Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1868)
- Date
- 1868-08-04
- Page
- Seite 641 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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und dürfte wohl nur dazu dienen, die betreffenden Personen zu zwingen, ihre Kur bei den Polizeibeamten zu erkaufen. Schweden. Norköpiug, im Juni. (Privatmitth.) Nachrichten aus Schweden sind in Ihrer auch hier vielgelesenen Zeitung so spärlich, daß man glauben könnte, daß entweder das Interesse für den Fortschritt im Judenthume hier erschlafft sei, oder daß von der geringen Zahl, es wohnen nach der letzten Statistik nur etwa 1100 Israeliten hier im Lande, nur wenig zu sagen wäre. Beides ist nicht der Fall; sowohl in religiöser als socialer Hinsicht nehmen die Israeliten dahier einen achtungswerthen Platz ein. Obgleich das Staatsgesetz sie noch fortwährend von allen Aemteru, vom höheren Militärdienste, vom Lehramte bei den öffentlichen Schulen und der Akademie, sowie von Sitz und Stimme beim Reichstage ausschließt, genießen sie doch das Vertrauen ihrer Mitbürger, die ihnen ihre Stimme bei der Wahl von Communalämtern geben und ihnen auch solche anvertrauen. Viele sind auch vom Könige mit dem Ritterorden beehrt worden und doch stehen wir hier in politischer Beziehung den übrigen Ländern Europas weit nach. Das Protestantische Schweden ist dem katholischen Oesterreiche weit nachgeblieben. Da es.dort bei gemischten Ehen den Ehegatten erlaubt ist, über die religiöse Erziehung ihrer Kirider selbst zu verfügen, befiehlt ihnen hier das Gesetz, unnatürlich genug, sie in der Religion der Staatskirche erziehen zu müssen, welches besonders in der vom letzten Standesreichstage bewilligten Civilehe zwischen Juden und Christen der Fall ist. Selbst mit diesem Pharaonischen Gesetze ist die pietistische Partei noch nicht zufrieden, da sie darin ein böses Omen für die kirchlichen Ehen sieht, wir aber, die geringe Anzahl, müssen schweigen. Die nächste Kirchenshuode, die im September in Stockholm stattfinden soll, wird sowohl dieses Thema wie viele andere die Religionsfreiheit betreffende Angelegenheiten zur Sprache bringen. Bon der Priesterschaft haben wir wenig Erfreuliches zu erwarten, wohl aber hoffen wir, daß die ebenfalls dazu gerufenen Laien ihre Stimmen erheben werden und auf die Verkünder der Religion der Liebe, wie sie sich nennen, so einzuwirken suchen, daß sie nicht nur von der sogenannten christlichen Liebe reden, sondern sie in der That beweisen wollen. Was nun den religiösen Standpunkt der Israeliten hier betrifft, beweist schon der reformirte Gottesdienst, der schon vor zehn Jahren zuerst in Gothenburg, dann in Norköping und später auch in Stockholm eingeführt wurde, auf welcher Stufe das Judenthum hier steht. In den drei hier bestehenden Synägogen-Gemeinden ist der dreijährige Chclus, obligate Predigt, Chorgesang und Orgelbegleitung beim Gottesdienste eingeführt. Ihre über den öffentlichen Gottesdienst ausgesprochenen Ansichten sind sonach größtentheils verwirklicht und kann es für Sie nur erfreulich sein zu erfahren, daß dieser Gottesdienst allgemein befriedigt, Andacht erweckt und erbauend ist. Auch christliche Besucher äußern darüber ihre Befriedigung des religiösen Gefühls. So hoffen wir, daß der Erhörer der Gebete auch das Herz und den Geist unserer Mitbrüder der hohe» und höchsten Behörde wecken wolle und wir auch bald Befriedigung unserer gerechten Ansprüche auf unsere politischen Rechte erfahren mögen. Correfpoirderrz. Monatsberichte aus Ungarn IX. Neu-Verbaß, Anfang Juni 1868. (Schluß.) 9. Die Emancipationsfeier in Semlin und die serbisch-rumänischen Juden. Die letzte Emancipationsfeier hierzulande ist die am 27. April.durch die isr. Gemeinde der Stadt Semlin (Belgrad gegenüber) veranstaltete. Zur Abhaltung der Festrede wurde Oberrabbiner Löw aus Szegedin berufen. Wie „Pcsti Napl6“ bemerkt, legte der gelehrte Oberrabbiner die Bedeutung der Feier in einer herrlichen Rede dar, und die anwesenden Israeliten schöpften aus der begeisternden Rede die mächtige Aneiferung, den Interessen des Fortschrittes und der Bildung unerschüttertich treu zu bleiben. Der englische Consul in Belgrad richtete aus diesem Anlasse an Löw das nachstehende Schreiben: „Werthester Herr! Es ist mir leid, daß meine Konsulatsgeschäfte mich verhindert haben, der interessanten 32*