Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-08-04 · Heft 32 (4.8.1868) · p. Seite 643

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 32 (4.8.1868)
Date
1868-08-04
Page
Seite 643 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226668--26327-3261863
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

643 in den Köpfen unserer Phantasten spukende Donaukonföderation Fleisch und Bein gewinnen sollte, wird es sich wohl darum handeln, welcher von den ehemaligen Vasallenstaaten der Türkei die leitende Rolle zu übernehmen bestimmt ist. In der Voraussicht dieser Ereignisse will sich ein serbisches Blatt von den rumänischen Brüdern die Palme des Liberalismus nicht streitig machen lasten. Der „Swetowit" erwärmt sich an dem rühmlichen Beispiel, welches der saubere Demokrat Herr Bratiano und sein Helfershelfer der Präfekt Herr Lecca gegeben, dagegen überschüttet dieses Blatt die europäischen Mächte, welche ihr Veto gegen die barbarischen Thaten von Bakeu eingelegt, mit den Ausbrüchen seines allerdings Pygmäenhaften Zornes'. „Schade — sagt das serbische Blatt — daß die Walachei nicht am Meer liegt, es wäre die beste Gelegenheit gewesen, ihre Häfen, wie die Griechenlands, wegen der „Pacisico" - Angelegenheit zu bombardiren." Komisch ist es, wenn „Swetowit" im Namen der Aufklärung jene Traktate für ungiltig erklären will, welche den Großmächten das Recht ertheilen, im Jntereste der Civilisation und und zur Hintauhaltung von Handlungen der Barbarei einzuschreiten. „Swetowit" schließt seinen Leitartikel mit einer Drohung und einem guten Rath. „Falls — sagt dieses Blatt — Rußland die Walachei nicht schützen wird, so wird es Preußen thun, und sollte Oesterreich in der Walachei (selbst mit Frankreichs Einverständniß) exekutiv Vorgehen, so kann Preußen sehr leicht nach Schlesien marschiren.*) Um endlich Ruhe zu haben — heißt es dann — sollten die Mächte die abyssinischen Wüsten als jüdisches Königreich erklären und Rothschild oder Montefiore als König anerkennen, so wären dann alle Juden konzentrirt." 10. Wohlthätigkeitsacte. Indem wir die nennenswertheren Acte jüdischer Wohlthätigkeit hierzulande aus letzterer Zeit verzeichnen, tragen wir zugleich noch einiges für die verwandte Rubrik: „Jüdisches Vereinswesen" nach. In Angelegenheit des in Pest zu errichtenden Findelhauses hatte eine Deputation bereits am 2. März -Audienz bei Sr. Majestät. Diese Deputation wurde durch den Grafen Leop. Nädasdy geführt und zählte unter ihren Mitgliedern den kath. Probst Sujansky, den evangel. Dechant Lang, den israel. Prediger vr. K oh n, den Präses der Pester isr. Gemeinde L ünyi u. a. Herr Ludwig Bergl, Vorsteher der Pester israel. Wohlthätigkeitsanstalten, sammelte für den Meiselverrein 21000 fl. Auf Anregung des Rechtshörers Sam. Schwarz ist in Pest, zur Unterstützung armer Studirender an der dortigen Universität, ein „Verein zur Förderung der wistenschaftlichen Bestrebungen israel. Jünglinge" in der Bildung begriffen. In der ersten, unter Vorsitz des Predigers vr. Kohn abgehaltenen Berathung in Angelegenheit dieses Vereines spendete vr. Jgn. Hirschler einen Gründungsbeitrag von 200 fl. Diesem schönen Beispiele folgten sofort vr. Baumgarten mit ebenfalls 200 fl., Dr. Herrn. Adler, Dr. Heinr. Pollak, Grundbesitzer Schweiger, Tuchhändl. Brüder Deutsch und Kaufmann Mor. Zsengeri mit je 100 fl. Der obgenannte vr. Baumgarten stellte gleichzeitig dem Vereine seine reichhaltige Bibliothek zur Verfügung Der vr. der Rechte, Gvza Franz Schulhof, widmete den Reinertrag seiner ungarischen Uebersetzung der, gerechte Sensation erregenden, verdienstvollen Schrift des hochgeschätzten Herrn Redacteurs dieser Blätter: „Haben die Juden wirklich Jesum gekreuzigt?" ebenfalls' diesem Vereine, welcher außen den obgenannten Herren angeblich bereits eine sehr große Anzahl unterstützender Mitglieder zählt. — (Schhuß folgt.» Anzeigen. In unsere Gemeinde sucken wir zum sofortigen Antritt einen Cultusbeamten, der zu gleicher Zeit urna und Vorbeter ist. Das Gehalt ist inclusive Neben-Einkünfte auf 300—350 Thlr. bei freier Wohnung und theilweiser Heizung normirt. Reisekosten vergütigen zur Vorstellung nicht. Soldin, den 21. Juli 1868. * Der Vorstand. Bekanntmachung. An unserer Religionsschule soll die Stelle eines zweiten Lehrers besetzt werden. Fixirtes Gehalt jährlich 250 Thlr., welches auf 500 Thlr. erhöht wird, wenn der Bewerber auch als Kantor und Chordirigent zu amtiren befähigt ist. Die Stelle bietet außerdem Aussicht auf ein ersprießliches Einkommen durch Privat-Unterricht. Die Qualisication ist durch frankirte Einsendung von Zeugnissen, später durch Probelektion resp. Probevortrag nachzuweisen. Reisekosten werden nur dem Gewählten erstattet. Glogau den 24. Jnli 1868. Der Synagogen-Gemeinde-Vorstand. *) Welche Ehre für Preußen!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.