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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-08-04 · Heft 32 (4.8.1868) · p. Seite 637

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 32 (4.8.1868)
Date
1868-08-04
Page
Seite 637 (sequence 10)
Language
German
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637 hinzu, Juden nicht als Zeugen gegen Christen zuzulassen, das zu Beziers (1248) fügte noch bei Androhung der Excommunikation hinzu, daß Christen sich nicht von jüdischen Aerzten behandeln lasien dürften. Alle die bis jetzt angeführten Gesetze wurden auch von dem großen Concil zu Wien (1267) bestätigt, und nicht minder that dies das Concil zu Ofen 1279. Die Jahrhunderte gingen vorüber, aber nicht die Beschlüsse der Concilien, und die große Kirchenversammlung zu Basel erneuete 1434 alle die Verfolgungsgesetze Jnnocenz' III., und fügte noch den Ausschluß der Juden von jedem Universitätsgrade und daß die Juden Bekehrungspredigten anzuhören gezwungen werden sollten, hinzu. Dasselbe geschah zu Bamberg 1451. Dies sind einige Blicke auf die Thätigkeit der Concilien, so weit sie uns berührt, und gewisse Erlasse einiger galizischen Bischöfe vor einem oder zwei Jahren bewiesen, daß noch kein Jota davon aufgegeben sei. Man sieht hieraus, daß wir auch jetzt in keinerlei Weise die Angreifenden, sondern lediglich zur Bertheidigung gerüstet sind. Uns gehen Concilien und Curie nichts an, wenn sie die großen Principien in Ruhe lassen, welche das Fundament wie der ganzen gegenwärtigen Gesellschaft, so auch unserer Verhältnisse ausmachen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Königsberg, 21. Juli. (Privatmitth.) Seitdem die hies. Universität den exklusiven Charakter verloren und Katholiken und Juden der Zutritt gestattet worden, haben sich bereits vier Privatdocenten jüdischer Religion habilitirt. Auch den Arzt, Herrn vr. Heim. Jacobson, wollte man dazu bewegen; da er es aber ablehnte, in seinem Alter noch Privatdocent zu werden, hat man ihm eine außerordentliche Professur ertheilt. Aus der Provinz Posen, im Juli. (Privatmitth.)*) Posen, die von Israeliten am meisten bevölkerte Provinz des preußischen Staates erfreut sich bereits sei^ langer Zeit organisirter jüdischer Schulen, deren Lehrer von der Regierung angcstellt werden. Der Vor- *) Von einem andern Cvrresp. zug, daß die Stellung hierdurch eine gesicherte ist, ist nicht zu verkennen. Aber auch nur die Stellung, mit der Existenz ist das eine andere Sache; denn was das Gehalt anlangt, so ist dieses so beschaffen, ,daß der Lehrer bei der größten Bescheidenheit und dem besten Willen damit nicht auskommen kann. WaS läßt sich auch mit 150—250 Thlr. (mit sehr geringer Ausnahme schwankt zwischen diesen Zahlen das Gehalt) viel anfangen? — Aber Gott bewahre, es liegt durchaus nicht im Willen der Gemeinde oder ihrer Vorsteher, daß der treue, pflichteifrige Lehrer hiermit auskomme; nach der schweren TageSarbeit steht es ihm frei, sich durch Privatunterricht das zu erarbeiten, was ihm zu seiner bescheidenen Existenz noch fehlt. So hat mancher Lehrer außer seinen festgesetzten Amtsstundcn täglich noch drei bis vier, nicht selten noch mehr Stunden zu arbeiten und sich außerdem für die Schule vorzubcreiten. Glücklich der Lehrer, dem noch zur Ertheilung von Privatstunden Gelegenheit geboten wird. Im anderen Falle ist es in der That ein Räthsel, wie er durchkommen soll, wenn er nicht etwa neben seinem Lehramt irgend ein Geschäftchen betreibt, was übrigens nicht zu den Seltenheiten gehört. Was thut der Mensch nicht Alles um des lieben Brodcs willen — und ist doch der Lehrer auch nur ein Mensch, obwohl man von ihm verlangt, daß er in jeder Hinsicht ein Engel sei, ja sogar darin, daß er nichts esse. Der Lehrer soll für das Geringe sehr viel leisten, und manche Gemeinde stellt an die Elementarschule fast dieselben Ansprüche, wie an eine höhere Lehranstalt, wobei sie sich mit idealistischen Plänen trägt, deren Durchführung kaum möglich. Das Beste, was man über die Existenz eines Lehrers hören kann, lautet etwa: „Dem gehts ausgezeichnet, er hat sehr viel Privat." Während aber die Gemeinde den Lehrer, dem sein und seiner Familie Leben lieb ist, auf der einen Seite zwingt, sich mit möglichst vielen Privatstunden zu beschäftigen, möchte sie es ihm auf der anderen Seite wiederum hindern, da hierdurch dem öffentlichen Unterricht die Kräfte entzogen würden. Frägt nun der Lehrer recht bescheidentlich, wie er denn eigentlich ohne das Nebeneinkommen mit seinem geringen Gehalt auskommen solle, so erhält er oft verschiedene Bescheide, als da sind: „Haben doch viele christliche Lehrer hier zu Lande noch weniger Gehalt, wie kommen denn die aus?" oder: „Bor jenen drei- Redakt.

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