Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 32 (4.8.1868)
- Date
- 1868-08-04
- Page
- Seite 640 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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scheu Juden ein 3 ‘/a Mal stärkeres Contingent in die Schulen, als alle anderen Einwohner Rußlands. Die Vertheilung der Lernenden in den öffentlichen Lehranstalten Rußlands und die Zahl der Juden in denselben ist nach dem obgenannten Gedenkbüchlein folgende: Schüler, darunter Juden In 6 Universitäten waren 1864/5, 4084 129 - „ 3 Lvceen. 140 3 «g „ 2 Äeterinär Schulen . . . . 99 3 * Also in allen höhern Lehranstalten, zus.: 4323 135 In 85 Gymnasien und 10 Mittlern Schulen auf Gymnasial-Stufe . 29468 982 37 Weiblichen Gymnasien und Schulen 1. Ranges. 4335 33 413 Kreis schulen ....... 25658 323 2 Rabbiner-Schulen. 516 516 5 Kaiserlich-israelitischen Schulen ersten 69 SS Ranges (Kreisschulen). 221 221 5 Kirchen-Schulen ans Gymnasial-Stufe 973 1 19 Kirchen-Schulen aus Kreisschulen- Stufe. 2123 39 & 74 Privat-Lchranstalten auf Gymnasial- Stufe .* 4772 45 187 Privat-Lehranstalten auf Kreisschulen-Stuse .. 5779 648 2 Seminarien für Protestanten . . 67 Also in allen mittleren Lehranstalten zus.: 73912 •2808 In N24 Borschulen ...... 56639 218 r—k 431 Bauernschulen in den Westprov. 15504 69 75 Weiblichen Schulen zweiten Ranges 4630 110 & 102 Kaiserlichen Hebräer-Schulen 1. R. 3341 3341 " 102Vorsch. b. Kirchen u. Talmud-Tora 22163 1051 846 Privat-Vorschulen. 13821 3699 K Also in allen untern Schul, zusammen : 116098 8419 t*" Aus dieser Tabelle ist auch zu ersehen, daß.die Juden in den unteren Lehranstalten 1v\-i Mal mehr vertreten sind (denn da ist das Verhältniß der jüdischen Schüler zu deni der andern Confessiouen wie 1 zu 124,'ö), als in der höhern (wo das Verhältniß wie 1 zu 31 ist.) Der Grund davon ist einfach der, daß binnen den letzten 5 Jahren erst, nach dem Willen unseres hochherzigen Monarchen, den früher zu sehr beschränkt gewesenen Juden mehr Rechte eingeräumt, und mehrere bis vor kurzem für sie verschlossenen Wege eröffnet wurden; indem ihnen zur Ausübung ihrer -körperlichen Kräfte und geistigen Fähigkeiten fast das ganze russische Reich eröffnet, und mehrere bis dahin für dieselben verbotene Beschäftigungszweige erlaubt wurden. So kann nun der jüdische Arzt Civil- und Militärstcllen bekleiden und frei im ganzen Lande jedem leidenden Nächsten Hilfe leisten, während er früher seine Kunst und Wissenschaft nur bis zu einer gewissen Grenzlinie ausüben durste, über die hinaus ihm die Rettung eines Menschenlebens verboten war, und er mit peinigenden Gefühlen sich vom Sterbenden wegwenden mußte, weil dieser eine Spanne jenseits dieser Grenzlinie lag,'wohin dem jüdischen Arzte verboten war zu kommen. — So kann jetzt der jüdische Jurist alle Civilämter bekleiden, was ihm früher ebenfalls verboten war. Die Juden zeigen nun durch ihre Handlungsweise, daß sie dieser Huld würdig sind, und widmen sich jetzt in größerer Zahl dem Studium der Wissenschaften. Dieses Faktum diene jenen Judenfeinden als schlagende Entgegnung gegen den Vorwurf, daß die Juden nur dem Schacher und Wucher ergeben sind, was besonders den Juden des alten Polens vorgeworfen wird, — die Juden thaten es nur da, wo sie gezwungen waren nichts Besseres zu unternehmen. Unser Jahrhundert aber, besonders die letzten Paar Decennien, haben diese Vorwürfe hinlänglich entkräftet, denn überall, wo den Juden die Freiheit gelassen wurde, etwas Besseres zu wählen, bewiesen dieselben, daß sie zu viel Höherem befähigt sind. Als schlagendsten Beweis des eben Gesagten will ich bloß Italien anführen. Kaum sind daselbst die Juden den Christen gleich gestellt worden, und ein Cavour findet unter ersteren seinen intimsten Freund und ersten Secretair! Wären aber die Juden Italiens bis nun unter dem früheren Drucke geblieben, ein Artom wäre unter denselben für die Judenfeinde auch nicht dankbar. Und so gereicht es immer und überall dem Lande selbst zum Schaden, dessen Gesetze über einen Theil seiner Bevölkerung Beschränkung verhängen. Diese Wahrheit wird ganz sicher, wie überall, so auch in den Donaufürstenthümern früher oder später anerkannt werden! I. R. Warschau, im Juli. Von hier wird der „P.Z." geschrieben: Der Oberpolizeimeister hat sich wieder einmal der Juden erinnert, und zu dem schon vor 2 Jahren eingeführten Verbot, dieselben in den sogenannten sächs. Park zu lassen, noch das des Einlasses in den hinter dem Park belegenen Garten hinzugefügt, in welchem letzteren das Mineral-Wasser-Heilinstitut sich befindet. Bei ihrem Erscheinen des Morgens zum Gebrauch der Kur wurden die Juden trotz ihrer für den ganzen Sommer gelösten Billets von den Polizeibeamten an der Thür zurückgewiesen. Eine solche Rücksichtslosigkeit selbst gegen Kranke und Leidende hat nicht einmal das Paskiewicz'sche Regiment gekannt,