Ausführung vorbereitet, daß Commissionen zur Vorbereitung von Vorlagen für diese Synoden gewählt und diesen Commissionen ein reiches Material und die für das Judenthum bedeutendsten Aufgaben übergeben worden sind. Und dies ist gewiß ein sehr schätzbares Werk. Wird die Ausführung mit Energie angegriffen, und findet sie einen allgemeineren Anklang, und hiermit einen reichen Erfolg, so wird die Rabbinerversammlung zu Cassel sich hiermit ein großes Verdienst erworben und eine ehrenvolle Stelle in der Geschichte des Judenthums erlangt haben. Wir geben zu, daß die Synode selbst noch vielfach an ihrer eignen Gestaltung wird arbeiten müssen, daß in der ihr jetzt gegebenen Form noch manches Unbestimmte enthalten ist; allein es kann gerade hierin ein Verdienst gefunden werden, weil dadurch der herzustellenden Synode von vorn herein keine fesselnden Beschränkungen gestellt sind. Es ist offenbar, daß durch die bisher geltenden Einflüsse unter den Juden die Bewegung in den Geistern der Individuen mächtig angeregt worden, daß es aber für die Gemeinsamkeit um so weniger Gelegenheit gegeben hat, diese Geistesbewegung in das Bett eines einheitlichen Fluffes zu bringen, so daß, was den Individuen gegeben war, der Gemeinsamkeit fehlte. Dies ist es, was durch die Synode geschaffen werden soll, eine Einheit in der geistigen Bewegung innerhalb des Judenthums anzustreben. Neben diesem positiven Ergebnisse hat sich aber auch ein negatives herausgestellt, das, namentlich unter den jetzigen Zeitumständen, von nicht geringer Bedeutung ist. Die Versammlung hat jede Erörterung, jede Erklärung oder Resolution über an sie gestellte Fragen abgelehnt. So reich auch das Material war, welches ihr von Philippson, Geiger, Rothschild, Philippson sr., Hochstädter, Wiener u. A. vorgelegt wurde, sei es von allgemeiner oder specieller Natur, und von den mannigfaltigsten Gebieten des Judenthums gewesen, man ging nur darauf ein, um es als Material für die Commissionen zu ordnen und zurecht zu legen, damit es in gehöriger Bearbeitung und Motivirung der zukünftigen Synode vvrgelegt werde. Welches war das Motiv hierfür? Es