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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-08-25 · Heft 35 (25.8.1868) · p. Seite 694

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 35 (25.8.1868)
Date
1868-08-25
Page
Seite 694 (sequence 4)
Language
German
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694 matt beschloß, hiermit die drei Vorsitzenden der R.-V. Adler, Philippson und Aub zu beauftragen. Man gelangte nun zur gottesdienstlichen Frage. Hierzu waren vie Vorlage Philippson's und einige Anträge Geigers, Rothschilds, Hochstädters u. A. eingelaufen. Der erstere stellte, vas gesainmte liturgische Gebäude betreffend, in systematischer Folge 30 Fragen auf. Es war in diesen kein Theil des Gottesdienstes in seiner bisherigen Form bejaht oder verneint, sondern eben nur in Fragen gefaßt, deren Beantwortung von der Versammlung gegeben werden sollte. Die Anträge Geigers waren mehr allgemeiner Natur, als: „die zu Cassel tagenden Rabbiner erklären" daß die Verkürzung des Gottesdienstes wünschenswerth sei, daß das muttersprachliche Element möglichst auch in die typischen Gebetstücke eingeführt werde rc. Die Anträge Rothschilds betrafen einzelne aus dem Ganzen hervorgehobeue Gegenstände, die Hochstädters den dreijährigen Cyklus nach der Massora einzutheilen rc. Man beschloß, in die Verhandlung der Vorlage Philippsons einzutreten, und die anderen Anträge au den betreffenden Stellen zu subsumiren. Jndeß wurde beantragt, zuvor in eine Generaldebatte einzugehen, und dies auch beschlossen. Mit dieser Generaldebattee wurde die ganze Vormittagssitzung ausgefüllt. Es traten sofort die verschiedenartigsten Meinungsäußerungen hervor, die, wenn sie in der Tiefe auch gar nicht so verschieden waren, doch in ihrer Ausdrucksweise Entgegnungen hervorriefen, und so eine .bewegte Diskussion bewirkten. Nachdem die meisten Mitglieder der R.-V. sich an dieser Verhandlunn Letheiligt und ausgesprochen hatten, forderte der Vorsitzende den eigentlichen Antragsteller Philippson auf, sich, die Debatte resumireud, zu äußern. Dieser bemerkte, daß ein Resume dieser Generaldebatte geradezu unmöglich sei; er erinnere vielmehr an seine einleitenden Worte, daß eine Erörterung von Prinzipien, sobald sie sich an keinen konkreten Gegenstand anschließen, unfruchtbar sein müsse; bei durchbildeten Fachmännern seien die Prinzipien in Jedem zu eigenthümlichein Ausdruck erwachsen, so daß sie, bei aller inneren Uebereinstimmung für die Gemeinsatnkeit, nicht zu formulirten Beschlüssen gelangen könnten. Dies habe sich auch in dieser Debatte erwiesen, und wenn die Versammlung sich nunmehr noch nicht zum Eintritt in die Spezialdebatte bestimmen wolle, so wisse er nicht, was der künftigen Synode vorgelegt werden solle, und müsse er seinentheils die ihm ertheilte Mission, für den Zusammentritt der Synode wirksam zu sein, in die Hände der Versammlung zurücklegen. Es wurde denn auch beschlossen, nunmehr die Spezialverhandlung über die Vorlage Philippsons zu eröffnen. Es geschah dies nach, halbstündiger Pause. Die Vorstellung, die bei der gedachten Vorlage vorwaltete, war, daß die Versammlung durch Durchberathung derselben und ihre desfallsigen Beschlüsse die Normen für den verbesserten Gottesdienst feststelle, und deren weitere Bearbeitung und Motivirung einer Commission übergebe. Als ein Hauptgesichtspunkt wurde in der Einleitung hervorgehoben, daß der Gottesdienst zu der u rsprünglichen einfach eu Form zurückgeführt werden müsse, um so in der kleinsten und unbemitteltsten Getneinde ausgeführt werden zu können, zugleich auch Raum gebe, daß er in Gemeinden, welche größere Kräfte und Mittel besitzen, erweitert und reicher gestaltet werden könne. Die erste Frage war: „Soll der dreijährige Cyklus der Toravorlesung stattfinden? und wurde dieselbe in der Fassung angenommen: „der dreijährige Cyclus der Toravorlesung soll den Gemeinden empfohlen werden." — Die zweite Frage wurde dahin beantwortet: „Die Haftara soll bcibebalten, aber in der Landessprache vorgetragen werden. Für dieselbe soll mit der Berücksichtigung der bisherigen zur Ausfüllung für den dreijährigen Cyklus von der Commission eine neue Auswahl und zwar auch aus den Chethubim getroffen werden." Hiermit wurde die Sitzung geschlossen. — Für den Nachmittag hatte der Gemeinde-Vorstand die Mitglieder zu einer Fahrt nach der Wilhelmshöhe eingeladen. Die Sitzung des dritten Tages von 8 Uhr Borinittags an fuhr in der Spezialdebatte fort. Die dritte Frage lautete: „Sollen Borchu, Kriath Schema, Thefilla, Keduscha, Priestersegen und Kaddisch der Waisen in der Ursprache beibehalten werden?" Da dies eine der Cardinalfragen sei und sich hierbei die Frage erhöbe, welche Gebete als typische anzusehen, beschloß die Versammlung, sie der Commission zu übergeben. Die vierte Frage: „Soll die Thestlla lsg. Schemone Esre) in einem Abschnitt des Gottesdienstes (Schacherith, Mussaf u. s. w.j nur einmal gesprochen werden?" wurde dahin beantwortet, daß dies immer, auch an den Werkeltagen, nur einmal geschehen solle. Die fünfte, sechste und siebente Frage, welche die Gebetstücke vor Borchu, die Zwischenstücke zwischen den aä 3. genannten Gebeten und die Mussaf- Thcsilla betrafen, wurden der Commission überwiesen. Die achte Frage lautete: „Soll das Minjan zum

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