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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-08-11 · Heft 33 (11.8.1868) · p. Seite 656

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 33 (11.8.1868)
Date
1868-08-11
Page
Seite 656 (sequence 6)
Language
German
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B Literarischer Wochenbericht. Bonn, im Juli. Die Arch. isr. bringen ein Schreiben deS Prof. F. Lafinio in Pisa über daS in Florenz befindliche bekannte älteste Manuskript des Talmuds. Wir geben dieses Schreiben wie folgt. Die drei Volumina dieses Manuskriptes gehörten als Privateigenthum dem berühmten Antonio Magliabechi, dem Gründer jener reichen und kostbaren Sammlung von Manuskripten und Druckschriften, welche man Magliabechiana nennt, und welche jetzt zu einem einzigen Etablissement mit der Palatina (der ehemaligen Bibliothek der Großherzoge von Toscana, früher im Palast Pitti befindlich) vereinigt, den Titel: R. Biblioteca Nazionale von Florenz trägt. Man weiß nicht, wer die Besitzer dieser drei Manuskripte vor Magliabechi gewesen sind, und jede Nachforschung danach ist fruchtlos geblieben; doch glaube ich, daß dies für die Literatur nicht geradezu nothwendig ist. Der erste Band, enthält acht Tractate in folgender Reihenfolge: 9. I—CXXVIl, Tractat Berachoth, P. CXXV1II—CXC1V, Tractat Bechoroth, P. CXCIV— CCXLII, Tractat Temura, P. CCXLIII—CCXCIX, Tractat Keritot, P. CCXCIX—CCCV, Tractat Tamid, P. CCCV—CCCXIV, Tractat Midoth, P. CCCXV- CCCXXXI, Tractat Meila, P. CCCXXXII-CCCXXXIII, Tractat Kinin. ihm für seine Wohlthaten danken und ihn zum Ehrenbürger der Stadt Grodno machen. Diese Adresse sollte dem Kaiser zur Erklärung dienen. Die Juden haben jedoch den Kopf dabei nicht verloren und begaben sich persönlich nach Petersburg, um zu erklären, daß sie gezwungen die Adresse unterschrieben. Der Gouverneur hatte nämlich alle Bürger berufen, das Gebäude und die Kanzlei mit Kosaken besetzt, eine schon fertige, von ihm selbst verfaßte Adresse zum Unterschreiben gegeben und den Widerstrebenden ganz einfach mit Knuten gedroht. (Wir billigen das Benehmen der Juden sehr. Es zeugt von Unerschrockenheit, die vielleicht — in der Verzweiflung ihren Grund hat. Sollten derartige Fälle des kühnen Widerstandes öfter vorkominen, so inüssen sie schließlich doch einige Wirkung auf die Herren Gouverneure haben. Die drei Bande sind alle nach den Seiten, nicht nach den Blättern numerirt; die Numerirung ist modern, nach der Zeit von Magliabechi, und in römischen Zahlen. b Am Ende des ersten Bandes, p. CCCXXXIII, liest d man unten folgendes Epigraph (welches wir unS begnügeO zu übersetzen): „Geschrieben Freitag den 22. 1 Elul 936 (und nicht 956; — 1176)." Wollen Sie bemerken, daß besagte Inschrift bestimmt von derselben Hand ist, welche alle drei Bände geschrieben hat. Da ich mich jn einer so wichtigen und wesentlichen Sache nicht allein auf mich verlassen wollte, so befragte ich ' die Beamten in der Bibliothek, welche in Ma- ' nuskripten sehr erfahren sind und von denen einer * das Hebräische genügend versteht, um über die Identität der Buchstaben zu «rtheilen, und alle bestätigten I meine Meinung. Die Dinte, die Handschrift, Alles ist ohne Zweifel aus derselben Zeit und von derselben Per- ' son, wie das Uebrige; folglich wurde der erste Band im Jahre 4936 nach der Erschaffung der Welt geschrie» I ben (unglücklicher Weife hat der Abschreiber weder seinen biamen, noch den Namen der Stadt, in der er geschrieben, unterzeichnet) und unser Manuskript ist das älteste des Talmuds, welches man kennt, wenigstens bis jetzt. Aber, beiläufig gesagt, weder in der Nationalbibliothek, noch in den anderen Buchhandlungen von Florenz, kannte man die Wichtigkeit dieses Schatzes; Sic wissen, daß es den orientalischen Manuskripten in Florenz immer unglücklich ergangen ist; man hat sie vernachlässigt, und, was noch schlimmer ist, sie sind sehr sehr schlecht beschrieben; es ist überflüssig, Sie daran zu erinnern, daß die Kataloge von Biscioui und Affemani von Ungenauigkeiten, Fehlern und Auslassungen wimmeln; so z. B. hatte ich während meines letzten Aufenthaltes in der Hauptstadt Gelegenheit, das orientalische laurentinische Manuskript (»XXXVII (Catalog Affemani, Seite 486» zu prüfen; es ist nicht mit hebräischen Lettern und in arabischer Sprache geschrieben, wie Herr Assemani behauptet, sondern es ist in hebräischen Lettern und auch ganz in hebräischer Sprache geschrieben. Die Seiten des ersten Bandes betragen in der That 335, da Nummer CVII drei Mal wiederholt ist. Die Unterschrift des ersten Bandes ist in drei Linien abgetheilt; leider haben die beiden anderen Bände keine Unterschrift des Copiste» oder irgend eine andere (Redakt. d. A. Z. d. Jud.)

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