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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-08-18 · Heft 34 (18.8.1868) · p. Seite 676

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 34 (18.8.1868)
Date
1868-08-18
Page
Seite 676 (sequence 6)
Language
German
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676 ständen werden, wenn jeder zeitweilige Cultusminister sich die Befugnis beilegt, über die wichtigsten Fragen des Schulwesens Gesetze zu geben, welche die untergeordneten Behörden mindestens während seiner Amtszeit für verbindlich halten müssen? Der Vorfall in Breslau ist ein neuer Beweis, wohin solche Grundsätze der Verwaltung führen, und er ist zugleich eine ernste Mahnung, auf den endlichen Erlaß des Untcrrichtsgesctzes zu dringen, dessen Verheißung nunmehr seit achtzehn Jahren unerfüllt geblieben ist." Die Sache wird ohne Zweifel auf dem nächsten Landtage zur Sprache kommen; nicht unwahrscheinlich ist, daß von der national-liberalen Fraction die Initiative ergriffen wird. (Es ist jedenfalls angemessen, daß die Sache im Abgeordnetenhause zur Sprache gebracht wird, um die Angelegenheit im öffentlichen Bewußtsein zu erhalten. Ob cs aber Erfolg haben werde, ist sehr zweifelhaft. Im Obigen ist übrigens mit Stillschweigen übergangen, in wie weit jener Verwaltungsgrundsatz des jetzigen Cultusministeriums mit den Bestimmungen der Verfassung übercinstimme. Red. d. A. Z. d. I.) Schippcnbeil, 6. August. (Privatmitth.) Am 4. d. fand die Seitens des Ccntral-Unterstützungs-Comites für die jüdischen Nothleidcnden in Ostpreußen ausgeschriebene Generalversammlung statt. In beregter Versammlung waren 29 Shnagogen- Gcmeindcn durch c. 70 Deputirte vertreten, und wuroe nach verschiedenen Debatten der Beschluß gefaßt, in einem zu wählenden Orte Ostpreußens ein jüdisches Waisenhaus und ein jüdisches Lehrerbildungsseminar zu gründen; auch wurde in dieser Versammlung sogleich eine Commission gewählt, welcher die Aufgabe gegeben wurde, die nöthigcn Vorkehrungen betreffs Ausführung zu treffen. Die rege Vethciligung liefert den Beweis, wie höchst wichtig und erforderlich diese Institute für unsere Provinz sind, da doch bekanntlich für die geistige Ausbildung jüdischer Zöglinge sehr wenig gethan wird. Mit der größten Bereitwilligkeit haben die Vertreter der Gemeinden in deren Aufträge diese verpflichtet, 5°,'o ihres Shnagogcnetats zur Unterhaltung dieser Institute beizutragcn; wenn auch die Ausführung eine schwierige ist, so hoffen wir doch mit Gottes Hilfe ein Werk zu Stande zu bringen, von welchem wir uns einen unberechenbaren Segen für die Nachwelt versprechen. Aus Ostpreußen, im August. tPrivatmitth.) Wiederum führt mich das Geschick hierher, und bei meinem lebhaften Interesse für die armen russischen Juden, die ich hier umherwandeln und agiren sehe, fühle ich mich genöthigt auf selbige zurückzukommen. Selbst die orthodoxesten Männer hier stimmen mit mir überein, daß etwas geschehen muß, und daß es Pflicht sei, diesem verkommenen, versumpften Geschlecht wieder aufzuhelfen. Natürlich, wenn zu Haus der Rebbe vor lauter Andacht und Studium des Talmuds nicht weiß, was in der Well geschieht und was für selbige nöthig sei, wenn seine Heerde — wie wir Thatsachen aufführen könnten — zum Mangel alles sittlichen Bewußtseins herabgesunken — da ist es eine Falschheit und Thorheit solche und andere Fehler bemänteln zu wollen. Jeder Sache scharf ins Auge geschaut, Heilung gesucht, wo sie noch möglich, das ist wahrlich viel besser, als mit Schönpflästerchen das Brandige zu bekleben! Der Druck der Jahrhunderte, die Unwissenheit, in der diese Juden befangen, machen cs furchtbar schwer, ettvas zu ersinnen, was ihnen Hülfe bringen kann. Für die Auswanderung müssen sie erst reifer gemacht werden, und wenn diese auch für die dichte Bevölkerung, die inmitten der Armuth und der Verlassenheit sich nicht ernähren kann, das beste Heilmittel wäre, so muß doch wieder vieles vorausgchen, was sie befähigt, in der Fremde sich eine Existenz zu schaffen, denn sonst ergießen sie sich in unzähligen Bettlcrschaarcn über das übrige Europa, und gehen dabei um so sichrer zu Grunde. Denn leider gestehen mir strenggläubige Juden, daß das Studium des Talmud und das strengste Jnnchaltcn der cercmoniellcn Gesetze ihnen nicht die wahre Moralität erhalten hat, und daß sie leider alle die Fehler hegen, die mit Unwissenheit und Armuth so eng verknüpft sind. Nach Allem muß also die Presse ihr Möglichstes thun, um auf die Leute und auf die Behörden zu wirken. Sie müssen Lehrer erhalten, mit Ackerbau beschäftigt werden, Handwerke erlernen, die alte polnische Tracht ablegen, damit sie ins Ausland wandern und nicht zum Gespött in der Fremde zu werden brauchen; nur

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