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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-08-04 · Heft 32 (4.8.1868) · p. Seite 642

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 32 (4.8.1868)
Date
1868-08-04
Page
Seite 642 (sequence 15)
Language
German
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Feierlichkeit, die gestern in Semlin stattgehabt, Leizuwohnen. Ich Ledaure dies umsomehr, als ich weiß, wie viel ich verloren habe und welche große Befriedigung es mir gewährt hätte, Ihr ernstes und edles Plaidoyer für die Prinzipien religiöser Duldsamkeit anzuhören. Nach meiner schlichten Ansicht ist die Sache der echten Religion selber — ich meine der Religion des Friedens und des Wohlwollens gegen alle Menschen, im Gegensatz zu der auf weltlichem Privilegium oder auf Ausschließung gegründeten — die wesentliche Frage, welche unter verschiedenen Namen und Gestalten gegenwärtig die ganze Welt bewegt. In meiner letzten Depesche an Ihrer Majestät Staatssekretär über die in Serbien herrschende religiöse Intoleranz hob ich hervor, welche Ermuthigung und Unterstützung, um nicht nicht zu sagen Rechtfertigung, sie in den damals noch bestandenen illiberalen Institutionen der angrenzenden österreichischen Staaten gefunden. . . Wir werden nun sehen, ob die serbische Regierung jetzt, da sie sich nicht mehr auf die Intoleranz der civilisirteren Länder berufen kann, in ihrer Weigerung, den Ansprüchen des israelitischen Theils der serbischen Bevölkerung gerecht zu werden, noch weiter beharren werde. — Ich verharre, Sir, Ihr gehorsamer Diener I. A. Longworth." Das ebenfalls interessante Antwortschreiben des Oberrabbiners Löw lautet also: Szegedin, 3. Mai 1868. Geehrtester Herr! Mit wahrer Freude habe ich aus Ihren sehr werthen Zeilen vom 28. v. M. erfahren , daß Sie entschlossen sind, den serbischen Juden auch fortan die edle active Theilnahme zuzuwenden, die Sie denselben bisher zu bethätigen die Güte hatten, und die, wie mir seit Jahren bekannt ist, von meinen Glaubensgenossen in Serbien dankbar gewürdigt wird. Psychologisch und historisch läßt sich die in Serbien, so wie in der Moldau-Walachei herrschende Unduldsamkeit leicht erklären. Die Religion des Friedens und des Wohlwollens gegen alle Menschen, von welcher Sie in Ihrem mir überaus werthen Briefchen sprechen, verdankt ihre Verbreitung in der gebildeten Welt ganz vorzüglich dem Fortschritte der Philosophie, zu welchem Ihr großer Landsmann Locke in so hervorragender Weise den Impuls gab. Anschauungen, die aus der Philosophie emaniren, dringen dort, wo eine Literatur vorhanden ist, auch in die Kreise, die sich nicht mit Philosophie beschäftigen, und in Bücher, die keine philosophischen Fragen behandeln. Sie werden allmälig das Gemeingut aller Gebildeten, unter denen es Viele gibt, die ihre Anschauungen als selbstverständliche Wahrheit betrachten, und weder von deren Urhebern, noch von den schweren Kämpfen genaue Kenntniß haben, unter denen sich dieselben Bahn brechen mußten. Die bei Weitem überwiegende Mehrzahl der Einwohner von Serbien und der Moldau-Walachei konnte von diesem Entwickelungsprozesse, dessen Beginn in die zweite Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts reicht, kaum berührt werden, da dieselben keine Literatur besaßen, die ihnen die geistigen Erzeugnisie des Auslandes importirt hätte. Nimmt man nun noch hinzu, daß die Völker, indem sie auch von der Reformation des sechzehnten Jahrhunderts nicht berührt worden waren, ihre kirchliche Einheit behielten, und mithin in ihrer eigenen Mitte keine Schule gegenseitiger Bildung besaßen, und daß auch ihre gegenwärtigen Anstrengungen in so hohem Maße auf die Erreichung politisch-nationaler Zwecke gerichtet sind, daß sie den Aufgaben und Forderungen der Kultur noch immer nicht die gebührende Aufmerksamkeit schenken: so wird man es begreiflich finden, daß hier der rohe Racenhaß noch nicht der Humanität, der kirchliche Fanatismus noch nicht der Duldsamkeit, der engherzige Krämergeist noch nicht den Mahnungen einer gesunden National-Oekonomie hat Platz machen wollen. Allein der Genius der Menschheit, der Ihrem Locke schon im siebzehnten Jahrhundert die Briefe über Religionsduldung eingab, wird seinen Weg auch an die untere Donau finden, und edle Männer, welche, wie Sie, geehrtester Herr, für die Forderungen der Religion des Friedens und des Wohlwollens gegen alle Menschen mit beharrlichem Eifer in die Schranken treten, erfüllen eine hohe, heilige Mission, invem sie, wie der Profit sagt, „durch die Wüste den Weg bahnen" (Jesaj. 4V, 3.). Gottes segnender Beistand wird bei dieser Miffion Ihr unzertrennlicher Begleiter bleiben. Genehmigen Sie den Ausdruck meiner besonderen Hochachtung, in welcher ich die Ehre habe, zu verharren Ihr stets ergebener Diener Leopold Löw, Oberrabbiner. Im Anschlüsse an diesen Briefwechsel theilen wir noch einen Artikel des „Ungar. Lloyd" mit, welcher angesichts des in Belgrad vollbrachten Fürstenmordes erhöhtes Interesse gewinnt. Hier folgt derselbe: Belgrad, 15. Mai. Wenn einmal die nebelhaft

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