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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-08-18 · Heft 34 (18.8.1868) · p. Seite 672

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 34 (18.8.1868)
Date
1868-08-18
Page
Seite 672 (sequence 2)
Language
German
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672 zu sorgen. Daß die Rabbinen sich nicht aus irgend welcken persönlichen Motiven versammeln, haben sie genugsam dadurch erwiesen, daß 22 Jahre seit der letzten verflosien sind, und zwei oder drei frühere Versuche eine solche zu veranlassen, erfolglos blieben. Ebenso wenig sind eS theoretische Zwecke, die sie vereinigen. Es bleibt also nichts weiter übrig, als das aus dem Leben selbst entspringende Bedürfniß. Alle Welt möchte aus dem Chaos herauskommen, in welches die jüdischen Angelegenheiten versunken sind, aus der Zerfahrenheit und Gestaltlosigkeit, in die sie sich zersetzt haben. Einem unbedingten Stabilismus gegenüber, der dies jedoch selbst mehr dem Scheine als der Wirklichkeit nach ist, sich vielmehr dafür ausgiebt, als er es bei Lichte besehen wirklich ist, haben sich die Ansichten und Meinungen so auseinandergelegt und zerfasert, daß sie bei jedem Individuum anders erscheinen. Es ging dieser Zustand ganz natürlich auS zwei Momenten hervor, zuerst aus der unbegrenzten Einwirkung der großen und vielen Bildnngselemente auf die Juden und das bis dahin bestandene Judenthum; dann ans dem bis zum Extrem vorwaltenden Jndividualitätsprinzip, aus der allein und unbeschränkt betonten Geltung des Individuums auf dem Gebiete der Religion. Geht einmal eine Veränderung in der Menschenwelt vor, so pflegt sie aus einem Gegensätze in den anderen hinüberzuspringen. Das starre unbedingt geltende Religionssystem der früheren Zeit, welches dem Jndividum alle Freiheit absprach, brachte naturgemäß seinen Gegensatz hervor, die unbedingte Geltung der individuellen Glaubensfreiheit. Daraus die völlige Zersetzung. Ist aber erst die Herrschaft der Cultur gesichert und die persönliche Glaubensfreiheit verbürgt, so tritt ebenso naturgemäß wieder der andere Trieb im Menschengeiste hervor, der der Vereinigung, der Zusammengehörigkeit, die wieder ohne bestimmte Normen nicht bestehen kann, ohne konkrete Gestalt sich nicht zu befriedigen vermag, Normen, die der Cultur ihr Recht, der Glaubensfreiheit des Individuums die Befriedigung nicht vorenthalten. Wir glauben daher nicht zu irren, wenn wir sagen, daß in einer großen Zahl von solchen Bekennern unserer Religion, welche dieser noch nicht ganz abgestorben sind, der lebhafte Wunsch lebt, daß durch eine schöpferisch gestaltende Vereinigung endlich die Resultate aus dem langen Gährungsprozesse gezogen, und eine konkrete Normirung wieder gewonnen werde. Ob dies durch eine Rabbinerversammlung oder durch eine Synode geschehe, ob die erstere die Einleitung zur zweiten werde, daS ist im Stit* genblicke für sie gleichgültig, wenn nur Etwas nach der obigen Richtung hin geschieht. Dieses Verlangen ist ein allgemeines, und mögen nun Hoffnungen oder Zweifel betreffs der bevorstehenden Rabbinerversammlung vorherrschen, die allgemeine Aufmerksamkeit ist geweckt, die allgemeine Tendenz kommt zum Bewußtsein, und es wird an der Versammlung selbst liegen, ob sie dem Bedürfniß entsprechen werde oder nicht. Einen anderen Wunsch brauchen wir kaum airSzusprechen, nämlich daß der Geist der Einheitlichkeit, der Verständigung, des Friedens in der Versammlung herrsche. Wir sind es im Voraus von der Versammlung überzeugt. Die Verschiedenheit von Ansichten, die Berechtigung, die jeder aufrichtigen Ueberzeugung zusteht, ja selbst die Energie der eigenen Meinung schließen die Verständigung nicht aus, und machen Streit und Hader nicht zur unvermeidlichen Folge. Aber ein anderes ist es, was wir auszusprechen nicht anstehen wollen, nämlich was die Haltung der Versammlung nach Außen hin betrifft. Wohin auch die Richtung der Versammlung gehen, welche Beschlüsse sie fassen möge, sicher ist es, daß unter diesen Gegnern sehr viele schon jetzt ihre Fevern spitzen, um die- Versammlung und ihre Glieder mit ihrem Geifer zu bespritzen, mit ihrem Hasse zu verfolgen; andrentheils wird es auch ruhige und besonnene Gegner geben, die aber entschiedene Partei gegen sie ergreifen. Unserer Ansicht nach müßte die Versammlung, solcher Vorgänge im Voraus gewiß, weder bei ihren Verhandlungen irgend welche Rücksicht darauf nehmen, noch späterhin darauf achten, dagegen irgendwie einschreiten, und auch die einzelnen Teilnehmer hätten, wenn irgend möglich, sich nicht dagen zu erheben. Die Versammlung ist mit dem letzten ihrer Beschlüsse abgeschlossen. Die Motivirung der Beschlüsse wird entweder schon im allgemeinen Bewußtsein, oder in den Protokollen liegen, und wahrscheinlich der Oeffentlichkeit übergeben werden. Weiter ist ihres Amtes nicht, und ihre Wirksamkeit kann erst durch eine folgende Versammlung wieder ausgenommen und fortgesetzt werden. Die Beurtheilung steht Jedermann frei; die Gegnerschaft kann Niemandem versagt sein, die Begeisterung läßt man ruhig vorübergehen.. Die Rabbinerversammlurg hat den Zweck zu vereinigen, nicht aber, noch mehr aufzulösen, zu vereinigen diejenigen, welche solches wünschen uud bedürfen; für die Anderen, seien es Extreme links oder rechts, besthe sie nicht, arbeitet sie

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